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15.02.2018 Von: Interview: Jakob Metzler

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Aaron Wegmann: «Entweder man hört wirklich zu oder man macht die Musik aus»


Der Küsnachter Aaron Wegmann hat soeben mit seiner Band Bonosera das zweite Album veröffentlicht. Foto: zvg.

Im Interview erzählt der Küsnachter Musiker Aaron Wegmann, wie sein Hobby zum Beruf wurde und wieso er seine Musik nicht beim Kochen hören kann.

Aaron Wegmann, woher kommt der Name deiner Band, Bonosera?
«Bono» ist mein Spitzname, seit ich ein kleiner Bub war. Den Spitznamen hat mir mein Vater gegeben. Sera ist eigentlich die Abkürzung von Seraphim von Werra, dem Schlagzeuger unseres Duos. Es ist natürlich auch ein Wortspiel mit «Buonasera», also dem italienischen «Guten Abend».

Da muss ich direkt an Bono, den Sänger von U2, denken. War denn so früh schon klar, was für ein musikalisches Talent du hattest?
Nein, es hat nichts mit ihm zu tun, das muss ich echt immer klarstellen. Ich habe erst im Alter von zwölf Jahren angefangen, Musik zu machen, also ziemlich spät. Bei uns zu Hause lief aber immer schon Musik, vor allem bei meinem Vater, der noch alte Schallplatten hatte. So bin ich auch eher mit älterem Zeug in Berührung gekommen wie Jimi Hendrix, Bob Dylan oder David Bowie.

Wie hast du mit Gitarre angefangen?
Ich habe einen Kollegen von mir gesehen, wie er das Riff von Nirvanas «Smells Like Teen Spirit» gespielt hat. Das fand ich so cool, dass ich auch selber Gitarre spielen wollte. Dann habe ich an der Musikschule Küsnacht angefangen Stunden zu nehmen. Bei Erwin Steiger, für mich der beste Lehrer, den ich bis heute hatte. Ohne ihn wäre ich nie Musiker geworden.

Auf dem neuen Album «Feedback» singst du auch. Seit wann singst du?
Meine Vorbilder wie Jimi Hendrix oder Kurt Cobain haben immer auch gesungen, da habe ich es irgendwie nie infrage gestellt und wollte die Lieder nicht nur spielen, sondern auch singen. Ich habe nie Gesangsstunden genommen und am Anfang muss es sich echt grässlich angehört haben, wenn ich zum Beispiel «Smells Like Teen Spirit» vor dem Stimmbruch gesungen habe. Mit 17 habe ich auch angefangen, selber Lieder zu schreiben.

Und du hast es dann nach zwei oder drei Jahren direkt an das Kunst- und Sport- Gymnasium Rämibühl geschafft?
Ja, nach zwei Jahren, in denen ich Gitarre gespielt hatte, habe ich die Aufnahmeprüfung gemacht und eigentlich auch gar nicht gedacht, dass ich sie schaffen würde. Nach dem «K und S» bin ich dann an die ZHdK gegangen, wo ich auch mit Seraphim unsere Band Bonosera gegründet habe.

War es bei dir immer nur ein Gefühl, dass man einfach nur etwas macht, was einem Spass macht, oder hattest du immer direkt das Ziel vor Augen, Musiker zu werden?
Ich habe nie gedacht, dass ich damit Geld verdienen werde oder dass es mal mein Beruf wird. Es war für mich immer ein Hobby. Auch heute noch musiziere ich primär, weil es mir Spass macht. Es war mir sogar unangenehm, als ich an der ZHdK irgendwann gemerkt habe, dass Musikmachen immer mehr auch zum Beruf wird. Vor allem damit, dass man damit «erfolgreich» sein muss, konnte und kann ich mich nicht richtig anfreunden.

Was stört dich denn konkret am Musizieren als Beruf?
Das Spielen selber macht mir ja Spass. Auf der Bühne denke ich nicht: Ich muss jetzt zwei Stunden arbeiten, sondern mache das, was ich eigentlich am liebsten mache. Wir haben eigentlich den Anspruch, auch mit dem neuen Album, dass die Leute uns hören. Es ist mehr als «wir haben da ein Hobby, das wir ganz gerne machen», wir wollen Leute erreichen und ein grösseres Publikum haben.

Was ist mit den Dingen, die neben dem Spielen in einer Band gemacht werden müssen?
Es ist schliesslich auch ein «Business ». Du musst irgendwie weiterkommen und aus den anderen Künstlern herausstechen, damit du auch wahrgenommen wirst. Damit hatte ich, vor allem zu Beginn, grosse Mühe. Ich bin nicht der Typ dafür; ich schreibe nicht so gerne Mails oder rufe Leute an. Für all dieses Administrative war ich auch immer ein bisschen zu faul.

Wie muss man sich das vorstellen, wenn man als noch relativ unbekannte Band an Auftritte kommen will?
Du schreibst dann Mails an alle Bars und Clubs in der Stadt oder auch im Land mit Website und Hörproben. Bei sechzig Mails kommt dann vielleicht eine Antwort zurück. Und bei der handelt es sich wahrscheinlich um eine Absage. Jetzt haben wir zum Glück eine Agentur, die sich um solche Dinge kümmert.

Vor zwei Wochen habt ihr mit Bonosera euer neues Album «Feedback» bei der Plattentaufe im Winterthurer Gaswerk zum ersten Mal aufgeführt. Welchen Sound macht das Album aus?
Wir versuchen immer eine gewisse Stimmung oder einen Mood zu erzeugen. Anstatt den Leuten das Gefühl zu geben, dass sie headbangen können und es jetzt so richtig abgeht, muss man sich auf unsere Musik einlassen und eintauchen. Es gibt schon Stellen, wo wir auch abgehen, aber ich finde eher die verschiedenen Dynamiken, die man mit einem Song erschaffen kann, spannend, wie den Wechsel von ruhigen Stellen zu explosiveren.

Ist es dasselbe wie mit der Musik von Radiohead? Immer wenn ich sie nebenbei zum Kochen höre, wundere ich mich jeweils, warum ich ihre Musik sonst so mag.
Es ist dasselbe Prinzip. Unsere Musik sollte man nicht im Hintergrund hören, sondern man braucht eigentlich seine gesamte Aufmerksamkeit dafür. Es irritiert eher, wenn man es leise und im Hintergrund hört. Entweder man hört wirklich zu oder man macht die Musik aus.

Wieso dieser Sound?
Es sind keine Songs nach Schema F, jetzt kommt der Refrain, jetzt kommt die Strophe, sondern es geht um den Sound und die Instrumente an sich. Das ist auch ein Grund, warum wir «nur» als Duo auftreten. Ich versuche, meine eigene Identität zu finden und meinen eigenen Sound zu machen. Ich möchte nicht Songs wie Nirvana schreiben. Das hat es bereits gegeben und besser kann ich es sowieso nicht machen. Und ich werde nie so gut Gitarre spielen können wie Jimi Hendrix. Klar, er hat mich stark beeinflusst, aber ich wollte immer meinen eigenen Style finden. Wir haben unseren Sound jetzt auch einfach benannt: «Desert Trance Blues».

Was soll das sein?
«Desert» kommt von «Desert Rock» oder «Stoner Rock», wobei es dazwischen auch Unterschiede gibt, «Trance» kommt nicht vom «Dance»- Stil aus den 90ern, sondern bedeutet ganz im Gegenteil, dass es etwas «trancemässig» ist, also eine gewisse Stimmung rübergebracht wird, und «Blues» kommt ganz einfach daher, dass ich sehr «bluesig» Gitarre spiele, aber auch singe. Bluesgitarre fand ich immer super und habe mich auch davon beeinflussen lassen. Wer weiss, vielleicht gibt es mal eine Band, die auch von sich sagt, dass sie «Desert Trance Blues» spielt.



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