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24.01.2018 Von: David Herter

Zürich 2

In der Manegg sind sich Post und Kirchen einig


Eine eigenständige Gemeinde war Leimbach nie, mal gehörte man dazu, mal wollte man weg. Foto: David Herter

Für die Katholiken und die Post gehört die Manegg längst zu Leimbach. Kurze Zeit gilt das auch für die Reformierten. Sie haben für das Neubaugebiet extra eine Pfarrerin angestellt.

Die Manegg trägt den Namen eines Ritters. Denjenigen von Rüdiger Manesse, der seine Burg auf einem Vorsprung über der Sihl hatte und der 1304 starb. Heute ist die Burg eine Ruine, und der Name Manessenegg wurde mit der Zeit zu Manegg. Um ebendiese Manegg, oder vielmehr um ihre künftigen Bewohnerinnen und Bewohner, wirbt der Quartierverein Leimbach («Zürich 2» von letzter Woche). Noch gehört das Neubaugebiet an der Sihl nämlich zum Quartierverein Wollishofen. Dieser mag sich vorerst nicht entscheiden, ob er die Manegg den Leimbachern überlassen soll oder nicht.

Längst entschieden hat die katholische Kirche. Von ihrer Wollishofer Kirchgemeinde Sankt Franziskus spaltete sich 1974 die Leimbacher Gemeinde Maria-Hilf ab. Dies nach einer längeren Vorgeschichte und ebensolcher Suche nach einem geeigneten Grundstück. Einige Zeit prüften die Katholiken dabei den Bau einer gemeinsamen, ökumenischen Kirche mit den Leimbacher Reformierten. Ein enger Terminplan verhinderte dies aber, im Dezember 1974 wurde das Pfarreizentrum Maria-Hilf eingeweiht. «Es war die letzte Neubildung einer katholischen Kirchgemeinde in Zürich», sagt Andreas Meile, Geschäftsführer des Verbandes der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt. Die Manegg erhielt das katholische Leimbach damals dazu, quasi als Brautgeschenk. Katholiken, die im Greencity oder in andere Neubauten auf der Manegg einziehen, erhalten ihr Willkommensschreiben darum aus Leimbach und zahlen auch einen Teil ihrer Steuern dahin.

Den Reformierten ist alles eins
Erledigt hat sich die Frage, wohin die Manegg gehört, auch für die Reformierten. Sie sind daran, (fast) ganz Zürich in eine einzige Kirchgemeinde zu giessen, inklusive der Enge, Leimbach und Wollishofen, die den Kirchenkreis 2 bilden werden. Noch ist der Zusammenschluss nicht fertig umgesetzt, auch die reformierte Kirche teilt Neuzuzüger auf der Manegg vorderhand Leimbach zu. Das Neubaugebiet ist den Reformierten gar eine eigene Pfarrerin wert, präziser gesagt, eine 50-Prozent-Projekt-Pfarrerin. Chatrina Gaudenz bietet seit August in den Neubaugebieten von Zürich Süd niederschwellig Gespräche und Seelsorge an. Die Kirche wolle aktiv und verlässlich in Erscheinung treten, wo Menschen noch nicht heimisch seien, sagt Peter Kuster, Vizepräsident der reformierten Kirche Leimbach. Nach wie vor nicht entschieden ist laut Kuster über die längerfristige Zukunft des Kirchgemeindezentrums in Leimbach, über dessen Abriss schon spekuliert wurde. «Weder der Behörde der Kirchgemeinde, noch der Projektorganisation des neuen Kirchenkreises 2 sind irgendwelche Abbruchpläne bekannt», sagt Kuster. Die reformierten Gläubigen bräuchten sicher auch nach dem grossen Zusammenschluss Räume in Leimbach für das kirchliche Leben, «bestehende, umgenutzte oder neue».

Für die Post ist die Manegg Leimbacher Boden. Zum Gebiet der Postleitzahl 8041 gehört das Neubaugebiet dazu. Wie es dazu kam, ist trotz Recherchen im PTT-Archiv in Köniz nicht genau zu eruieren. Die aktuelle Postleitzahl wurde laut der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Barbara Schmutz zusammen mit den anderen Postleitzahlen 1964 nach Leimbach vergeben, wobei das 40 in der Zahl auf eine Verteilung der Briefe und Pakete via Sihlpost hinweist, wo ehemals das Postbüro 40 lag. «Zürich 38» war vor der Verteilung der vierstelligen Zahlen die Bezeichnung von Wollishofen, woraus sich die heutige Postleitzahl 8038 ableitet.

Die Sihl gehört den Wollishofern
Sicher ist: Für die Stadt gehört die Manegg nach wie vor zu Wollishofen, ja noch mehr. Auf ihren Plänen verläuft die Grenze zwischen Leimbach und Wollishofen nicht wie zu erwarten wäre in der Mitte der Sihl, sondern am Leimbacher Ufer entlang von Sood- und Zwirnerstrasse. Das mag damit zu tun haben, dass Wollishofen ehemals eine eigenständige Gemeinde war und Unter- und Mittelleimbach lediglich ein Weiler und Höfe, die zur Gemeinde Enge gehörte. Nicola Behrens vom Stadtarchiv geht davon aus, dass es für den seltsamen Grenzverlauf «irgendwelche wirtschaftlichen Gründe» gibt. «Mir kommen da eigentlich nur Fischerei oder Flösserei von Holz in den Sinn», sagt Behrens. Mit mehr als Vermutungen könne er aber leider nicht aufwarten.

Die Stadt ihrerseits will die Grenze zwischen Leimbach und Wollishofen lassen, wie sie ist. Diese verlaufe heute entlang der Parzellengrenzen, sagt Nat Bächtold vom Präsidialamt. «Eine Verlegung in die Flussmitte wurde aufgrund des hohen Aufwands nicht an die Hand genommen.»



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