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21.02.2018
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«Was, ich bin der Älteste in ganz Zürich?»


Steckt auch mit 105 Jahren noch voller Humor und Schalk: Jubilar Alfred Ziegler. Foto: Lisa Maire

Am 22. Februar feiert der älteste Zürcher – und vielleicht auch der älteste ehemalige Berufsfeuerwehrmann der Schweiz – seinen 105. Geburtstag: Ein «Vorausbesuch» in Wiedikon bei Alfred Ziegler und seiner Frau Anna, die vor kurzem 98 Jahre alt wurde.

Lisa Maire

Als die Journalistin im Alters- und Pflegeheim an die Zimmertür von Alfred und Anna Ziegler klopft, halten die beiden in ihren zwei grossen Ohrensesseln gerade ein Nickerchen ab. Trotzdem löst die Störung durch den fremden Besuch keine besondere Aufregung aus. Im Gegenteil: Gut gelaunt und neugierig lässt sich das hochbetagte Paar zu einem Schwätzchen bei einer Tasse Kaffee verführen.

48 Stunden lang einsatzbereit

Das Nickerchen zwischendurch gehöre übrigens schon sehr lange zu den Gewohnheiten ihres Vaters, erzählt Tochter Ruth Joly, die bei dem Besuch dabei ist. Dies hänge auch mit seinem früheren Beruf als Feuerwehrmann zusammen. Alfred Ziegler nickt. «Wenn ich nach einem nächtlichen Einsatz erst am morgen heimkam, hatte ich natürlich ein Schlafmanko und musste mich erst mal hinlegen.» Als er 1939 seinen ersten Dienst bei der städtischen Brandwache in Wiedikon (heute: Schutz & Rettung Zürich, Wache Süd) antrat, dauerten die Einsatzschichten noch 48 Stunden. «Das konnte schon sehr streng sein». Trotzdem habe er seinen Beruf geliebt. «Es war immer spannend, man wusste ja nie, was man antrifft», blickt er auf seine fast 40 Jahre bei der Berufsfeuerwehr zurück. Er habe allerhand erlebt, auch einiges Schlimmes. «Aber das gehört halt dazu.»

Weil bei einem Alarm alles immer so schnell gehen musste, kannte Feuerwehrmann Alfred Ziegler bald den Zürcher Strassenplan auswendig. Noch heute kann er die Routen rund um die Brandwache, die es je nach Ziel einzuschlagen galt, aus dem Gedächtnis «runterspulen». Wenn er nicht im Einsatz war, arbeitete der Feuerwehrmann auch in den Werkstätten der Brandwache. Als gelernter Wagner stellte er zum Beispiel Räder für die Zweirad-Schlauchwagen her. Später, zum Wachtmeister befördert, gab es etwas weniger Arbeit an der Front, stattdessen mehr in der Einsatzzentrale.

Aus der Übung beim schnellen Runterrutschen der berühmten Feuerwehrstange kam er trotzdem nie. Er habe sein Leben lang viel und gerne geturnt, erzählt Alfred Ziegler, der bis vor zehn Jahren noch regelmässig beim Turnverein Altstetten in der Männerriege aktiv war. Auch mit Gartenarbeiten hielt er sich fit. Die Familie hatte in Altstetten viele Jahre lang einen Schrebergarten. «Du bist doch jeweils auch gerne in den Garten gekommen, nicht?», wendet sich der Jubilar seiner Frau zu. «Ja, besonders zum Kaffeetrinken», lacht diese. «Und zum Jassen mit den Nachbarn.»

Erster Umzug nach 68 Jahren

Alfred und Anna Ziegler sind seit gut 74 Jahren verheiratet. Sie haben zwei Töchter, zwei Enkel und vier Urenkel. Die Familie bedeutet ihnen sehr viel. Sie haben das Zusammensein immer sehr genossen, besonders auch die vielen schönen Winterferien auf der Lenk mit der ganzen Familie der älteren Tochter, Marianne Jost.

Vier Jahre nach der Hochzeit 1943 zogen die Zieglers in eine neu erstellte Genossenschaftssiedlung am Letzigraben. Dort lebten sie bis 2015, als die Siedlung einem Ersatzneubau weichen musste. Alfred Ziegler. «Wir waren die ersten, die einzogen und die letzten, die auszogen». Wegen zunehmender Altersgebresten wechselten die Hochbetagten dann in ein Alters- und Pflegeheim in Wiedikon, wo sich zum Glück ein Doppelzimmer für sie fand. Zwei separate Zimmer – das wäre für sie nie in Frage gekommen, sagt die Tochter. Die Eltern nicken. Beide fühlen sich hier sehr wohl und gut aufgehoben. Anna Ziegler hat nach dem Einzug ins Heim sogar erstmals nach vielen Jahren wieder ihre Mundharmonika hervorgeholt. Bei Bewohneranlässen gibt sie nun das «Buurebüebli» und andere Lieder zum Besten. «Und singen kann sie auch sehr gut», lobt der Gatte. Und er selbst? «Ich habe stets am besten Pause gespielt», meint er schmunzelnd.

«Nichts zu klagen»

Und was wünscht sich der älteste Einwohner der Stadt Zürich zum Geburtstag? «Was, ich bin tatsächlich der Älteste in ganz Zürich?!», staunt der Jubilar. «Ja, dann wäre eine Fünf-Zimmer-Villa schon nicht schlecht!» In seinen Augen blitzt der Schalk. «Aber mit einem guten Fläschli Roten wäre ich auch ganz zufrieden». Er habe schon immer gerne zum Essen ein Glas Wein getrunken. «Es heisst doch, das sei gesund», fügt er an und bekräftigt: «Für mein Alter bin ich doch eigentlich noch ganz gut zwäg.» Natürlich falle ihm das Aufstehen aus dem Sessel und das Gehen manchmal schwer, aber an «ärgere Beschwerden» kann oder will er sich nicht erinnern. «Es gibt nichts zu klagen», zieht der 105-Jährige Bilanz. Und mit einem Seitenblick auf seine Gattin: «Auch mit meiner Frau bin ich immer noch sehr glücklich» Sagt’s und streicht seiner Anna mit einem ungemein charmanten Lachen liebevoll über den Arm.



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