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01.02.2018 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Kirche startet Gottesdienst-Offensive


Die Kirchenglocken werden dieses Wochenende in Küsnacht am Freitag anstatt am Sonntag zum Gottesdienst läuten. Foto: zvg.

Am Wochenende starten die fünf reformierten Kirchgemeinden der Kooperation 5+ in eine neue Etappe der Zusammenarbeit: Mit vier Themengottesdiensten sollen mehr Menschen spirituell angesprochen werden.

Nur schon die Namen der neuen Gottesdienstreihen versprechen ein modernes Format: «jazz+more», «art+act», «pop-up» und «traditional », so heissen die vier Profilgottesdienste, die künftig an sieben Wochenenden pro Jahr in den fünf Gemeinden am unteren rechten Zürichseeufer stattfinden sollen. Am kommenden Wochenende erfolgt der Startschuss.

Mehr Menschen ansprechen
Die Profilgottesdienste – oder auch «Kulturkirche» genannt – sind ein weiterer Schritt der Kooperation 5+, die vor gut fünf Jahren im Zuge eines kantonalen Reformprozesses eingeleitet wurde. Wie der Küsnachter Pfarrer und Kirchenrat Andrea Marco Bianca bestätigt, ist diese Zusammenarbeit von fünf Gemeinden bei Gottesdiensten im ganzen Kanton Zürich bisher einzigartig. «In dieser stilmässigen Verschiedenartigkeit und dass dafür am Sonntag in drei Gemeinden kein Gottesdienst stattfindet, das gab es bis anhin noch nicht», führt er aus. Auch besonders ist, dass drei der vier Gottesdienste am späteren Nachmittag oder abends stattfinden. Einzig das Format «traditional» in Zumikon wird am Sonntagmorgen durchgeführt. Auch sonst wird die Zumiker Veranstaltung – wie es der Name verspricht – am nächsten bei einem herkömmlichen Gottesdienst sein. Mit Predigt, Orgel und Chor wird dort ein klassisches Format angeboten. Doch auch in den anderen drei Veranstaltungen, in denen Musik oder Kunst eine prägende Rolle einnehmen, soll eine Art Predigt enthalten sein. «Wie diese ausgestaltet ist, kann aber ganz unterschiedlich ausfallen. Zum Beispiel in Form eines Gedichts, eines Interviews oder indem Worte eines Songs aufgenommen werden», so Bianca.

Christliche Werte bleiben relevant
Mit der «Kulturkirche Goldküste» möchten die fünf Gemeinden neue Formate entwickeln, die andere Menschen ansprechen als traditionelle Gottesdienste. «Themen und Formen sollen den Interessen und den Lebenswelten der Bevölkerung besser entsprechen », sagt die Küsnachter Pfarrerin Judith Wyss dazu. Die biblischen Weisheiten und die christlichen Werte seien nämlich für viele Menschen im Alltag relevanter, als man aufgrund des Mitgliederschwunds annehmen könnte. «Wir wollen diese frischer und emotionaler vermitteln und in neuen Gottesdienstformen mehr Sinne und Gefühle ansprechen», ergänzt Bianca. Dass insgesamt ein Gottesdienst weniger angeboten wird, ist eine Folge von schwindenden Ressourcen wegen rückläufiger Mitgliederzahlen. «Wir wollen mit der Kulturkirche möglichst viel Neues bieten, ohne dass es aufgrund des Aufwands nicht lange durchzuhalten wäre», meint Bianca.
In Küsnacht startet die Reihe am Freitagabend mit «jazz+more». In dieser Feier sollen Jazz-Musik und urbane Texte, Theologisches und Nichttheologisches miteinander verknüpft werden. Beim Format «art+act», das abwechselnd in Herrliberg und Erlenbach stattfinden wird, geht es am Samstagabend um das Unendliche und die religiösen Übergänge der modernen Gegenwartskultur in Kunst, Literatur und Film. Als Gast wird Politiker Christoph Blocher dabei sein, der Mitglied der reformierten Kirchgemeinde Herrliberg ist.
In Zumikon wird am Sonntagmorgen die klassische Variante angeboten, und am Sonntagabend bildet schliesslich «pop-up» im Zollikerberg den Abschluss. In dieser Veranstaltung werden populäre Songs zu hören sein, die von spiritueller Suche zeugen und die in Zusammenhang mit biblischen Inputs gebracht werden. In allen der vier einstündigen Feiern spielten der Genuss und der zwischenmenschliche Kontakt eine wichtige Rolle, betonen Bianca und Wyss. Neben einem Café bei «traditional» wird bei «jazz+more» ein Apéro gereicht, und bei «pop-up» sowie «art+act» schliesst ein kleiner Barbetrieb an. Für die vier verschiedenen Formate sei jeweils ein Zweier- oder Dreierteam von Pfarrpersonen aus verschiedenen Kirchgemeinden zuständig. Sie wechseln sich in der Gestaltung der Gottesdienste ab.

Richtungsentscheid steht an
Ein Vorentscheid, wie die Zusammenarbeit der Kirchgemeinden Zollikon, Zumikon, Küsnacht, Erlenbach und Herrliberg künftig formell aussehen soll, wird dann auch am kommenden Samstag angestrebt. An einem internen Treffen der Verantwortlichen würden die vorliegenden Modelle diskutiert, verrät Bianca. Diese reichen gemäss Aussagen des Küsnachter Kirchenpflege Präsidenten Max Heberlein im letzten Herbst von einer Zusammenarbeit in einem Verbund bis zu einem Zusammenschluss zu einer einzigen Kirchgemeinde. «Wir erarbeiten einen Vorschlag für das Steuerungsgremium, aber das letzte Wort werden dann die Mitglieder haben», hält Bianca fest.
Aus Sicht des Kirchenrats sollte aber auch eine weitere Zusammenarbeit als einzelne Kirchgemeinden das Ziel eines späteren Zusammenschlusses verfolgen, so der Küsnachter Pfarrer, der selber Mitglied des kantonalen Kirchenrats ist. Eines ist ihm aber besonders wichtig: «Es soll auf keinen Fall ein übereiltes Zusammenschliessen sein, bei dem die lokale Kultur einer Kirchgemeinde übergangen wird.»



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