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14.02.2018 Von: Pascal Wiederkehr

Zürich 2

Garaventa plant Seilbahn über Zürichsee


Ab 2020 soll die Seilbahn der ZKB Passagiere über den See transportieren: Geplant wird sie vom Goldauer Bahnbauer Garaventa. Doch auch deren Südtiroler Konkurrent Leitner hatte Interesse.

Die Schweiz ist eine Seilbahn-Nation. 2492 Anlagen – vom Schlepplift bis zur Pendelbahn – waren gemäss dem Verband Seilbahnen Schweiz Ende 2016 in Betrieb. Geht es nach der Zürcher Kantonalbank (ZKB), soll ab 2020 während fünf Jahren eine Luftseilbahn über den Zürichsee verkehren. Es ist das Jubiläumsprojekt der Bank, die dann ihr 150-jähriges Bestehen feiert. Kürzlich hat die ZKB mitgeteilt, wo die Masten und Stationen stehen sollen (siehe Fotos und Kasten).
In der Schweiz gibt es verschiedene Anbieter, die im Seilbahnbau tätig sind, darunter die Flumser Bartholet, die Goldauer Garaventa oder die Glarner Inauen-Schätti AG. Den grössten Teil des Kuchens machen weltweit zwei Gruppen untereinander aus: Einerseits die österreichisch-schweizerische Doppelmayr-Garaventa mit Sitz in Vorarlberg, andererseits die Südtiroler Leitner-Gruppe. Laut «NZZ» hält Doppelmayr-Garaventa einen Marktanteil von etwa 60 Prozent.

Plangenehmigung: Herbst 2018
Doch wer baut eigentlich die als Züribahn bekannte Luftseilbahn der Kantonalbank? Die Leitner (Schweiz) AG teilt mit, dass sie nicht angefragt wurde, «vonseiten der ZKB wurde uns mitgeteilt, dass der Hersteller bereits ausgewählt wurde», erklärt Geschäftsführer Markus Sigrist.

Beim Hauptkonkurrenten Garaventa hält man sich bedeckt. Ueli Sutter, Projektleiter Verkauf, verweist «für sämtliche projektspezifischen Fragen, so auch die Fragen zur Zusammenarbeit von Garaventa mit der Zürcher Kantonalbank» an die Medienstelle der Bank. Dort ist zu erfahren, dass die ZKB von Anbeginn des Projektes mit der Garaventa AG als Seilbahnplaner, EBP Schweiz AG als Generalpartner und Vetter Schmid Architekten als Architekten-Partner zur Realisierung der Züribahn zusammengearbeitet habe. Die Bank sei zuversichtlich, das «ambitiöse Projekt» zusammen mit den Partnern wie geplant umsetzen zu können. «Die Zürcher Kantonalbank geht davon aus, dass das Plangenehmigungsverfahren im Herbst 2018 eingeleitet werden kann. Bevor es beim Bundesamt für Verkehr eröffnet werden kann, müssen nun weitere Grundlagen erarbeitet werden», gibt ZKB-Sprecher Yannik Primus Auskunft. So seien in einem nächsten Schritt die Architektur der Stationen und Masten sowie das Design der Gondeln zu entwickeln.

Somit sieht es danach aus, als würde die ZKB auf eine Ausschreibung verzichten. Aber ob Leitner oder Garaventa – die grössten Anbieter der Welt haben Erfahrung mit temporären Seilbahnen. Doppelmayr-Garaventa beispielsweise in Rostock oder in München. Die Leitner-Gruppe unter anderem in Hannover, Zaragoza oder Sevilla. «Technisch gesehen unterscheiden sich temporäre Seilbahnen nicht von anderen Seilbahnen. Es herrschen dieselben Richtlinien beim Bau solcher Bahnen», sagt Markus Sigrist von Leitner (Schweiz) AG. Oft würden für temporäre Bahnen Nachfolgeprojekte ausgewählt, bei denen die Bahn weiterhin im Einsatz sei. Für Ekkehard Assmann, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei der Doppelmayr Seilbahnen GmbH, ist klar: «In puncto Seilbahntechnik gibts keine Unterschiede.» Können aber bei temporären Seilbahnen günstigere Materialien verwendet werden, da sie nicht so lange in Betrieb sind? Assmann: «Bei der Seilbahntechnik nicht, bei den Bauten rundum gibts Möglichkeiten.» Sigrist von Leitner betont, dass «derartige Seilbahnen genauso den gültigen Normen entsprechen müssen».

Keine temporäre Bahn in Betrieb
Auch das Bundesamt für Verkehr bestätigt, dass für temporäre Anlagen die gleichen Sicherheitsstandards wie für fixe Luftseilbahnen bestehen. Laut Mediensprecher Gregor Saladin sind in der Schweiz aktuell keine temporären Luftseilbahnanlagen in Betrieb.

Die Züribahn soll nach fünf Jahren vollständig zurückgebaut werden. «Einzelne Module wie beispielsweise die Seilbahntechnik können weiterverwendet werden», erklärt ZKB-Sprecher Primus. Voraussichtlich werde die Zürcher Kantonalbank noch im Jahr 2018 mit den Quartiervereinen Riesbach, Wollishofen und Enge Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung durchführen.

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Riesbach ist dagegen, Wollishofen dafür

Kürzlich hat die ZKB bekannt gegeben, wo die Stationen und die Masten für die geplante Gondelbahn über den See stehen sollen. Auf der rechten Uferseite wird die Station am südöstlichen Rand der Blatterwiese, im Volksmund Chinawiese genannt, geplant. Am linken Seeufer im südlichen Bereich des Strandbads Mythenquai, angrenzend an die Landiwiese. Die Masten befänden sich etwa 50 Meter vom Ufer entfernt und würden in einer Seetiefe von rund 10 Metern verankert.

Urs Frey, Präsident des Quartiervereins Riesbach, findet, dass die Standorte unter strengen Auflagen sorgfältig evaluiert worden sind. Das sei den Quartiervereinen überzeugend dargelegt worden. Trotzdem stehe man dem Projekt weiterhin kritisch gegenüber: «Die Seilbahn stört das sensible Landschaftsbild und das Bergpanorama vom Bellevue her», so Frey. Es handele sich weder um ein innovatives noch um ein nachhaltiges Projekt. Der Quartierverein Riesbach hätte eine permanente Schiffsverbindung zwischen Tiefenbrunnen und Wollishofen «als viel sinnvoller und ebenfalls attraktiv erachtet». Anders sieht es auf der anderen Seeseite aus. «Der Vorstand des Quartiervereins Wollishofen steht dem Projekt sehr wohlwollend gegenüber», sagt Präsident Martin Bürki. «Wir denken, es ist ein gutes Projekt für die Stadt Zürich und freuen uns auf die Realisierung.» Nur weil der Mast jetzt in Wollishofen zu stehen komme, sei der Verein nicht automatisch dagegen, «wie das bei anderen Quartiervereinen der Fall ist». Irgendwo müsse er ja stehen. Die Wahl des Platzes sehe man durchaus als gelungen. «Unser Anliegen an die ZKB war, dass die Landiwiese und insbesondere die Saffa-Insel nicht beeinträchtigt werden und den Badenden im Sommer nach wie vor zur Verfügung stehen», so Bürki. (pw.)



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