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21.02.2018 Von: David Herter

Zürich 2

SZU wartet auf Millionen


Im Zug ins Sihltal wird es enger, bevor es besser wird. Für 2028 ist der 7,5-Minuten-Takt vorgesehen. Foto: dh.

Die SZU braucht dringend neue Züge und Gleise. Fliesst nicht bald viel Geld vom Kanton und aus Bern, droht der Infarkt.

Auf die Führung der Sihltal Zürich Uetlibergbahn (SZU) wartet in den nächsten Jahren, ja im nächsten Jahrzehnt mehr Arbeit, als ihr lieb sein kann. SZU-Marketingleiter Marco Graf spricht von einer «sehr grossen Herausforderung» und einem «immensen Vorhaben». Mit 600 Millionen Franken will das Unternehmen seinen Passagieren wieder mehr Platz verschaffen und den Zügen zurück in den Fahrplan helfen. Dafür hat die SZU die Geschäftsleitung kürzlich um drei Fachleute erweitert. Marco Lüthi wird neuer Bereichsleiter Infrastruktur, Peter Dübendorfer leitet neu den Bereich Personenverkehr und Hans Matzner verwaltet die sogenannten «Schlüsselprojekte».

Stehplätze gegen Verspätungen
Ihre Schlüsselprojekte will die SZU realisieren, um künftig während der Hauptverkehrszeiten alle 7,5 Minuten in die Binz und nach Adliswil fahren zu können. Heute verkehrt die Bahn auf diesen Strecken während der Stosszeiten alle 10 Minuten. «Für die Verdichtung benötigen wir eine zusätzliche Zugskomposition», sagt Marco Graf. Darüber hinaus will die SZU für 275 Millionen Franken einen Grossteil ihres Rollmaterials ersetzen. Der aktuelle Wagenpark hat nicht genügend Kapazität, um das erwartete Wachstum bei den Pendlern aufzufangen. Bis 2030 rechnen die Prognosen mit 9000 zusätzlichen Arbeitsplätzen und 7500 mehr Einwohnern entlang der Sihltalbahn und mit einem Drittel dieser Werte auf den Uetliberg. Das führt während der Stosszeiten zu fast 80 Prozent mehr Passagieren auf der S4 als noch im Jahr 2013 und zu 50 Prozent mehr Passagieren auf der S10.

Der Ersatz und die Neuanschaffung von Rollmaterial sind darum die dringendsten Projekte. Im Sihltal werde die SZU voraussichtlich auf einstöckige Züge setzen, sagt Graf. Diese sind leichter und belasten die Geleise weniger. Vor allem aber ermöglichen einstöckige Züge den Einbau von mehr Stehplätzen und damit einen rascheren Ein- und Ausstieg der Passagiere. Heute sind zu lange Haltezeiten eine der Hauptursachen für die häufigen Verspätungen.

Den Empfehlungen einer vor vier Jahren erstellten Strategiestudie hinkt die SZU hinterher. Für die neuen Kompositionen sei das Jahr 2023 der «spätestmögliche Ersatzzeitpunkt», ist da zu lesen. Dannzumal drohe die S4 ins Sihltal schon aus den Nähten zu platzen und seien die Fahrzeitreserven definitiv aufgebraucht. Mittlerweile plant die SZU den Ersatz per Ende 2024. Gemäss neuen Erhebungen reichten die Kapazitäten bis dahin aus, sagt Marketingleiter Graf. Schon zwei Jahre früher ersetzt werden sollen die verbleibenden orangefarbenen Fahrzeuge der Uetlibergbahn.

Voraussetzung für beide Beschaffungen ist die Zustimmung des ZVV-Verkehrsrats, die im Jahr 2021 erwartet wird. Die Zeit für die Lieferung der neuen Zugkompositionen ist damit knapp bemessen. Laut einem Fachmann beträgt die Lieferfrist im Normalfall mehrere Jahre.

Doppelspuren bald fertig geplant
Verspätungen drohen der SZU auch bei Infrastrukturprojekten, mit der das Bahnunternehmen Verspätungen verhindern will. Es geht um Ausbauten bei den Haltestellen Wildpark-Höfli und Friesenberg, wo Doppelspuren das Kreuzen von Zügen ermöglichen sollen. Die Verlegung der Zugkreuzungen von Langnau-Gattikon nach Wildpark-Höfli sei die dringendste Massnahme überhaupt, um die Situation zu entspannen und dem Fahrplan wieder zu Stabilität zu verhelfen, heisst es in der Strategiestudie der SZU. Sie empfiehlt, die Verlegung nach Wildpark-Höfli bis 2020 umzusetzen. Die Doppelspuren seien noch in der Projektierungsphase und sollen bald beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingereicht werden, sagt Marco Graf. «Für die Ausbauten wird fremdes Land benötigt.» Um Einsprachen zu verhindern, investiere die SZU viel Zeit in Absprachen mit den Landbesitzern und Anwohnern. Eine Garantie für einen schnellen Bau ist das nicht, andernorts verzögerten sich Bauprojekte trotzdem jahrelang.

Ohne fremdes Land umgesetzt werden kann der richtungsgetrennte Betrieb der SZU zwischen dem Hauptbahnhof und der Haltestelle Giesshübel. Dafür muss die Uetlibergbahn von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt und beim Hürlimann-Areal eine zusätzliche Weiche eingebaut werden.

Mehr oder weniger Milliarden
Der Abschluss der auf 290 Millionen Franken geschätzten Infrastrukturausbauten Wildpark-Höfli, Friesenberg und zwischen dem Hauptbahnhof und Giesshübel ist für das Jahr 2022 vorgesehen. Finanziert wird dieser Teil der Arbeiten aus einem Topf, der für Verbesserungen der Betriebsstabilität vorgesehen und vom Bund erst teilweise genehmigt ist.

Gespannt nach Bern schauen wird die vergrösserte Geschäftsleitung der SZU auch im kommenden Jahr. 2019 entscheiden National- und Ständerat voraussichtlich darüber, ob die Schweiz für den weiteren Ausbau der Bahnen 7 Milliarden Franken oder 12 Milliarden Franken bereitstellt. Zwar sind von diesen Mitteln nur 35 Millionen vorgesehen für drei weitere Doppelspurausbauten der SZU. Um die Verteilung des Geldes dürfte aber noch gestritten werden. Der Kanton Zürich etwa wünscht sich auch das vierte Gleis im Bahnhof Stadelhofen (470 Millionen) und den Bau des Brüttenertunnels (520 Millionen). Wie dringend in diesem Kontext die Ausbauten der SZU im Sihltal eingeschätzt werden, ist offen. Für die Einführung des 7,5-Minuten-Takts im Sihltal sind sie unverzichtbar.

«Die SZU ist sehr zuversichtlich, dass die notwendigen Gelder von Bund und Kanton gesprochen werden», sagt Marketingleiter Marco Graf. Die Finanzierungen seien von politischen Faktoren abhängig und nicht vollständig gesichert, aber: «Die Stossrichtung wird von Bund und Kanton vollumfänglich unterstützt.»



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