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14.03.2018 Von: Lisa Maire

Zürich 2

Bürgli-Bauprojekt mobilisierte das Quartier


Vor rund 120 Interessierten erklärt Architekt Alexander Huhle die Grundzüge des Bauprojekts. Foto: mai.

Auf grosses Interesse stiess letzte Woche ein Infoabend zum Engemer Bauprojekt «Im Bürgli». Fragen aus dem Publikum drehten sich um Lärm, Parkplätze, den Wohnungsspiegel und natürlich die verbaute Aussicht auf den Bürglihügel.

«In der Enge sind wir uns gewöhnt, dass es etwas eng ist», freute sich Quartiervereins-Vize Herbert Imbach bei der Begrüssung des dicht gedrängt sitzenden und stehenden Publikums im reformierten Kirchgemeindehaus. Zum Infoabend geladen hatte der Quartierverein auf Anfrage der Zürcher Kantonalbank, die für die Bauherrin Swisscanto Anlagestiftung das Projektmanagement übernahm. Von ZKB-Seite her rollte Projektleiter Thomas Gianora nochmals die Geschichte des Bauvorhabens auf, das 2012 ins Wettbewerbsprojekt «Dolce Vita» von Graber Pulver Architekten mündete und das nach einem Besitzerwechsel 2015 inhaltliche Änderungen erfuhr. («Zürich 2» berichtete). Denn der Mix aus 64 übergrossen Luxuswohnungen und Büros passte nicht ins Portfolio der neuen Grundeigentümerin Swisscanto. Man habe deshalb die Grundrisse völlig neu geplant, so Gianora.

Anfang Februar wurde nun das Baugesuch eingereicht für 124 Mietwohnungen mit 1½ bis 4½ Zimmern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den 2½- und 3½-Zimmer-Wohnungen, für die mit einer Miete zwischen 1900– 2500 Franken respektive 2700–3100 Franken zu rechnen ist. Dazu kommen 2200m2 Gewerbefläche im Erdgeschoss. Sie sei flexibel unterteilbar in Anteile von 75 bis maximal 600m2 und damit ausgerichtet auf «quartierverträgliche Nutzungen», hiess es.
Der Bauprofilwald entlang der Bederstrasse bei der Vinothek Landolt zeigt zurzeit die eindrücklichen Dimensionen des Projekts «Im Bürgli». Alexander Huhle von Graber Pulver Architekten betonte jedoch, dass man unter der zulässigen Gebäudehöhe und Ausnützung geblieben sei. Die langgezogene Überbauung zeichnet sich aus durch eine starke Gliederung mit abgedrehten Grundrissen. So können einerseits mehr Räume zum ruhigen Bürglihügel hin orientiert werden. Andererseits soll die Zickzack-Fassade mit diagonalen, befensterten Bezügen zum Vis-à-vis das Erscheinungsbild positiv beeinflussen. Dank Rückstaffelung und Auflösung in Einzelvolumen der drei obersten Etagen ergeben sich für die Nachbarn zudem schmale Durchblicke zum Bürglihügel.

Zu der sechsgeschossigen Überbauung (plus Attika) gehört eine Tiefgarage mit Zufahrt am linken Ende (zum Bahnhof Enge hin). Mit Rücksicht auf den Schallpegel wurde auf eine Rampe verzichtet und die Zufahrt voll eingehaust. Bewohnern, Besuchern und Kunden stehen hier 89 Parkplätze und 282 Veloabstellplätze zur Verfügung. Über der Erde wird es keine Parkplätze geben.

Noch über ein Jahr «Gnadenfrist»
Wann geht es los mit den Abriss- und Bauarbeiten? Eine Frage, die im Publikum wegen der zu erwartenden Immissionen brennend interessierte. Man rechne mit einem Bewilligungsverfahren von vier bis sechs Monaten Dauer, sagte Huhle. Mit Blick auf allfällige Rekurse könnten Abriss und Baustart somit frühestens im Sommer 2019 erfolgen, der Bezug zwei Jahre später. Die Baustellensituation sei schwierig, weil es nur eine minimale Vorzone zur Baulinie an der Strasse gebe. Man sei deshalb gezwungen, für den Bauverkehr ein logistisch besonders straffes System zu entwickeln. Die Stadt passe aber sehr gut auf, dass der Verkehrsfluss nicht beeinträchtigt werde, betonte der Architekt. Und – ja, die Tramhaltestelle Waffenplatzstrasse bleibe bestehen.

Mehrere Leute im Publikum äusserten sich kritisch zur künftigen Verkehrssituation an der Bederstrasse. So stellte ein Anwohner in den Raum, durch den Kanaleffekt, der mit dem neuen baulichen Gegenüber generiert werde, verschärfe sich das Lärmproblem. Die Zickzack-Geometrie der Fassade werde genau diesen Effekt bremsen, beruhigte der Architekt.

Verkehrsgenerator Parkplätze?
Ein anderer Quartierbewohner beklagte die zusätzlich zum Durchgangsverkehr entstehende Belastung durch die 89 neuen Parkplätze. Zunehmender Verkehr sei ein Problem der wachsenden Stadt, antwortete ihm Herbert Imbach. Es müsse deshalb gesamtstädtisch angegangen werden. Beim Quartierverein beobachte man weiterhin genau, wie die Stadt ihr Verkehrsproblem löse. Jemand im Publikum bemerkte daraufhin, der Wegfall des Tankstellenbetriebs werde den neuen Anwohnerverkehr wohl kompensieren. Eine Quartierbewohnerin wunderte sich sogar, warum nur so wenige Parkplätze gebaut werden. Die Parkplatzzahl einer Neuüberbauung sei stets eine von der Stadt vorgegebene «politische Grösse», erfuhr sie.

Nicht unerwartet wurden im Publikum Klagelieder über die verschwindende Aussicht auf die «Oase Bürglihügel» angestimmt. «Die Stadt verändert sich, das kann schmerzen», meinte dazu Imbach. Er gab aber auch zu bedenken, dass hier auf einen Schlag 124 Wohnungen entstehen, die das Quartier dringend brauche. «Was gewinnen wir?», hiess die Frage einer Anwohnerin nach dem Gegenwert von verbauter Aussicht und damit sinkender Wohnqualität bei wohl gleichbleibendem Mietzins. «Belebung, neue Läden», lautete die etwas hilflose Antwort der Projektverantwortlichen. Im Übrigen wiesen sie daraufhin, dass das Areal schon lange als Bauparzelle ausgewiesen sei. «Man musste damit rechnen, dass es mal überbaut wird.»



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