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14.02.2018
Zürich West

Mehr Polizei für Kreis 5 gefordert


Lärm, Ärger und Schlägereien auf dem Platz an der Langstrasse sind für Helmuth Werner Anzeichen für eine «Verslumung» des Quartiers. Foto: dh

Es drohe ein Fall zurück in Zeiten, als Drogensüchtige und -händler den Limmatplatz bestimmten, fürchtet der Präsident des Quartiervereins. Die Sicherheitslage sei unproblematisch, sagt die Polizei. 

David Herter

Er ist ein streitbarer Mann. Helmuth Werner kämpft seit den 80er-Jahren im Industriequartier. Der 72-Jährige wehrte sich gegen Schnellstrassen und Spielsalons, lief Sturm gegen die offene Drogenszene und wurde als reformierter Kirchgemeindepräsident abgesägt. Nun sieht der Präsident des Quartiervereins Industriequartier Risse im «soziökonomische Gefüge» hinter dem Hauptbahnhof und um den Limmatplatz. Erneut. Wie damals, als das Elend auf dem Letten die Schweiz polarisierte. Zeichen dafür sind Werner die «Drögeler» und Drogenhändler, die er auf den Strassen wieder vermehrt ausmacht. Einige kennt er von früher, anderen sieht er ihre Krankheit an, Dritte verrät ihr Verhalten. «Da habe ich einen Blick dafür», sagt Werner und nennt die heutige Situation auf dem Platz vor dem Denner an der Langstrasse als Beispiel, wohin der Weg ohne Gegensteuer führen könne. Dort geben es Lärm, Ärger und Schlägereien vor allem wegen alkoholisierten Männern aus Eritrea und Somalia, sagt er. Werner spricht von «Verslumungstendenzen», die im Quartier hör- und sichtbar seien. Im Klingenpark zum Beispiel habe das Littering wieder stark zugenommen. Als Beweis präsentiert er Fotos von der abfallübersäten Wiese, aufgenommen an einem Montagmorgen im Januar.

Mit den ihr zur Verfügung gestellten Mitteln gelinge es der Polizei nicht, wirksam gegen diese Probleme vorzugehen, findet Werner. Er fordert mehr sichtbare Polizeipräsenz, mit Fusspatrouillen. Die Stadt müsse neue Strategien entwickeln, damit das Quartier nicht nach und nach wieder zurückfalle in alte Zeiten.

Stadt und Polizei sehen es anders

«Ich sehe die Situation nicht dramatisch», sagt Alexandra Heeb, die Delegierte für Quartiersicherheit der Stadt Zürich. Von Drogenabhängigen auf den Strassen im Kreis 5 hat sie «in diesem Jahr» gar nichts gehört. 2017 habe es «in einer bestimmten Phase» entsprechende Meldungen gegeben. Dies im Zusammenhang mit einer Liegenschaft, in der den Mietern mittlerweile gekündigt worden sei, sagt Heeb. Klagen darüber, dass sich Leute im Kreis 5 von Drogenkonsumenten oder Drogenhändlern gestört fühlten, sind ihr keine bekannt. Der im Klingenpark liegengebliebene Abfall stamme wohl von einer Partynacht im unüblich warmen Januar. Die für die Reinigung zuständigen Stellen hätten wahrscheinlich nicht damit gerechnet, weshalb der Abfall länger liegen geblieben sei als üblich.

Die Sicherheitslage im Kreis 5 sei «nicht problematisch», sagt auch Marco Cortesi, Mediensprecher der Stadtpolizei. «Die Situation ist ruhig und überschaubar.» Gewisse Probleme mit Lärm und Alkoholikern gebe es im Umfeld der Langstrasse zwar, doch das sei unvermeidbar, an einem Ort wo zwischen Donnerstag und Sonntag Zehntausende Leute unterwegs seien. Mit Blick auf diese Zahl passiere wenig, sagt Cortesi. «Die Polizei hat die Sicherheit im Griff.» Für einer Entwicklung in Richtung einer offenen Drogenszene gebe es keinerlei Anzeichen. Zwar würden auch um den Limmatplatz Drogen gehandelt, «wie überall, wo viele Menschen unterwegs sind». Verkauft und gekauft werde vor allem Cannabis. Auch dagegen gehe die Polizei vor, «mit einem gewissen Augenmass». Keine Toleranz gebe es jedoch, wenn offen Drogen konsumiert würden, sagt Cortesi. «Da lassen wir überhaupt nichts zu.»

Der Präsident des Quartiervereins Industriequartier zeigt sich ob der «offiziellen» Antworten aus der Verwaltung unbeirrt. Die Bevölkerung habe einen «anderen Blickwinkel» auf das Geschehen vor der Haustüre, als die Behörden, sagt Werner. Ausserdem sei ja gerade Wahlkampf. Da seien unangenehme Wahrheiten nicht willkommen. Er sei von verschiedenen Seiten aufgefordert worden, sich mit einem «Weckruf» an die Öffentlichkeit zu wenden. Wer darauf mit dem Spruch reagiere, das sei bloss «em Werner sini alti Platte», der liege falsch. Weil er das Elend auf dem Letten erlebt habe, müsse er handeln, sagt Werner. «Ich muss rufen, bevor es wieder passiert.»



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