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24.01.2018 Von: Lorenz Steinmann

Züriberg, Zürich West, Zürich 2

Schule für 450 Mädchen - verzweifelt gesucht


Hier an der Schöntalstrasse, einer Seitenstrasse des Stauffacherquais, gehen rund 450 Mädchen und junge Frauen der jüdisch-orthodoxen Mädchenschule in den Unterricht. (Foto: ls.)

Der befristete Mietvertrag der EKZ mit der jüdischen Mädchenschule ist abgelaufen. Die Suche nach alternativen Standorten erweist sich als schwierig, obwohl bald ein neues jüdisches Schulhaus eröffnet wird.

Das Rauschen im Blätterwald war gross, als vergangenen Sommer bekannt wurde, dass sich die jüdisch-orthodoxe Mädchenschule so schwertut mit der Suche nach einem neuen Standort. Noch bis Sommer 2018 sind die 450 Schülerinnen an der Schöntalstrasse einquartiert. Das Gebäude gehört den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ). Diese boten Hand für eine temporäre Lösung: ein befristeter Mietvertrag von 2010 bis 2017 für ihre Liegenschaft an der Schöntalstrasse im Kreis 4. Der Vertrag wurde dann nochmals verlängert, bis Mitte 2018. Doch nun möchte die Mädchenschule mit ihren rund 450 Schülerinnen am liebsten bleiben, das EKZ hingegen besteht darauf, an diesem Ort eine Wohnüberbauung zu realisieren. Wie verhärtet die Fronten mittlerweile sind, zeigt einerseits ein erfolgloses Treffen vor der Schlichtungsbehörde, andererseits eine Petition, die rund 100 Mitglieder des Kantonsrats unterzeichnet haben. Doch warum überhaupt kam es zur jetzigen «Notlage»? Bis 2010 befand sich die Mädchenschule im Schulgebäude an der Brandschenkestrasse im Kreis 2. Dann wurden jene Räume zu klein. Als das befristete Angebot für die Nutzung an der Schöntalstrasse kam, schlug man sofort zu. Dann zügelte die jüdische Knabenschule «Talmud Toyre» hierher, weil deren Gebäude am Manesseplatz abgerissen wurde. Nur: Für diese jüdische Knabenschule ist bald ein eigenes Schulhaus fertig gebaut, wiederum am Manesseplatz. Als Bauherrschaft tritt der Verein «zur Unterstützung des jüdischen Schul- und Gemeinwesens in Zürich auf». Somit werden auf Sommer 2018 jene Schulräume an der Brandschenkestrasse wieder frei. Warum kehrt die Mädchenschule nicht einfach dorthin zurück? Und warum zügelt nicht einfach ein Teil der Mädchenschule ins neue Gebäude an der Manessestrasse? Eine Auskunftsperson der Mädchenschule, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, winkt ab: «Tatsächlich wurde diese Frage auch schon gestellt in der jüdischen Gemeinde. Doch das geht aus verschiedenen Gründen nicht.» Die Räumlichkeiten an der Brandschenke seien zu klein, weil hier mittlerweile auch noch ein jüdischer Kindergarten eingemietet sei. Und das Gemeindehaus am benachbarten Brandschenkesteig? Auch dieser Bau werde mittlerweile anders genutzt, so die Auskunftsperson. Der Neubau am Manesseplatz komme als Alternative für die Mädchenschule nicht infrage, weil der grösste Teil des Hauses mit Eigentumswohnungen genutzt werde. «Nur so lässt sich die rein privat betriebene Knabenschule finanzieren», heisst es. Dabei würde dieses Haus ideal Platz bieten für mehrere hundert Schülerinnen und Schüler.

70 Liegenschaften angeschaut
Die Vertreter der jüdischen Mädchenschule lassen sich nach wie vor Zeit. Rund 70 Liegenschaften habe man angeschaut, hiess es kürzlich in der «NZZ», keine habe ins Schema gepasst. Dabei war dem Vernehmen nach etwa das heutige Juventus-Gebäude an der Lagerstrasse im Kreis 4.
Und die jetzige Vermieterin? EKZ-Sprecher Noel Graber betont auf Anfrage, der Mietvertrag sei von Anfang an als Zwischennutzung bezeichnet gewesen. «EKZ wird das Baugesuch Ende Januar 2018 einreichen. Der Baustart ist für Herbst 2018 vorgesehen.» Graber gibt sich zugeknöpft: «Nur weil die EKZ der Mädchenschule in einer Notlage ausgeholfen haben, und dies sogar länger als ursprünglich geplant, kann unter keinen Umständen abgeleitet werden, dass die EKZ für die weitere Aufrechterhaltung des Schulbetriebs in irgendeiner Weise Verantwortung übernehmen müssen.»
Das Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich beobachtet die Entwicklung intensiv, wie Mediensprecher Marc Caprez erklärt. Und wenn sich keine Lösung ergibt? «Denkbar wäre aus unserer Sicht eine Integration in die Regelschule, denn jedes schulpflichtige Kind in Zürich hat Anspruch auf einen Schulplatz», so Caprez. Problematisch wäre für die jüdisch-orthodoxen Schülerinnen freilich der Unterricht.
Der Stundenplan in jüdisch-orthodoxen Schulen unterteilt sich etwa zur Hälfte in «koidesch» und «profane» Fächer. Die profanen sind von der Kantonalzürcher Bildungsdirektion vorgegeben und beinhalten etwa Mathematik, Deutsch, Mensch und Umwelt oder Zeichnen. Die restliche Zeit werden die Kinder «koidesch», also in jüdischer Tradition geschult: Bibelkunde, Theoriekurse über die Gesetze der Festtage oder das koschere Essen, wie der «Tages-Anzeiger» vergangenen Sommer schrieb.



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