Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
15.03.2018 Von: David Herter

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Fehlt dem Hecht das Futter, frisst er Kröten


Die grösste Gefahr für Kröten ist dieser Tage nicht der Hecht, sondern der motorisierte Verkehr. Foto: Andreas Baumann

Schweizweit ist die Zahl der Erdkröten rückläufig. Im Schübelweiher könnten daran die zur Sumpfkrebs- Bekämpfung eingesetzten Hechte mit schuld sein.

Nun sind sie wieder unterwegs, in der Dunkelheit. Von ihren Winterquartieren im Wald wechseln die Amphibien allerorten ins Wasser, um dort für den Fortbestand ihrer Art zu sorgen. Auf dem Weg in den Schübelweiher, oberhalb von Küsnacht, müssen die Tiere dafür über die Schiedhaldenstrasse oder die Weinmanngasse. Wie viele Frösche und Kröten die Strassen überqueren, um in den Weiher zu gelangen ist nicht bekannt. Zuletzt zählten freiwillige Helferinnen und Helfer die Amphibien vor zehn Jahren. Damals transportierten sie die Tiere in Kübeln, heute ist nachts ein Abschnitt der Weinmanngasse mit Barrieren gesperrt (der «Küsnachter » berichtete). Das ist bequemer, dafür fehlen aber Zahlen zu kurz- und langfristigen Entwicklungen. Amphibienhelfer Benno Lüthi ist dennoch sicher: Die Zahl der Erdkröten im Schübelweiher hat in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. Lüthi macht die Hechte dafür verantwortlich, von denen der Kanton im Jahr 1999 fünfzig bis siebzig – je nach Quelle – grosse Exemplare in den Weiher eingesetzt hatte. Die Hechte sollten den aus Nordamerika stammenden Roten Sumpfkrebs dezimieren, der einige Jahre zuvor illegal ausgesetzt worden war.

Keine Krebse mehr gefangen
«Es kann sein, dass der Amphibienbestand inklusive Erdkröten unter dem Besatz mit Hechten leidet», sagt Wolfgang Bollack, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion, die auch für die Fischerei zuständig ist. Im Normalfall schmeckten den Fischen die Eier von Kröten, deren Larven und auch die Kröten selbst jedoch nicht. «Unter den Amphibien sind Erdkröten diejenige Art, die am wenigsten stark durch Fischfrass betroffen ist», sagt Bollack. Eine Ausnahme gibt es: Fehlt es den Fischen an Futter, sind negative Auswirkungen auf Erdkröten nachgewiesen. Es sei deshalb nicht auszuschliessen, dass der Hechtbesatz mit dazu geführt habe, dass die lokale Erdkröten- Population zurückgegangen sei, sagt Bollack. Allerdings seien die Erdkrötenbestände in der Schweiz generell rückläufig, wegen des Verkehrs, der Kanalisation, Giften und weiterer, nicht bekannter Gründen.
Wie viele Hechte im Moment im Schübelweiher leben, ist nicht bekannt. 2002 hatte das Wasserforschungsinstitut der ETH (Eawag) empfohlen, die Hechte alle zwei bis drei Jahre zu zählen. Systematisch gesucht wurde zuletzt jedoch nur noch nach Sumpfkrebsen. «Im Jahr 2012 konnte in drei Nächten kein einziger Krebs gefangen werden», sagt Bollack von der kantonalen Baudirektion. 2016 versuchten Krebspest- Forscher ihr Glück, der Versuch, für Probenentnahmen im Schübelweiher Sumpfkrebse zu beschaffen, scheiterte aber. Eine nächste Reusenfangkampagne plant der Kanton für den kommenden Sommer. Danach soll der Bestand an Sumpfkrebsen neu geschätzt werden können.

Wenig wirksamer Hecht
Der Sumpfkrebs scheint also erfolgreich zurückgedrängt. Ob der Hecht daran grossen Anteil hat, ist fraglich. Der Kanton schätzt den Beitrag des Raubfischs bei der Krebsbekämpfung als «nicht sehr hoch» ein. «Die Wirkung der Hechte auf die Sumpfkrebspopulation war nicht die gewünschte », sagt Bollack. Deshalb seien in der Folge nur noch Aale ausgesetzt worden, «die den Sumpfkrebsbestand offensichtlich in Schach halten konnten». Bis ins Jahr 2006 setzte der Kanton eine grosse Zahl an Aalen in den Schübelweiher ein. Diese bleiben laut Bollack 10 bis 15 Jahre im Süsswasser, bevor sie ins Meer ziehen. «Es ist also durchaus denkbar, dass noch einzelne Aale im Schübelweiher vorhanden sind.» Das Fischereirecht im Schübelweiher gehört der Gemeinde Küsnacht. Diese hatte vor zwei Wochen mitgeteilt, sie sehe im Moment keinen Anlass, mehr Hechte fangen zu lassen. Daran ändere die Einschätzung des Kantons nichts, sagt Gemeindeschreiberin Catrina Erb. «Gemäss dem Kanton sind die Hechte lediglich eine mögliche Ursache für die Abnahme der Kröten.» Das weitere Vorgehen werde Küsnacht mit dem Kanton abstimmen, wenn die Resultate der Reusenfangkampagne vorliegen.

Neuverpachtung in Arbeit
Noch nicht bestimmt ist ein neuer Pächter für den Weiher. Der amtierende Fischereiaufseher wolle sein Amt altershalber abgeben, sagt Erb. Ob die Pacht öffentlich ausgeschrieben werde, sei offen. «Bei der letzmaligen Vergabe im Jahr 1994 wurde kein öffentliches Verfahren angewendet. » Nicht festgelegt ist laut Erb auch der Zeitpunkt für den Wechsel und die Pachtkonditionen. «Diese Punkte sind zurzeit in Abklärung.»



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