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22.02.2018 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

«Ich war 16 Jahre lang auf Dauerpikett»


Arnold «Noldi» Reithaar wirkte 16 Jahre als Sicherheitsvorsteher. Er tritt nicht mehr zur Wiederwahl an. Foto: Annina Just

Arnold «Noldi» Reithaar tritt nach 16 Jahren als Gemeinderat nicht zur Erneuerungswahl an. Mit dem «Küsnachter» sprach der SVP-Politiker über seine Zeit als Sicherheitsvorstand und über den Entwicklungsbedarf in der Gemeinde.

Wenn es irgendwo brannte in Küsnacht – im wörtlichen oder im übertragenen Sinne –, war er wohl der Mann, der am häufigsten zur Stelle war: Noldi Reithaar. In seinen 16 Jahren als Sicherheitsvorstand war sein Telefon stets eingeschaltet, Tag und Nacht. Wurde die Feuerwehr gebraucht, die Seeretter oder der Zivilschutz, so musste auch Noldi erreichbar sein. «Mein Glück ist, dass ich trotzdem immer gut schlafe; aber sobald das Telefon klingelt, bin ich hellwach », erzählt er bei einem Treffen im Bootshaus des Küsnachter Seerettungsdienstes.

Polizist für die Sozialkommission
Seit 34 Jahren arbeitet Reithaar bei der Stadtpolizei Zürich, war lange Zeit Chef des Diensthundewesens und fungiert heute als Kreischef im Stadtkreis 1. Bis zu seiner Wahl zum Gemeinderat war er zusätzlich Tauchchef in Küsnacht und während dreier Jahre aktiver Wachtchef. «Es hilft sicher, ich denke schliesslich immer als Polizist», meint er angesprochen auf den Nutzen dieser grossen beruflichen Erfahrung im Bereich Sicherheit. So müsse man ihm viele Aspekte aus der Praxis nicht erklären. «Wenn man tagtäglich mit Berufssanität und Feuerwehr zusammenarbeitet, hilft das sehr für das Verständnis», führt er aus. Einen gleich prädestinierten Nachfolger werde man daher wohl nicht finden. Doch es gebe zwei Kollegen, die er sich gut in seinem Departement vorstellen könnte, verrät er.
Reithaars Einstieg in die Politik erfolgte dann auch in Zusammenhang mit seinem beruflichen Hintergrund. Als er 1998 in die Sozialkommission gewählt wurde, war das Asylwesen noch bei der Gemeinde angesiedelt. «Der damalige Präsident der SVP hat mich im Rahmen des überparteilichen Komitees angefragt. Man wollte bewusst einen Polizisten in dieser Kommission haben, einen, der die Klientel und den Umgangston im Asylwesen kannte», blickt der 54-Jährige zurück. Als Delegierter des Asylwesens innerhalb der Sozialkommission sei er auch oft mit dem Gemeinderat in Kontakt gekommen. Als dann im Jahr 2002 das Departement Sicherheit frei wurde, war für den Ur-Küsnachter entschieden, dass er für den Gemeinderat kandidieren will.

First Responder als Herzenssache
Spricht man mit Reithaar über seine Wirkungszeit im Küsnachter Gemeinderat, wird schnell klar, dass viele seiner Kernthemen für den Polizisten auch Herzensangelegenheiten sind. Ganz besonders gilt dies für die Organisation First Responder, die er auf Initiative des Feuerwehrmanns und Berufssanitäters Nick Fritsch vor elf Jahren in Küsnacht implementiert hatte. «Sie ist ganz bestimmt jeden Franken wert, denn damit werden Leben gerettet», bringt er den Nutzen der First-Responder-Organisation auf den Punkt.
Auch die Verkehrserziehung, die Küsnacht für den ganzen Bezirk anbietet und die Reithaar zu professionellen Strukturen geführt hat, zählt er zu den wichtigsten Errungenschaften – denn sie sei eine wichtige Prävention, um Verkehrstote zu vermeiden. Wie jeder, der in den letzten 20 Jahren in Küsnacht die Schule besuchte, weiss, hat es eine lange Tradition, dass Küsnacht mit Bruno Tamborini einen eigenen Verkehrspolizisten hat. Ursprünglich hatte Tamborini diese Funktion im Nebenamt ausgeführt. Vor bald 15 Jahren wurde er dann als vollamtlicher Verkehrserzieher eingestellt, eine Dienstleistung, die nun auch von den anderen Gemeinden im Bezirk in Anspruch genommen wird. Der Grund ist für Reithaar simpel: «Wir haben die beste Verkehrserziehung im Kanton.» So würden junge Velofahrer zum Beispiel mit Funkgeräten ausgerüstet, damit sie mit dem Verkehrspolizisten während der Fahrt kommunizieren können.
Zu den weiteren Errungenschaften gehören ein neues Alarmierungssystem, das während Reithaars Amtszeit eingeführt wurde, der Polizeiverbund mit Zollikon und Zumikon, die Zusammenarbeit der Feuerwehren, welche er herbeigeführt hat, sowie die einheitliche Polizeiverordnung im Bezirk Meilen, bei deren Ausarbeitung Reithaar beteiligt war. All diese Neuerungen zielen auf eine verstärkte Zusammenarbeit unter den verschiedenen sicherheitsrelevanten Organisationen ab. So sieht der Vater von zwei erwachsenen Kindern dann ganz klar auch ein «gemeinsames Sicherheitsdach am unteren rechten Zürichsee» als Ziel. Vollendet ist das Werk jedoch noch nicht ganz. «Zollikon müsste sich noch mit seinem Zivilschutz dem Küsnachter Verbund mit Erlenbach und Zumikon anschliessen und Erlenbachs Polizei sollte dem Verbund beitreten, den Küsnacht mit Zollikon und Zumikon unterhält», benennt er den Entwicklungsbedarf. Und fügt auch gleich an, dass das nicht nur sein Traum, sondern derjenige von allen Sicherheitsvorstehern der betroffenen Gemeinden sei. «Die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus angrenzenden Gemeinden war nämlich stets ausgezeichnet », betont er. Ein ganz besonderer Wegbegleiter war für Reithaar der 2012 verstorbene Zumiker Gaston Guex. «Er war ein sehr guter Kamerad und musste leider viel zu früh gehen», so der Küsnachter Sicherheitsvorstand. Mit einem Schmunzeln erinnert er sich dann auch an gemeinsame Auftritte: «Gaston hatte einen Smart und wir sind oft zusammen an Anlässe angereist. Weil Gaston aber eher klein gewachsen und sehr fein gebaut war, stand der Smart immer ganz schräg, wenn wir zusammen darin sassen.»

Weiterhin SVP-Präsident
Nun, nach 20 Jahren in der Lokalpolitik und «16 Jahren auf Dauerpikett», wie er es nennt, ist es für Reithaar an der Zeit, kürzerzutreten. Beruflich stets mit einem Vollpensum engagiert, habe das Amt als Gemeinderat eine hohe Belastung für die eigene Freizeit, Familie und Beziehung mit sich gebracht. So freut sich der Whisky- und Zigarrenliebhaber sowie Motorradfanatiker besonders auf die neu gewonnene Freizeit an den Abenden und die Möglichkeit, öfters seinen Hobbys nachgehen zu können.
Aus der Politik zurückziehen wird sich Reithaar dennoch nicht, schliesslich hat er seit einem Jahr das Amt des SVP-Präsidenten inne. Vermehrt seine eigene Meinung kundtun zu können, sei auch etwas, worauf er sich freue, fügt er dann auch an. So sei er ja in den vergangenen Jahren stets dem Kollegialitätsprinzip und der gemeinderätlichen Haltung verpflichtet gewesen. Und Handlungsbedarf sieht er in der Gemeinde nämlich auch ausserhalb des Sicherheitsdepartements: «Ich wünschte mir, dass es mehr junge Bürger gibt, die es an die Hand nehmen, die Zukunft Küsnachts zu planen», hält er fest. Besonders bezüglich der baulichen Ausnutzungsziffern müsse ein Umdenken stattfinden, so der SVP-Mann. Ansonsten könnten es sich viele junge Bürger nicht mehr leisten, in der Gemeinde wohnhaft zu bleiben – etwas, das dem Ur-Küsnachter, dessen Kinder in der vierten Generation hier leben – besonders am Herzen liegt. Und noch etwas wünscht er sich für die Zukunft der Gemeinde: Die nächste Generation solle es fertigbringen, ein neues Zentrum zu bauen, meinte er bestimmt.
Nachdem er seine Anliegen platziert hat, tut er das, war er am liebsten nach getaner Arbeit tut: Er zündet sich eine edle Zigarre an und geniesst die Aussicht auf seinen geliebten See. Etwas, das er in Zukunft wohl noch öfter mit Muse tun kann.



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