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25.01.2018 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Widerstand gegen Kiga-Schliessung


Der KIGA Weinmanngasse in Küsnacht schliesst auf Sommer 2019. Foto: Fabio Lüdi

Der Kindergarten an der Weinmanngasse in Küsnacht wird im Sommer 2019 in das Schulhaus Wiltiswacht verlegt. Damit sind nicht alle Eltern einverstanden.

Der Kindergarten an der Weinmanngasse in Küsnacht wird auf Sommer 2019 aufgelöst. Das gefällt nicht allen im Quartier, einige Eltern haben darum eine Unterschriftenaktion gestartet. «Damit wollen wir der Schulpflege und dem Gemeinderat zeigen, dass vielen Anwohnern daran liegt, den Kindergarten im Quartier zu behalten », sagt Rahel Fierz, eine der Initiantinnen der Aktion.
Der Kindergarten Weinmanngasse soll im Zuge des Um- und Ausbaus des Schulhauses Wiltiswacht zusammen mit dem Kindergarten an der Heinrich-Wettstein-Strasse ins Schulhaus Wiltiswacht verlegt werden. Das Vorhaben steht in Zusammenhang mit grösseren Ausbauplänen der Schule Küsnacht, die damit ihr Platzproblem lösen will (der «Küsnachter» berichtete am 14. Dezember 2017).
Im Zuge dessen liess die Schule Küsnacht auch verlauten, dass der Kindergarten an der Weinmanngasse nicht mehr weitergeführt werden könne, da man die Kündigung erhalten habe. Später konkretisierte die Schule und sagte, man habe den Mietvertrag auslaufen lassen und auf eine Verlängerung verzichtet (der «Küsnachter» berichtete am 21. Dezember 2017). Grund dafür sei, dass die Lokalität habe umgebaut werden müssen, um den heutigen Platzanforderungen gerecht zu werden.

KIGA passt nicht in Strategie
Auch hätte eine Verlängerung einen «erheblich höheren» Mietzins zur Folge gehabt, liess die Schule verlauten. Demnach verfolgt die Schule Küsnacht die Strategie, ihren Raumbedarf mittelfristig durch Aus- und Umbau eigener Liegenschaften zu bewältigen. Die Initianten der Unterschriftensammlung fürchten allerdings, dass mit der Verlegung des Kindergartens der Zusammenhalt im Quartier leiden könnte. Sie sind der Ansicht, dass die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht genügend berücksichtigt würden. Viele Familien seien extra wegen des Quartierkindergartens hierher gezogen.
Durch den gemeinsamen Kindergarten kennen sich die Kinder im Quartier, das belebe den Ort, und Freunde könnten sich so selbstständig schon von klein auf alleine untereinander besuchen. Das fördere die Selbstständigkeit und die Entwicklung der Kinder, ist sich Rahel Fierz sicher. Schulpräsidentin Danièle Glarner (FDP) zeigt sich auf Anfrage hingegen überzeugt, dass dies kein Problem sein wird: «Nach Möglichkeit und unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben werden Kinder aus dem gleichen Quartier der gleichen Schule zugeteilt.»
Zudem versuche die Schulpflege, die Klassengrösse möglichst ausgeglichen zu gestalten. «Die Durchmischung in den Kindergärten stellt für viele Kinder auch eine Chance dar, ergänzend zum Umfeld, im Quartier neue Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schliessen», so Glarner weiter. Konkret wird auch der künftige Schulweg der Kinder kritisiert: Dieser wird über die viel befahrene alte Landstrasse und den Dorfplatz führen.
«Verkehrsmässig ist dieser Weg eine Katastrophe», meint Anne Richter, Mitinitiantin der Unterschriftenaktion. Für ältere Kinder sei der Weg zwar machbar, «aber Kindergartenkinder sind damit überfordert». Sie fürchtet denn auch, dass sich viele Eltern dazu entscheiden werden, ihre Sprösslinge dereinst mit dem Auto zur Schule zu kutschieren. Auch da sich der Schulweg für einige Kinder verlängern wird. In einem Brief an die Eltern Mitte Januar bringt die Schulpflege allerdings ihr Vertrauen darauf zum Ausdruck, dass die Eltern auf solche «Taxifahrten» verzichten würden.

Massnahmen werden abgeklärt
Die Schule wäge beim Schulweg zudem dessen Machbarkeit und das Alter der Schüler ab und lege bei Bedarf begleitende Massnahmen fest, so Schulpräsidentin Glarner. Konkrete Massnahmen würden in diesem Fall noch geprüft. «Es gab und gibt aber bereits heute Kindergartenkinder, die diesen Wegabschnitt gut bewältigen», weiss Glarner. Mit ihrer Unterschriftenaktion wollen die Initianten ein Zeichen für den Dialog setzten, denn dieser sei bei der Schulraumplanung zu kurz gekommen. «Über ein Parkdeck wird abgestimmt, aber schulische Investitionsentscheide werden einfach getroffen», so Richter. Sie hofft noch immer auf eine quartiernahe Lösung.
Eine solche dürfte es allerdings schwer haben. Einerseits wegen des Vorhabens der Schule, vorwiegend eigene Liegenschaften zu nutzen. Andererseits weil die Schule Küsnacht dezentrale Gesamtschulen fördern möchte. Aussenwachten und einzelne Quartierkindergärten stünden dieser Ausrichtung entgegen, sagte die Schule Küsnacht letzten Dezember. Vertreter des Elternrats, darunter auch Rahel Fierz, hätten sich die Pläne zur Schulraumstrategie zudem vor über einem Jahr vom Leiter Infrastruktur erklären lassen und die Stossrichtung als nachvollziehbar beurteilt, sagt Glarner. Jonathan Pitt, Präsident des Elternrats Schule Dorf, bestätigt denn auch auf Anfrage, dass der Elternrat nicht in die Unterschriftenaktion involviert sei und die Initiative von Privaten ausgehe.
«Die Argumente für die Verlegung sind aus organisatorischer Sicht natürlich überzeugend», glaubt Rahel Fierz auch heute noch. Aber: «Es fehlt dabei an Herz und Seele.»



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