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25.01.2018 Von: Annemarie Schmidt-Pfister

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Zurück, um zu erfreuen: Küsnacht anno 1902


Lokalhistoriker Alfred Egli findet in Otto Webers Küsnachter Ansicht aus dem Jahre 1902 immer wieder Anhaltspunkte für Erinnerungen und Erläuterungen. Foto: Annemarie Schmidt-Pfister

Aus dem «tiefen Keller» des Ortsmuseums zurück ans Licht der Öffentlichkeit: Das Ölbild, das Otto Weber 1902 von Küsnacht malte und das Thomas Becker sorgfältig restaurierte, wurde im Rahmen einer feierlichen Vernissage der Gemeinde übergeben.

Während sich draussen gleich mehrere Risse im Himmel öffneten und Sturmtief «Evi» graupelige Schneeböen über Küsnacht jagte, feierten drinnen, im Veranstaltungssaal der Tägerhalde, ein froh gestimmtes Publikum und viel Dorf-Prominenz die glücklich zu Ende gebrachte «Heilung » eines Lochs im Himmel: In rund vierzig Arbeitsstunden hat Restaurator Thomas Becker die von Otto Weber gemalte Küsnachter Ansicht aus dem Jahre 1902 sachkundig aufgefrischt und den Riss im Himmel entfernt.

Mit dem Skalpell
Das mit Goldrahmen 160×115 Zentimeter grosse Ölbild zeigt Küsnacht vom Haus Belaria an der Bergstrasse aus gesehen: Wiltisgasse und Dorfstrasse bilden die eine, Seeufer und Schule die andere Achse, dazwischen reihen sich reformierte Kirche und Friedhof sowie, prominent im Vordergrund, die ehemalige Gärtnerei Pfenninger und das Areal der Firma Ernst, wo einst der Urgrossvater des jetzigen Gemeindepräsidenten eine Imkerei betrieb. Die katholische Kirche fehlt – sie wurde erst ein Jahr später errichtet. Dafür findet der aufmerksame Betrachter viele weitere bekannte und unbekannte Häuser, solche, die heute noch stehen, und solche, die inzwischen dem Baggerzahn zum Opfer gefallen sind. «Otto Weber, Maler, 1902» hat Weber seine liebevoll ins Detail gehende Küsnachter Ansicht links unten signiert und dabei die Initialen rot grundiert.
«‹Vernis› nennt man den Lack, der jeweils einem Bild den finalen Touch gab und die Ölfarben zum Leuchten brachte», erzählte Restaurator Thomas Becker. Er hat aus Liebe zu seiner langjährigen Wohngemeinde das Bild einer Verjüngungskur unterzogen und die Restauration der Gemeinde geschenkt. Daraus entstand auch die Bezeichnung «Vernissage », die an diesem kalten Januarabend in der Tägerhalde so gemütlich gefeiert werden konnte. Da indes der «Vernis» im Laufe der Zeit zu vergilben pflegt, hatte die Ansicht von Küsnacht, welche Elisabeth Abgottspon aus den Tiefen des Museumskellers rettete, inzwischen ihre Leuchtkraft verloren. Dem Riss über der Albiskette rückte der Restaurator wie ein Chirurg mit Skalpell und Mikroskop sowie Nadel und Faden zu Leibe: Gespannt folgten vier Gemeinderäte und ein proppenvoller Saal den spannenden und fundierten Beschreibungen der Restaurationsarbeit. «Ich wollte das Bild zu dem Zweck zurückgeben, zu dem es gemacht ist, nämlich zu erfreuen und Geschichten aus alter Zeit zu erzählen », beendete Thomas Becker seine Ausführungen. Dank sei ihm!

Das iPad zum Bild
Interessantes erzählte dann Lokalhistoriker Alfred Egli mit der ihm eigenen Verve über Küsnacht zur Jahrhundertwende. So manche Reminiszenz wurde dabei geweckt bis hin zum furchtbaren Drama jener Familie, die während des Hochwassers 1778 auf dem Kachelofen in der Stube des Abegghauses ertrank. Gemeindepräsident Markus Ernst bedankte sich in einer gewohnt geistreichen Ansprache bei allen, die zu diesem Abend beigetragen hatten, und überreichte einige individuell ausgesuchte Geschenke aus der Küsnachter «Gemeinde-Schatztruhe»; neben einem Wein aus Küsnachter Trauben zum Beispiel auch Wasserflaschen und Sportbeutel für eingefleischte Tobel-Wanderer… Die Pianistin Stefanie Senn improvisierte dazu am Flügel mit leichter Hand Salonmusik aus der Zeit der Jahrhundertwende sowie bekannte Zürcher Volkslieder und -weisen.
Webers Küsnacht-Bild, zu dem übrigens ein iPad mit erläuternden Hinweisen zu Geschichte und Dorfentwicklung geplant ist, wird «bis auf weiteres» in der Tägerhalde Gastrecht geniessen und kann dort besichtigt werden. Bei einem Apéro und angeregten Gesprächen klang der Abend in guter Stimmung aus und siehe da: Als man ins Freie trat, war auch da alles restauriert und die Risse im Küsnachter Meteo-Himmel hatten sich geschlossen.



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