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01.03.2018 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Wildfremde Menschen intim porträtiert


Fünf Porträtserien stellt Anouk Werthmüller aus, eine sechste findet sich im Ausstellungskatalog. Foto: Fabio Lüdi

Für ihre Maturaarbeit sprach die Zumikerin Anouk Werthmüller fremde Menschen auf der Strasse an, um sie in ihrem Alltag zu fotografieren.

Dieser eine Mensch, der im Zugabteil gegenübersitzt oder auf der Strasse den Weg kreuzt, der irgendwas hat. Eine Aura? Ausstrahlung? Sicher wäre es interessant, ihm zu folgen, herauszufinden, was die Person so tut, was sie so interessant macht.
Solche Gedanken sind uns allen wohl das eine oder andere Mal durch den Kopf geschossen. Die Maturandin Anouk Werthmüller beliess es nicht bloss beim «Was wäre wenn», sondern begleitete im Rahmen ihrer Maturarbeit am Literargymnasium Rämibühl gleich sechs Personen fotografisch mit einer professionellen Analog-Kamera in ihrem Alltag. Entstanden sind so intime Porträtserien unterschiedlichster Menschen.
«Die Idee dazu kam mir beim Zugfahren », erzählt die Zumikerin. Dass sie für ihre Maturaarbeit ein künstlerisches Projekt abliefern wollte, sei ihr schon lange klar gewesen. Zudem ist sie vor vier Jahren auf den Geschmack der Analog-Fotografie gekommen, vor zwei Jahre schenkte ihr der Grossvater schliesslich seine Kamera, mit der sie ihr Projekt umsetzte.

Bewusstes Fotografieren
«Analog ist ein bewusstes Fotografieren », erklärt Werthmüller ihre Passion, «alle Einstellungen müssen stimmen und viele Entscheidungen getroffen werden. Ausserdem gefällt mir die Qualität der fertigen Bilder besser als jene der Digitalfotografie.»
Für ihr Projekt musste sie auf der Strasse wildfremde Menschen davon überzeugen, sich fotografieren zu lassen. Keine leichte Aufgabe für Werthmüller. «Ich bin eigentlich ein scheuer Mensch», sagt sie und muss dabei ein wenig schmunzeln. Wenigstens einmal war das Überreden allerdings kein Problem: Eines ihrer Sujets habe sie im Kreis 4 mit der Kamera auf der Strasse gesehen und sie auf der Stelle gefragt, ob sie ihn fotografieren wolle.
Die 6x6-Filmnegative entwickelte sie schliesslich in der Dunkelkammer des Grossvaters, eine Arbeit, mit der sie sich vor einigen Jahren an einem Kurs vertraut gemacht hatte. Das ganze Prozedere erfordert einiges an Hingabe, es ist ein Handwerk, das Können und Geduld benötigt. Denn je nach Sujet sammelten sich während eines Tages bis zu 12 Filmrollen an, die Entwicklung eines Films dauert etwa eine Stunde. «Das Vergrössern eines Bildes geht dann nochmals eine bis drei Stunden», so Werthmüller.

Aufwand hat sich gelohnt
Der Aufwand hat sich für sie allerdings definitiv gelohnt. Im vergangenen November organisierte und kuratierte die Gymnasiastin eine Ausstellung in der Photobastei in Zürich. Eines der dort gezeigten Sujets war Adina Murer, die sie daraufhin einlud, in ihrem Atelier auszustellen. Das Gymnasium Rämibühl nominierte Werthmüllers Arbeit zudem für den Preis des besten kreativen Maturaprojekts. Im Juni weiss man, ob sie den auch gewinnt. In der Zwischenzeit können ihre Fotografien im Atelier Adina Murer in Zürich bestaunt werden.



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