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07.03.2018
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Triemli: «Intelligente» Liftsteuerung als Flop


Bis vierzig Minuten mussten Besucher und Patienten auf den «richtigen» Lift warten. Die Spitalleitung sah sich nun gezwungen, das Experiment mit spezieller «Zielwahlsteuerung» abzubrechen. Foto: ls.

Die vier Besucherlifte im neuen Bettenhaus des Triemli-Spitals sorgten für lange Wartezeiten und viel Ärger. Jetzt hat die Stadt die komplizierte Steuerung durch eine herkömmliche ersetzt.

Lorenz Steinmann

Vor gut zwei Jahren wurde der 290-Millionen-Bettenbau im Stadtspital Triemli mit Pauken und Trompeten eröffnet. «Wir setzen eine intelligente Steuerung der Aufzugsgruppen ein», hiess es damals vom Bauherrn. Doch wie sich bald herausstellte, war die Steuerung der Lifte zu intelligent. Jedenfalls jene der vier Besucherlifte.

Warterei von bis zu 40 Minuten

Gemäss den dieser Zeitung vorliegenden Informationen betrug die Wartezeit manchmal bis zu 40 Minuten, wenn Besuchende mit Patienten einen der Lifte benützen wollten (und mussten). Warum diese Probleme? Mediensprecher Christian Brogli vom Triemli: «Die Handhabung an sich ist sehr einfach – auf Knopfdruck kommt der Lift.» Sprich, auf einem Display musste das gewünschte Stockwerk gedrückt werden und auf einem anderen Bildschirm erschien dann der Buchstabe des zugewiesenen Lifts. Brogli räumt aber ein, dass von manchen Besuchern nicht verstanden worden sei, dass unmittelbar nach dem Knopfdruck angezeigt wurde, welcher der vier Lifte die gewünschte Fahrt ausführen wird. Waren die Besucher denn zu dumm? Brogli verneint. Aber: «Wer den Knopf nicht drückte und einfach in einen offenen Lift einstieg, wurde auch nicht an den gewünschten Ort gefahren. Im Lift selber konnte nämlich kein Zielort eingegeben werden, und mit dieser Handhabung kamen nicht alle Besucher zurecht.»

Warum wurde denn überhaupt ein so kompliziertes System eingebaut? «Die Eignung der Zielwahlsteuerung wurde seitens der Planer und Vertreter des Stadtspitals Triemli geprüft», erklärt Brogli. So sei eine solche seit Längerem im Inselspital Bern in Betrieb und dort habe sich nach anfänglichen Schwierigkeiten eine Gewöhnung eingestellt. «Die Lifte werden dort als nutzbringend eingestuft», weiss Brogli. Doch wegen der sehr hohen Frequenzen bewähre sich die Zielwahlsteuerung bei den Besucherliften im Triemli-Bettenhaus nur begrenzt. «Bei hohem Besucheraufkommen stauen sich die Fahrgäste. Besuchende ohne Kenntnisse der Methodik steigen ohne einen Knopf zu drücken in den Lift und finden sich dann nicht zurecht, wenn sie im Innern des Lifts keinen Knopf drücken können», so der Spitalsprecher. Nun zog die Spitalleitung die Notbremse. Brogli: «Da die Reklamationen nicht zurückgingen, sah sich die Spitalleitung gezwungen, auf konventionelle Steuerung umzustellen.»

Bei Personalliften bleibt System

Die Sanierungsarbeiten wurden während einer Woche getätigt. Die vier Lifte sind nach einer einwöchigen Sanierungsphase seit vergangenem Freitag herkömmlich bedienbar. Auf Nachfrage der Lokalinfo gab Brogli bekannt, dass die Umrüstungskosten «im tiefen fünfstelligen Franken-Bereich» liegen. Doch nicht genug damit: Die zusätzlich aufgetretenen Risse in den Kabinenwänden mussten auf Kosten der Herstellerfirma (als Garantiearbeit) saniert werden. Dazu wurden in allen vier Kabinen die Kunstharzplatten ersetzt. In den separat gebauten Personalliften im Bettenhaus wurde die Zielwahlsteuerung übrigens beibehalten. Dort habe sich die neue Technik bewährt, da das Personal nach einer Eingewöhnungszeit mit dieser Methodik mittlerweile vertraut sei.

Aber: Im Gegensatz zum Personal gehen Besucher in der Regel nicht während längerer Zeit ein und aus, daher gibt’s auch keine Eingewöhnungszeit. So scheint das Triemli einen Denkfehler gemacht zu haben. Immerhin: Nun wurde er behoben.



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