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14.03.2018
Zürich West

«Keine Frage, ob, sondern nur, wann»


Laut den VBZ «logistisch keine Herausforderung», aber doch ein wertvoller Test. Die Stadt Zürich will nun auf die «Verschmelzung von öV und MIV (Motorisierter Individualverkehr)» hinarbeiten. Foto: vbz/zvg.

Zwei Wochen lang kurvte ein selbstfahrendes VBZ-Büssli durchs Betriebsgelände der VBZ an der Luggwegstrasse. Gegenüber «Zürich West» geben die VBZ nun erstmals Resultate dieses Tests bekannt.

Lorenz Steinmann

Eben hat Stadtpräsidentin Corine Mauch in der «NZZ am Sonntag» verkündet, dass die Stadt Zürich bis 2030 auf eine halbe Million Einwohner wachsen soll. Auch darum hat die Stadtverwaltung das Projekt «Smartcity» ins Leben gerufen. Der Lead liegt bei Corine Mauch. Zum Projekt gehört «das Testen und Ausprobieren von innovativen Ansätzen», etwa neue Verkehrssysteme wie selbstfahrende Busse. Dabei sehen Kritiker einen künstlichen Hype in selbstfahrenden Fahrzeugen, für andere ist diese Technologie «die Mobilität der Zukunft». Absehbar scheint, dass der motorisierte Individualverkehr mit selbstfahrenden Fahrzeugen sicherer und effizienter werden kann. Aber der Busverkehr? Zumindest der staatliche öffentliche Verkehr ist heute schon höchst zuverlässig und fast ganz unfallfrei. Trotzdem sind die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich nun auf den Trend aufgesprungen und haben ein selbstfahrendes Büsslein mit Platz für etwa zehn Personen gemietet.

«Logistisch keine Herausforderung»

Das gleiche Büssli war schon letzten Sommer versuchsweise unterwegs, unter dem Label der Schaffhauser Verkehrsbetriebe (VBSH). Das Ziel der VBSH: Der Bus soll vom Ortszentrum in Neuhausen, wo er den Anschluss an das restliche Liniennetz sicherstellt, zum Rheinfall und zurück fahren. Und nun also Zürich: Zwei Wochen, vom 9. bis 23. Februar, war das laut Medienberichten «knubbelige» Fahrzeug auf dem Betriebsgelände der VBZ an der Luggwegstrasse unterwegs. «Logistisch war der Test keine Herausforderung», sagt Andreas Uhl von den VBZ auf Anfrage. Denn der durchaus mit Pioniercharakter versehene Test fand ohne externe Fahrgäste, dafür mit Begleitpersonen der VBZ statt.

Wie lautet nun das Fazit? Andreas Uhl: «Selbstfahrende Busse haben sicher Potenzial. Es ist keine Frage, ob, sondern nur, wann die VBZ selbstfahrende Busse einsetzen wird.» Wo kämen sie denn zum Einsatz? «Auf Nebenlinien mit wenig Fahrgästen und niederer Frequenz», antwortet der Mediensprecher nach längerer Zeit des Überlegens. Die Antwort ist darum interessant, weil Fachleute in selbstfahrenden Fahrzeugen vor allem Lösungen für das Verkehrschaos in den Innenstädten sehen.

Die Vision: Alle Verkehrsmittel, also Autos und Busse, sind selbstfahrend und können sich somit computertechnisch aufeinander abstimmen. Das funktioniert im Modell sehr gut – ausser bis der Mensch dreinfunkt. Mit anderen Worten: Bei Mischverkehr selbstfahrende Autos und Busse versus herkömmliche Steuerung wird es schwierig bis unmöglich, einen Konsens im Verkehrsfluss zu finden, so zumindest die Meinung von Verkehrsexperten und Zukunftsforschern wie dem Deutschen Richard David Precht. Deren zusammengefasstes Fazit: Entweder oder.
Die VBZ und mit ihr die Dienstabteilung Verkehr sowie das Tiefbauamt wollen zwar auf die «Verschmelzung von öV und MIV (Motorisierter Individualverkehr)» hinarbeiten. Aber so viel ist heute schon klar. Das wird schwierig. Da ist es durchaus nachvollziehbar, dass die VBZ sich vorderhand nicht auf das Minenfeld neuer Verkehrsregime in der City einlassen wollen, sondern die beschaulichen Aussenquartiere in Visier nehmen.

Kritik vom VPOD

Dabei kann oder will Uhl noch nicht sagen, wo konkret das sein könnte.
Hinauf zum Friedhof Eichbühl? Von der Endhaltestelle Zoo zum Zooeingang? Oder dereinst vom Bahnhof Altstetten zum neuen ZSC-Lions-Stadion? So oder so bleiben noch einige Probleme ungelöst. Denn laut Andreas Uhl schreibt das «Wiener Übereinkommen über den Strassenverkehr» vor, dass keinesfalls ein Fahrzeug des öffentlichen Verkehrs ohne Begleitperson unterwegs sein darf. Zumindest das Sparpotenzial durch wegfallende Chauffeure scheint momentan also gering. Trotzdem heisst es auf Anfrage bei der VBZ-Gewerkschaft VPOD, man stehe der Entwicklung skeptisch gegenüber. Duri Beer: «Wir sind überzeugt, dass selbstfahrende Busse keinem Kundenbedürfnis bei den VBZ entsprechen. Man will doch jederzeit eine Ansprechperson haben im Bus.» Beer befürchtet, dass es beim vorgesehenen VBZ-Einsatz schlussendlich auf den Abbau von Personal hinauflaufe. Sein Beispiel: «Coop und Migros beschwichtigten vor der Einführung von Self-Scanning-Kassen, dass es keinen Personalabbau gebe, und nun ist dieser im vollen Gang.»

Proteste gegen selbstfahrende Autos und Busse? Auf die Barrikaden stiegen früher auch die Postkutschenhalter, bevor die Gotthardbahn eröffnet wurde, und später die Schreibmaschinenhersteller, bevor die Computer Standard wurden. Beide erfolglos. Ob sich selbstfahrende Busse in diese Reihe eingliedern werden, wird sich zeigen. 



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