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14.02.2018 Von: Lorenz Steinmann und Pia Meier

Züriberg, Zürich West

ACS und TCS vs. VCS: Seilziehen um Tempo 30


Der ACS und der TCS Zürich bekämpfen Tempo 30 als Lärmsanierungsmassnahme in der Stadt Zürich. Diese hätten nur eine marginale Wirkung und seien deshalb unverhältnismässig. Der VCS ist anderer Meinung, wie auch die Stadt Zürich.

Die Stadt Zürich setzt die seit über 30 Jahren geltende Lärmschutzverordnung Stück für Stück um. Sie ist unter anderem daran, auf verschiedenen Strassenabschnitten Tempo 30 als Lärmsanierung einführen. ACS und TCS haben gegen alle geplanten Massnahmen Rekurs eingereicht.

Elf Abschnitte
Die elf Strassenabschnitte Meierhofplatz, Rämistrasse, Am Wasser/Breitensteinstrasse, Hönggerstrasse/Wasserwerkstrasse, Seebacherstrasse, Klosbachstrasse, Hofackerstrasse, Waffenplatzstrasse und Uetlibergstrasse sind momentan noch beim Stadtrat hängig. Fünf Verfahren sind beim Statthalteramt hängig: Gsteigstrasse, Witikonerstrasse, Goldbrunnenplatz, Zollikerstrasse und Lenggstrasse. Alle anderen sind vor Bundesgericht hängig.
In den letzten Monaten hat die Stadt Zürich auf einigen Hauptstrassen, bei denen es zu Überschreitungen der vom Bund vorgegebenen Lärmgrenzwerte kommt, Tempo 30 signalisiert. Dies ist möglich, weil das Bundesgericht den Rekursen die aufschiebende Wirkung entzogen hat.
Vor allem die Massnahme am Rigiplatz sorgte bei TCS und ACS für Unmut. Auch darum luden die beiden Automobilverbände vergangene Woche zu einer Medienkonferenz. «Der ACS Zürich und auch der TCS wehren sich nicht gegen Tempo 30 in den Quartieren », betonte Ruth Enzler, Präsidentin des ACS Sektion Zürich.

«Wirkungslose Massnahme»
Diese Massnahme auf Hauptverkehrsachsen sei jedoch praktisch wirkungslos. Der grössere Teil der Anwohner seien auch mit Tempo 30 weiterhin Lärm ausgesetzt. Die beiden Verbände sind der Meinung, dass der Verkehr auf den Hauptstrassen kanalisiert werden sollte. «Die Massnahmen sind im Vergleich zu den Auswirkungen, die Tempo 30 auf den Verkehrsfluss auf Hauptverkehrsstrassen haben, unverhältnismässig », hielt Ruth Enzler fest. Bei Tempo 30 seien Autos nur zwei bis sieben Prozent leiser. «Tempo 30 ist darum lediglich eine Verkehrsbehinderungsmassnahme beziehungsweise eine Schikane, welche durch die Hintertür eine politische Ideologie durchsetzen und den Autoverkehr unterbinden will», folgerte Reto Cavegn, Geschäftsführer des TCS Sektion Zürich. Lärmarme Autoreifen und lärmarme Strassenbeläge würden mehr bringen, so ACS und TCS. «Deshalb muss der technische Fortschritt gefördert werden», so Cavegn weiter. Auch berücksichtige der Stadtrat bei seinen Berechnungen – sie wurden nicht von einer unabhängigen Stelle gemacht – Faktoren wie Bäume und Steilheit der Strasse nicht. SVP-Nationalrat Gregor Rutz hat aufgrund der aus seiner Sicht falschen Entwicklung in der Stadt Zürich eine parlamentarische Initiative eingereicht. Diese soll eine Reduktion der maximalen Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde auf 30 als Lärmsanierungsmassnahmen explizit verbieten.

Letztes Mittel
Severin Pflüger, Gemeinderat und Stadtparteipräsident der FDP, wies an diesem Anlass zudem darauf hin, dass Entschädigungsforderungen von Eigentümern, welche nach dem 31. März 2018 erwartet werden, schwierig durchzubringen seien. Zudem habe der Bund Tempo 30 lediglich als letztes Mittel zur Lärmbekämpfung vorgesehen. Was ist an den Feststellungen und Kritikpunkten dran, welche ACS und TCS, aber auch FDP und SVP formuliert haben? Eine Nachfrage beim VCS ergibt, dass durchaus auch andere Sichtweise möglich sind. Markus Knauss, Co-Geschäftsleiter der Zürcher VCS-Sektion, nervt sich in zweierlei Hinsicht: «Die Stadt Zürich hat, wie fast alle übrigen Gemeinden in der Schweiz, 30 Jahre lang geschlafen.» Man habe die vom Bund vorgegebenen Lärmschutzmassnahmen viel zu spät angepackt. «Die seit 1987 geltende Lärmschutzverordnung sieht primär die Lärmreduktion an der Quelle vor. Dazu gehört nun mal die Temporeduktion, vor allem entlang von dicht bebauten Strassen», erklärt Knauss. Der seit bald 20 Jahren im Stadtzürcher Gemeinderat sitzende Vertreter der Grünen betont, dass nach wie vor rund 100 000 Stadtzürcher Bewohner von übermässigem Autolärm betroffen seien.
Knauss: «Tempo 30 reduziert den Verkehrslärm tagsüber um 2,5 Dezibel, nachts um bis 4 Dezibel. das bedeutet fast eine Halbierung des Lärms», dies zeige eine neue Studie der Kantone Zürich und Aargau.

Stadt Zürich widerspricht
Wäre denn ein Flüsterbelag, wie von den Bürgerlichen gefordert, nicht sinnvoller? «Die Kosten der Fahrbahn würden verdoppelt, dafür die Lebensdauer massiv reduziert», ist Knauss überzeugt. Grund: Die absorbierende Wirkung des Belags nehme rasch ab, weil die lärmdämmenden Poren schnell verstopft würden.
Wie sieht es denn mit der Kritik aus, Tempo 30 verschlechtere den Verkehrsfluss? Gegenüber dem «Tages-Anzeiger » winkte Martin Guggi von der stadtweit federführenden Dienstabteilung Verkehr ab: «Tempo 30 führt zu einer Verstetigung des Verkehrsflusses und damit zu weniger Abbrems- und Beschleunigungsverhalten. » Dies führe zu weniger Lärm, wie Messungen in der Stadt gezeigt hätten.



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