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28.02.2018
Zürich West

«Notsanierung» für Hardau-Hochhäuser


Die vorgehängten Betonelemente müssen komplett instand gesetzt werden, so das Urteil der Stadt. Foto: ls.

Durch Sofortmassnahmen hat die Stadt verhindert, dass sich Betonstücke aus der Fassade der vier Hardau-Hochhäuser lösen. Nun will die Stadt die Fassaden der vier markanten Türme für weit über 10 Millionen Franken sanieren.

Lorenz Steinmann

Die letzten grösseren Sanierungsarbeiten der markanten Hardau-Hochhäuser liegen erst rund sechs Jahre zurück. Damals wurde der neue Innenausbau (von kleineren in grössere Wohnungen) und die Installation von Sonnenstoren abgeschlossen. Nun bestätigt die Liegenschaftenverwaltung, dass abermals eine grosse Sanierung ansteht. Die Fassaden der vier Wohntürme – es sind die höchsten der Schweiz – müssen laut Einschätzung der Stadt komplett instand gestellt werden. «Es betrifft die Betonelemente ebenso wie die Fugen», erklärt
Kuno Gurtner von der städtischen Liegenschaftenverwaltung gegenüber «Zürich West». Mit ersten Sofortmassnahmen sei im November 2017 begonnen worden. Ziel: «Verhindern, dass sich Betonstücke aus der Fassade lösen», so Gurtner weiter. Das sei auch gelungen. Dazu wurden mit einem Fassadenlift alle Fassaden abgefahren, allfällige lose Stellen wurden abgespitzt und mit einem Korrosionsschutz versehen. Laut der Stadt soll eine «Instandstellung dieses Ausmasses» deutlich mehr als 10 Millionen Franken kosten. Dafür braucht es einen Stadtratsbeschluss, wie Gurtner erklärt. Wann wurde denn die Fassade der 1976 bis 1978 erbauten Häuser letztmals saniert? Kuno Gurtner: «Die Inspektionskontrolle 1993 zog eine Teilsanierung zwischen 1998 und 2000 an allen vier Wohntürmen nach sich, wobei sich die wesentlichen Sanierungsarbeiten auf den Ersatz von Kittfugen und auf die lokalen Ausbesserungen der gröbsten Schäden an den Betonelementen beschränkten.»

Erst im Vorprojekt-Stadium

Und wie sieht der Zeitplan aus? Zurzeit werde ein Vorprojekt für die Gesamtinstandstellung ausgearbeitet, heisst es von der Stadt lediglich. Auch bei den Kosten bleibt noch vieles offen. Die laut Gurtner «voraussichtlich deutlich mehr als 10 Millionen Franken» seien eine Schätzung, «da sich das Ganze erst im Vorprojekt-Stadium befindet». Schon jetzt ist aber klar, dass die eingefärbten Platten saniert und nicht ersetzt werden. Und die eigentlich fällige Energieoptimierung an einem Bau, der Ende der 1960er Jahre geplant wurde? Gurtner winkt ab: «Da die Liegenschaft unter Denkmalschutz steht, wurde die Möglichkeit, Solarpanels zu installieren, nicht geprüft.»

«Teure Fehlleistung»

Einer, der die im Plattenbau fabrizierten Hardau-Hochhäuser sehr genau kennt, ist der Bauingenieur sowie Energie- und Bauschadenexperte Paul Bossert. Er hat 2015 der Stadt Zürich einen Bericht über die Energie-Effizienz abgeliefert. Sein energetisches Fazit zu den Hochhäusern ist vernichtend: «Obwohl seit Mitte der 1960er Jahre die Wärme-Dämm-Anforderungen sukzessive erhöht wurden, baute man nur vier Zentimeter Kork in den Wänden und vier Zentimeter Kork auf dem Flachdach ein. Schon damals machten die Zürcher Ziegeleien darauf aufmerksam, dass das energetische Verhalten vom 2-Schalen-Mauerwerk im Vergleich zu massiven Backsteinkonstruktionen schlechter sei.» Diese Erkenntnis gelte auch für Vorhangfassaden in Beton, so Bossert.

Und: «Insgesamt handelt es sich bei den Wohntürmen, wie auch bei den Zweispänner-Blöcken der 4-geschossigen Mehrfamilienhäuser, um eine sehr teure und konstruktive Fehlleistung sondergleichen», zieht Bossert Bilanz. Trotzdem glaubt er nicht, dass der Abriss der Hardau-Gebäude inkl. der vier Hochhäuser energetisch sinnvoll wäre. «Der Verlust an grauer Energie wäre zu gross», so Bossert auf Anfrage.

«Aufhängungen absolut sicher»

Er ist überzeugt, dass die vorgehängten Betonplatten zwar energetisch schlecht seien, dafür seien die Aufhängungen «absolut sicher». Angesprochen auf die geplante Sanierung redet Bossert Klartext: «Ich verstehe nicht, dass die Ausbesserungen so teuer sein sollen, da haben doch irgendwelche Architekten Panik verbreitet», so der Fachmann.



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