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15.02.2018 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Die Kunst der Tägerhalde in Kleinformat


Kunst am Bau und im Buch: Gemeinderätin Susanna Schubiger, Urs Fanger, Alfred Egli, Karin Schiesser und Hansjörg Weber (v.l.) sind stolz auf das kleine rote Büchlein. Foto: Annina Just

Seit Weihnachten liegt ein kleines rotes Büchlein auf jedem Nachttisch der Tägerhalde. Es dokumentiert das Kunstkonzept des Alterszentrums und ist vorerst seinen Bewohnerinnen und Bewohnern vorenthalten.

Ein kleines Büchlein mit rotem Stoffeinband. «Die Tägerhalde» steht in goldenen Lettern auf der Vorderseite. Nichts weiter ist auf dem Einband zu lesen, weder vorne noch hinten.
Schlägt man das kleine rote Büchlein auf, besticht es durch seine Anmut und die schöne Bilderwelt – sowie einer Reduktion auf das Wesentliche. Auf gut hundert Seiten stellt es das Kunstkonzept des Alters- und Gesundheitszentrums Tägerhalde vor: Einerseits die Fotografien der international bekannten Simone Kappeler, die zusammen mit Zitaten von berühmten Küsnachtern das Erdgeschoss schmücken. Anderseits die historischen Kupfer- und Stahlstiche von Küsnacht, die in Grossformat und begleitet von Mundartweisheiten die Gänge in den oberen Geschossen des Alterszentrums zieren.

Fragen werden beantwortet
Die Idee des Büchleins war, die «Kunst am Bau» in der Tägerhalde zu verewigen und sie den Bewohnerinnen und Bewohnern auf eine neue Art zugänglich zu machen. Sie stammt von Urs Fanger, der das Kunstkonzept der Tägerhalde sowie nun auch das Büchlein mentoriert hat. «Als er damit zu uns kam, waren wir sofort hell begeistert», erzählt Hansjörg Weber, Leiter der Küsnachter Alterszentren und Abteilungsleiter Gesundheit, anlässlich einer kleinen Feier für das gelungene Projekt. Zu dieser waren all jene eingeladen, die in irgendeiner Weise zur künstlerischen Ausgestaltung der Tägerhalde oder zur Realisierung des Buchs beigetragen haben.
Wie Hansjörg Weber betont, sei es ihm besonders wichtig gewesen, dass sowohl die Kunst, wie auch das Buch eine positive Wirkung im Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner hätten. Und dies scheint gelungen: In den letzten zweieinhalb Jahren gab es viele positive Rückmeldungen zur künstlerischen Ausgestaltung der Tägerhalden. «Die Bilder und Sprüche animieren die Bewohnerinnen und Bewohner, und sie kommen auch immer wieder mit Fragen auf uns zu», erzählt Weber.
Viele der Fragen werden nun im Büchlein beantwortet. So erfährt man darin zum Beispiel, wie die ganz eigene Farbsprache von Simone Kappelers Bildern entsteht. Die Fotografin verwendet einen Infrarotfilter, der die Natur in Rot oder Pink anstatt in Grün erstrahlen lässt. So erhalten die stets vertrauten, heimischen Naturmotive einen künstlerischen Ausdruck und strahlen Wärme und Energie aus.
Bei der Auswahl der Kupfer- und Stahlstiche seien das Romantische und die bildhaften Erzählungen früherer Lebensformen gesucht worden, liest man im Büchlein. Sie wurden von Karin Schiesser stark vergrössert und in ihrer Farbstimmung subtil bearbeitet. Damit soll den anonymen Gängen des Alterszentrums «durch eine optische Erzählung ein Gesicht» gegeben werden und eine «Atmosphäre des Vertrautseins» übermittelt werden. Genauso wie die Fotografien von Kappeler sind im roten Büchlein auch alle Stiche abgebildet, die in der Tägerhalde zu bestaunen sind – so hält man mit ihm quasi die Kunst der Tägerhalde in Kleinformat in den Händen. Zu jedem der Stiche findet der Betrachter Ausführungen über die historischen Gegebenheiten, zusammengetragen von Alfred Egli, Präsident des Vereins für Ortsgeschichte. Er zeigte sich zudem für die Auswahl der Mundartweisheiten verantwortlich. Diese «urchigen Wahrheiten und Weisheiten» prangen in grossen Lettern in den oberen Stockwerken auf den Wänden. «Me sött nöd alles luut säge, wo me liislig dänkt», heisst es da. Oder auch, kurz und gut: «Schriibe tuet bliibe».

Kunst zum Mitnehmen
Das rote Büchlein haben alle Bewohnerinnen und Bewohner der Tägerhalde als Weihnachtsgeschenk bekommen, Neueintritte erhalten es ebenfalls geschenkt. Kaufen könne man das Buch nicht, hält Hansjörg Werber fest, denn es soll vorerst diese Exklusivität behalten. Für ihn persönlich hat es auch eine ganz besondere Bedeutung: Er kann «seine Tägerhalde» nun in der Tasche mitnehmen, wohin es ihn auch führt. Ende dieser Woche wird sich der Leiter Alterszentren nämlich aus Küsnacht verabschieden. Nach über zehn Jahren in dieser Funktion geht er in Frühpension. «Es macht mich schon stolz, dass die Kunst am Bau durch dieses Buch lange überleben wird», sagt er. Schliesslich werde man das Kunstkonzept der Tägerhalde wohl in einigen Jahren dann wieder dem Zeitgeist anpassen. Dem stimmt auch Urs Fanger, der geistige Vater des roten Büchleins, zu. «Dem Betrachter wird mit dieser Kunst etwas offeriert. Es ist ein Angebot zur Interaktion, zum Sinnieren, oder um sich an eigene Geschichten zu erinnern», meint er. Irgendwann hätten die Bewohner aber bestimmt das Bedürfnis nach anders gestalteten Angeboten, die der eigenen Lebenswelt entstammen.
Ganz im Sinne der Mundartweisheit «Schriibe tuet bliibe» wird die in der Tägerhalde so bedacht ausgewählte Kunst dank dem kleinen roten Büchlein Bestand haben. Hansjörg Weber bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: «Gerade in der Zeit von Apps und Blogs hat ein solches Büchlein eine ganz besondere Bedeutung.»



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