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17.01.2018
Zürich West

Orte der Ruhe sind nicht zwingend still


Friedhöfe werden heute als Begegnungsräume wahrgenommen. Foto: mai.

Studierende der ZHAW haben in Zürichs urbanem Westen «Orte der Ruhe» gesucht und gefunden: Eine Ausstellung in der Stadtgärtnerei – einem Ort der Ruhe par excellence.

Lisa Maire

Das Phänomen unserer Zeit – die zunehmende Beschleunigung in verschiedensten Lebensbereichen – beschäftigt auch Studierende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Für ihr Projekt unter Leitung von Dozentin Petra Hodgson wollten sie herausfinden, wo und wie Freiräume in Aussersihl, Wiedikon, Albisrieden und Altstetten von Quartierbewohnern genutzt werden, um der Hektik des Alltags zu entfliehen. Dazu erkundeten die angehenden Umweltingenieurinnen und -ingenieure sieben Wochen lang in Gruppen verschiedenartigste, alltägliche Freiräume – ob Strasse, Weg, Platz, Friedhof, Park, Hof oder Gemeinschaftsgarten – und befragten dort zahlreiche Menschen.

«Wir wollten die Sehnsüchte der Menschen abholen», erklärte Hodgson an der Vernissage im Bildungszentrum von Grün Stadt Zürich in der Stadtgärtnerei.
Ergänzt wird die Ausstellung von Bildern und Texten mit einem «Klangspaziergang», den eine Absolventin des ZHdK-Studienlehrgangs Kunst und Medien ausgetüftelt hat. Gerade auch dieses Projekt zeigt: Ruhe ist nicht gleich Stille. «Orte der Ruhe» könnten dezibelmässig laut sein, so Stadtökologe und ZHAW-Dozent Stefan Ineichen an der Vernissage. Sie strahlten aber stets eine Ruhe aus, bei der Grünflächen und Biodiversität eine starke Rolle spielen. Was zähle, sei die Klangqualität. So kann in einem stark befahrenen Strassenraum schon ein kleines Plätzchen mit einem plätschernden Brunnen als Oase empfunden werden.

Dies haben auch die Projektteilnehmer erfahren, die auf langen Märschen Strassen, Wege und Plätze erkundeten und dabei – zum Beispiel an der verkehrsberuhigten Sihlfeldstrasse – von Anwohnern erfuhren, dass Lebensqualität auch identitätsstiftende Lebendigkeit bedeuten kann. «Orte der Ruhe sind nicht unbedingt ruhig, aber in der Hand von Quartierbewohnern», sagte eine Studentin an der Präsentation. Ob diese nun an einem alten Brunnen vor dem Haus Wasser für die Gartenparty-Gäste holen oder auf einem kleinen ungeteerten Weg auf dem Nachhauseweg dem Autolärm ausweichen, ob sie städtische Parkanlagen als Treffpunkt, Rückzugsort oder für Spaziergänge nutzen. «Ein Ort zum Kraft schöpfen», wird ein Nutzer der Bäckeranlage zitiert. Und über die Kollerwiese beim Ortsmuseum Wiedikon sagt ein befragtes Elternpaar, sie sei eine Oase. «Im Sommer nutzen wir sie zum Picknicken, im Winter zum Schlitteln.»

Auch Innenhöfe mitten in der Stadt haben die Studierenden unter die Lupe genommen. Einzelne erschienen ihnen auf den ersten Blick als «Unorte». Erst auf den zweiten Blick entdeckten sie hinter Autoabstellplätzen bunte Pflanzkisten, Lichtergirlanden und in Backsteinfassaden nistende Wildbienen – Anzeichen, dass die Hausbewohner anfangen, ihren Hof auch als Lebensraum wahrzunehmen.


Interessant sind die Erkenntnisse zum Friedhof als Ort der Ruhe: Vor allem weitläufige Friedhöfe wie Sihlfeld oder Eichbühl werden heute vermehrt wie ein Park genutzt, vor allem von jüngeren Leuten. «Das ist einfach ein toller Spaziergang für uns, weil man hier die Kinder springen lassen kann und es keine Hunde hat», freut sich etwa eine von den Studenten befragte Mutter. Aber auch die ältere Generation ist dieser «Aneignung des Raums» nicht unbedingt abgeneigt: «Wenn Kinder auf dem Friedhof spielen, stört mich das nicht. Das ist das Leben. Wir leben und sind ja nicht tot, vorläufig», sagt ein Pensionierter, der manchmal auf einer Friedhofsbank seine Zeitung liest.

Ausstellung bis 4. Februar, täglich 9–17.30 Uhr, Stadtgärtnerei, Sackzelg 27.

 



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