Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
17.01.2018
Zürich West

Migros Museum widmet sich lebendigen Kunstwerken


Ai Weiwei liess 1000 chinesische Bürger kostenlos zur Documenta 12 in Kassel reisen und brachte 1001 antike chinesische Holzstühle mit. Das Migros Museum zeigt eine grosse Zahl der Fotografien. Foto: Lorenzo Pusterla

Die neue Ausstellung im Migros Museum für Gegenwartskunst nennt sich «Extra Bodies – Use of the Other Body» und untersucht ein künstlerisches Phänomen der 1990er-Jahre. 

Elke Baumann

Das Migros Museum für Gegenwartskunst auf dem Löwenbräu Areal wird 1996 von Gottlieb Duttweiler, Gründer der Migros, ins Leben gerufen. Duttweiler begann Mitte der 1950er- Jahre, zur Förderung von lokalen und nationalen Künstlern Gegenwartskunst anzukaufen. Heute hat sich die museale Unternehmenssammlung, besonders durch seine Ausstellungstätigkeit, einen Namen gemacht. Das Museum verfügt über zwei Ausstellungsebenen. Ein Stockwerk wird für wechselnde Einzel- oder Gruppenausstellungen genutzt, im anderen werden Besucherinnen und Besuchern Werke aus der eigenen Museums Sammlung präsentiert.

Der Mensch als Objekt

Die Ausstellung «Extra Bodies» untersucht ein künstlerisches Phänomen, das seit den 1990er-Jahren einen Boom erlebt: Der Künstler greift auf «andere Körper» zurück. Diese werden von ihm aufgrund ihrer sozialen Rolle ausgewählt – und als Statisten, sogenannte «extras», eingesetzt. Das sind Flüchtlinge, Models oder Gruppenformationen, können Arbeitslose, Alkoholiker oder Drogenabhängige sein, die für ein geringes Honorar posieren. Zum Beispiel Santiago Sierra, der immer wieder provoziert und mit seinen Ausstellungen die Gesellschaft herausfordert. Für eine geringe Bezahlung lässt er 2001 in einer Zürcher Galerie zwei Einwanderer einen schweren Balken gegen die Wand halten – stundenlang. Sierra kritisiert damit die unterbezahlte Arbeitskraft und thematisiert Ausbeutung und Erniedrigung.    Die     ausgestellte  Schwarz-Weiss-Fotografie dieser Performance trifft haarscharf den Nerv unserer Zeit.

1000 Chinesen und 1 Künstler

2003 lässt Ai Weiwei 1000 chinesische Bürger unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft während der Dauer der Documenta 12 kostenlos nach Kassel reisen. «Fairytale» nennt Ai Weiwei seine Arbeit: «Märchen», und ein Märchen ist es wirklich, nicht nur für die Chinesen, die zum ersten Mal in Deutschland sind und sich die Reise allein niemals hätten leisten können.
Die Ausstellung im Migros Museum zeigt eine grosse Zahl Fotografien einzelner Chinesen, fast alle jung, gebildet und neugierig. Um ihre Präsenz in Kassel noch mehr zu betonen, hat Ai Weiwei 1001 antike chinesische Holzstühle aus der Qing- Dynastie (1644–1911) mitgebracht. Alles Unikate, von denen eine Anzahl jetzt auch in der Ausstellung im Migros Museum steht. Man darf darauf Platz nehmen und versuchen sich vorzustellen, wie es wäre, wenn 1001 Chinese im Gänsemarsch an einem vorbeimarschierten.

Punk-Omas

Der Basler Christof Büchel ist mit der Video-Installation «No future» vertreten. Die Band verwandelt den ehemaligen Löwenbräu in einen Proberaum für eine Punkband von Musikerinnen, die alle älter als 80 Jahre sind. In einem dreiminütigen Zusammenschnitt und einer Lautstärke von knapp 115 Dezibel rocken die Omas den Sexpistols-Song «No future» ab. Damit stellt Büchel die alternden Statistinnen dem modernen rebellischen Song gegenüber.

Vanessa Beecroft löst mit ihrer Performance «100 nackten Frauen» in Berlin einen Besucheransturm aus. Drei Stunden stehen die Models bewegungslos vor Ort. Damit inszeniert Beecroft deren Berufsalltag: Warten und Posieren. Weiter sind Arbeiten zu sehen von Yves Klein, dessen Markenzeichen die Farbe Blau ist, von Guy Ben-Ner, Master of Fine Arts, von Oscar Bony, Candice Breitz, Maria Eichhorn, A. Raeven, Edwin Sánchez, Christoph Schlingensief, um nur einige zu nennen.
Die Ausstellung ist eine Foto- und Videoschau, in der lebendige Menschen Teil der Kunst werden und ihre Körper zur Ware im internationalen Kunstbetrieb.

Ausstellung bis 4.  Februar 2018. Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, 11 bis 18 Uhr, Do, 11 bis 20 Uhr (17 bis 20 Uhr Eintritt frei), Sa  und  So,  10  bis  17  Uhr.
www.migrosmuseum.ch



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 11. Oktober 2018
Zürich 2 vom 11. Oktober 2018
Zürich Nord vom 11. Oktober 2018
Zürich West vom 11. Oktober 2018
Küsnachter vom 11. Oktober 2018
Küsnachter Amtlich vom 11. Oktober 2018

Sonderzeitungen

Ausstellungsführer Neuer Norden 2018
Neuer Norden 2018
Abenteuer Stadt Natur 2018
Tonhalle
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger Klotener Anzeiger