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01.03.2018 Von: David Herter

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Die Barrierenwärter vom Schübelweiher


Seit 20 Jahren helfen Marianne und Benno Lüthi mit, Amphibien den Weg in den Schübelweiher und zurück offenzuhalten. Foto: David Herter

Zusammen mit 24 Helfern und Helferinnen schliessen Marianne und Benno Lüthi den Autos die Schranken und öffnen Amphibien den Weg ins Wasser.

Kröten und Fröschen macht die Kälte nichts aus, wenn sie eingegraben im Wald auf den Frühling warten. Das tun sie diese Woche und wahrscheinlich auch nächste Woche noch. Am Ufer des Schübelweihers aber beisst die Bise. Benno Lüthi zieht den Kragen hoch, seine Frau Marianne Lüthi schlottert ein wenig. «Früher sind wir Schlittschuh gelaufen hier», sagt sie. Das war, bevor es die Kunsteisbahn Küsnacht gab. Hielt das Eis, zog es damals Mädchen und Jungen auch aus den Nachbardörfern zum künstlich angelegten Weiher oberhalb von Küsnacht.
Seit 20 Jahren schon helfen Lüthis den Amphibien über die Strasse. Strassen liegen vielerorts quer zum Weg der Kröten und Frösche vom Winterquartier zurück in das Gewässer, wo sie geboren sind. In Itschnach sind die Weinmanngasse und die Schiedhaldenstrasse beim Schübelweiher das Hindernis und die Zumikerstrasse beim Rumensee. Zwei dieser drei Teerbänder, auf denen zwischen Februar und April Tiere und Autofahrer aufeinandertreffen, werden nachts gesperrt. Die Schiedhaldenstrasse nicht. Die ist zu wichtig für den motorisierten Verkehr. Und Amphibien kreuzen sie nur wenige. Warum? «Die Population hat stark gelitten», sagt Benno Lüthi. Zu viele der Tiere sind in den vergangenen Jahren auf der Schiedhaldenstrasse plattgewalzt worden.
Für ihren Dienst haben sich die Lüthis damals auf einen Aufruf des Natur- und Vogelschutzvereins Küsnacht in der «Zürichsee-Zeitung» hin gemeldet. Mit dem Zusatz, sie stünden bereit «wenn sich niemand anderes findet», erzählt Benno Lüthi, der früher ein medizinisches Laboratorium in Zürich leitete. Es fand sich niemand anderes. Seither koordinieren er und seine Frau die Einsätze von heute 24 Helferinnen und Helfer. Früher wurden Zäune aufgestellt und die Frösche und Kröten in Kübeln über die Strassen getragen. Seit 2009 ist die Arbeit bequemer geworden. Die Gemeinde Küsnacht hat Schranken aufstellen lassen. Abends werden diese von den Freiwilligen ab- und morgens von Mitarbeitern der Gemeinde wieder aufgeschlossen.

Wichtigstes Werkzeug: Das Telefon
Am meisten zu tun hat Marianne Lüthi. Dabei ist das Telefon ihr wichtigstes Werkzeug. Ganz kurzfristig bietet sie die Helfer auf, weil sich so am sichersten gewährleisten lasse, dass die Barrieren am Abend auch tatsächlich geschlossen würden. «Das bedeutet einigen Aufwand, funktioniert aber sehr gut», sagt Marianne Lüthi. In diesem Jahr hat sie die Helferinnen und Helfer im Januar erstmals kontaktiert und deren Abwesenheiten während der Zeit der Amphibienwanderung aufgelistet. Losgegangen ist die Wanderung bisher nicht, obwohl es im Januar für einige Tage schon sehr warm wurde. «Die innere Uhr der Tiere funktioniert zum Glück sehr gut», sagt Benno Lüthi.
In Sorge ist er trotzdem. Die Zahl der Kröten im Schübelweiher hat in den letzten Jahren stark abgenommen. Auch Frösche sind schweizweit stark bedroht – wie fast alle Amphibienarten. Im Schübelweiher aber sei die Zahl der Frösche stabil, sagt Benno Lüthi. Als Hauptursache für die fehlenden Kröten vermutet er die 1999 ausgesetzten Hechte und Aale. Während nämlich die Frösche in flacheren Nebenteichlein laichen, tun die Kröten dies im Uferbereich des Schübelweihers. Dort würden ihre Eier und Jungtiere Beute der Raubfische, sagt Benno Lüthi. Ausgesetzt wurden die Hechte vom Kanton, um den Sumpfkrebs zu dezimieren, der zuvor aus Amerika den Weg in den Weiher gefunden hatte.
Die Gemeinde Küsnacht unterstütze ihre Arbeit sehr gut, auf diese Aussage legen Marianne und Benno Lüthi viel Wert. Die Gemeinde kommuniziert und signalisiert die Absperrungen. Und sie hat die Barrieren bezahlt, die die Arbeit der Freiwilligen stark erleichtern. Einen Wunsch an die Gemeinde haben die Lüthis dennoch. Nachdem die eingesetzten Hechte die Zahl der Krebse reduziert haben und möglicherweise die Zahl der Kröten mit, sei es nun an der Zeit, die Hechte aus dem Weiher zu ziehen. Nicht alle, sagt Benno Lüthi. «Aber einige grosse.» 

Alarmierend – oder doch nicht?
Die Gemeinde Küsnacht sieht im Moment keinen Grund, im Schübelweiher mehr Hechte fangen zu lassen. «Wir schätzen die Situation als nicht alarmierend ein», sagt Albi Thrier, als Leiter Tiefbau zuständig auch für die Gewässer in der Gemeinde. Im Zusammenhang mit dem Sumpfkrebs und den als Feinden ausgesetzten Hechten gebe es keine neuen Erkenntnisse. Den Pächter des Schübelweihers anzuweisen, vermehrt grosse Hechte zu fangen, habe sich die Gemeinde bisher nicht überlegt. Auch nicht mit Blick auf die bald anstehende Neuausschreibung der Schübelweiher-Pacht, sagt Thrier. «Falls Massnahmen erforderlich sind, erfolgt dies unabhängig von einer Neuausschreibung.»
Abgestützt auf ihre langen Beobachtungen kommen die Lüthis zu einem anderen Ergebnis: «Die Situation ist alarmierend», sagt Benno Lüthi. Seit dem Einsatz der Hechte hätten sie einen markanten Rückgang der Amphibienpopulation feststellen können. Auf diese möglichen Folgen des Raubfischeinsatzes sei schon in einem Bericht des Wasserforschungsinstituts der ETH (Eawag) hingewiesen worden. Insbesondere die zahlenmässig hohe Aussetzung von Hecht und Aal habe sich für die Amphibien als Problem erwiesen, sagt Benno Lüthi. «In der Fachliteratur wird darauf hingewiesen, dass auf dem Speiseplan des Hechts, nebst anderem, Kaulquappen und Amphibien stehen.»



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