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01.02.2018 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Dörranlage fällt Sparübung zum Opfer


Hier war die Nachfrage noch gross: Voll gefüllte Öfen, aufgenommen 2014. Nun werden die drei Dörröfen verschenkt. Foto: Archiv/aj.

Die Gemeinde Küsnacht schliesst im Zuge des Sparprogramms «Lean18» die Dörranlage und spart damit 20 000 Franken ein.

Seit längerem wurde es befürchtet, nun ist es definitiv: Der Betrieb der Küsnachter Dörranlage wird im Zuge des Sparprogramms «Lean18» eingestellt. Dies geht aus den amtlichen Publikationen dieser Woche hervor. Gemäss dem Bericht aus dem Gemeinderat erachtet dieser die Schliessung aufgrund der sinkenden Nachfrage sowie fehlender Nachfolge für die Leiterin als sinnvoll.
Auf Anfrage erklärt die 67-jährige Gesamtleiterin Ursula Rusch, dass sie nach 20 Jahren in ihrer Funktion habe kürzertreten wollen. Schliesslich sei die Arbeit in der Dörranlage körperlich sehr anstrengend. Es ist aber nicht ihr Abgang, sondern die gesamte Situation, die zur Schliessung geführt habe: «Eine Nachfolgerin hätten wir eigentlich gehabt, aber für diese dann zu wenig Mitarbeiterinnen», präzisiert Rusch. Die Dörranlage hat jeweils nur in den Herbstmonaten geöffnet, dann braucht es aber rund um die Uhr Personal – dies seien Voraussetzungen, die es heutzutage schwierig machen würden, genügend Mitarbeiter zu finden.
Rusch kann den Entscheid zur Schliessung daher durchaus nachvollziehen: «Die Zeiten ändern sich, das muss man akzeptieren», meint sie. Die Küsnachter Anlage war eine von nur acht derartigen Betrieben im Kanton Zürich. Die Nachfrage sei in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken und im letzten Jahr mit 20 Nutzerinnen und Nutzern aus Küsnacht plus einigen Auswärtigen auf einem Tiefstand angekommen, bestätigt Rusch. Doch sie erinnert auch daran, dass es schon mehrmals solche Baissen gab und die Nachfrage dann wieder anstieg – wie beispielsweise im 2014, als ein feuchter Sommer für eine Obstschwemme sorgte und in der Küsnachter Dörranlage mehrere Tonnen Obst und Gemüse getrocknet wurden.

Anlage nicht rentabel
Die öffentliche Dörranlage war bis 2012 an der Freihofstrasse untergebracht und gehörte bis dann den Werken am Zürichsee an. Sie hat eine lange Tradition und war gemäss Rusch beispielsweise zu Kriegszeiten sehr gefragt. Auch danach hätten stets viele Grosskunden das Angebot genutzt. «Früher gab es Köchinnen, die einen Haufen Früchte aus den Villengärten brachten, aber solche Gärten mit grossem Baumbestand gibt es ja heute immer weniger», meint sie.
Seit die Dörranlage von den Werken am Zürichsee zur Gemeinde wechselte, hat die Gemeinde Küsnacht die Institution finanziell getragen. Wie Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola erklärt, geschah dies in Form der Übernahme der Miete von rund 13 800 Franken jährlich sowie einer Übernahme des Betriebsdefizits bis maximal 6000 Franken pro Jahr. Rentabel würde sich die Anlage nämlich nicht betreiben lassen, erklärt Rusch schon im 2014. «Dann müssten wir Preise verlangen, für die kein Mensch mehr kommen würde», meint sie schon damals.

Öfen werden verschenkt
Die Einsparungen durch die Schliessung beträgt für die Gemeinde dann auch 20 000 Franken, hält Erb Pola fest. Der Raum der Dörranlage – eine Garage im Werkgebäude am Tobelweg 4, soll gemäss der Gemeindeschreiberin wieder zu einem marktgerechten Preis – «das heisst in gleicher Höhe wie heute» – vermietet werden. Wie den amtlichen Publikationen zu entnehmen ist, werden die drei Dörröfen an zwei gemeinnützige Organisationen sowie an die Brennerei Kunz abgegeben. Bei den gemeinnützigen Organisationen handelt es sich um die Stiftung Stöckenweid in Feldmeilen und den Trägerverein Quartierhof Wynegg im Zürcher Quartier Riesbach, wie Erb Pola bestätigt. Wenn auch die Schliessung der traditionsreichen Institution in Küsnacht wohl für etwas Wehmut sorgen wird, dürfte sie andernorts vielleicht Freude wecken: Die Öfen, die in den 80er Jahren angeschafft und für Küsnacht massgeschneidert wurden, erhalten die oben genannten Organisationen nämlich als Geschenk.



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