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08.02.2018 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

In Küsnacht gehts in die mythologische Unterwelt


Als Eingang zur mythologischen Unterwelt sieht das Küsnachter Jahrheft die Oberwacht-Unterführung. Foto: Fabio Lüdi

Ganze vier Seiten sind der sanierungsbedürftigen Oberwacht-Unterführung im Küsnachter Jahrheft 2017 eingeräumt. Die nötigen Arbeiten wurden noch nicht durchgeführt – ein Glücksfall.

Die Oberwacht-Unterführung beim Bahnhof Küsnacht ist wahrlich kein Augenschmaus. Karl J. Bischofberger, Mit-Autor des Küsnachter Jahrhefts 2017, sieht darin gar das «schwarze Loch» von Küsnacht mit ganz eigener Mystik: «Spärlich beleuchtet und dunkle Wände links und rechts lassen bei der kurzen Durchfahrt ein Gefühl entstehen, man komme nun in die Unterwelt, wie einst in der griechischen Mythologie Tantalos mit dem Fährmann Charon auf dem Fluss Acheron in den Hades.»
Weit ordinärer und diesseitiger gestaltet sich die Notwendigkeit, die sich im Zusammenhang mit der kurzen Unterführung stellt: Sie ist nämlich sanierungsbedürftig. Parallel zum im letzten Jahr an der Urne abgelehnten Zentrumsprojekt hätte das Gestaltungskonzept Oberwachtstrasse, welches die Sanierung mit einschloss, umgesetzt werden sollen.
Die Oberwachtstrasse ist eine Kantonsstrasse und fällt damit in die Verantwortlichkeit des Kantons. Wie es scheint, wurde der vom Urnen-Nein aber kalt erwischt und liess verlauten, man werde bis Ende letzten Jahres das weitere Vorgehen prüfen.

Zum Glück noch da
Vielleicht ist es aber gar nicht schlecht, dass Küsnacht sein «schwarzes Loch» bis jetzt noch erhalten blieb. Denn Baustellen wie der Oberwachttunnel lassen Raum zum Träumen und Gestalten.
So wäre Bischofbergers Beitrag im Küsnachter Jahrheft wahrscheinlich anders oder ganz ausgefallen, wäre die Sanierung beschlossene Sache und damit gedanklich ad acta gelegt. Denn der Autor belässt es nicht bei der mystifizierten Ausschmückung des Ist-Zustands, sondern erkennt auch dessen Notwendigkeit an und wirft Ideen in den Raum, wie eine zukünftige Gestaltung der Unterführung aussehen könnte.
So sei die Unterführung das nötige verbindende Element, um die das Dorf in zwei Teile zerschneidenden Bahnlinie zu überwinden, schreibt Bischofberger: «Die Trennung des Dorfs durch die Schienenstränge ist ein Tintenklecks im Küsnachter Reinheft.» Dies bringe nun mal die Notwendigkeit verbindender Elemente mit sich, die auch rege genutzt würden.
Der Autor schreibt von 13 000 Fahrzeugen und «unzähligen» Fahrradfahrern, die täglich in das kurze Dunkel fahren, um auf der anderen Seite wieder ausgespuckt zu werden. Das sind fast so viele, wie Küsnacht Einwohner zählt. Warum also nicht, träumt Bischofberger, die Unterführung freundlicher gestalten? Etwa mit hellen Keramikkacheln an den Wänden und einem durchgehenden Lichtkanal an der Decke, um den «Hadeseindruck » verschwinden zu lassen. Und um dem Lokalkolorit gerecht zu werden, könnte man die Wände mit stilisierten Zürichseewellen schmücken, die von Gemeinde-, Kantonsund Landeswappen gekrönt werden.

Von Küsnacht nach Dubai
Dabei scheut Bischofberger nicht die Relation mit der weiten Welt: Bis nach Dubai verschlägt es ihn.
Vor 40 Jahren noch ein verschlafenes Fischerdorf am Persischen Golf, durchzögen heute modernste Strassen die Wüstenmetropole. Deren zahlreiche Tunnels und Unterführungen sind dabei in freundlichen Pastelltönen gestrichen, mit unterschiedlichen Verzierungen geschmückt und hell erleuchtet, wie er durch Bildmaterial belegt. «Geradezu eine Augenweide», schwärmt Bischofberger. Für Küsnacht bräuchte es zwar keinen öl-adeligen Luxus, doch «wäre es bestimmt für jedes Gemüt eine Wohltat, beim Unterfahren des Bahnhofs nicht an Düsternis, sondern an die frohen Seiten des Lebens erinnert zu werden».
Wie genau die Vorhaben für die Oberwacht-Unterführung aussehen, die der Kanton ausheckt, ist derweil noch nicht bekannt. Die Pläne stünden zwar im Grossen und Ganzen, doch gebe es da noch bautechnische Details, die mit der Gemeinde zu klären seien, sagt Mediensprecher Markus Gerber vom kantonalen Amt für Verkehr auf Anfrage.
Spruchreife Pläne dürften in Kürze erwartet werden. Dies ist dann wohl das Ende des schwarzen Lochs.



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