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22.03.2018 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter Amtlich, Küsnachter

Wandeln auf den Spuren von C. G. Jung


Foto: Fabio Lüdi

Ab Anfang April ist das Museum im Wohnhaus C. G. Jungs für die Öffentlichkeit zugänglich. Am Samstag wurde es feierlich eingeweiht.

Gut ein Vierteljahrhundert hat Carl Gustav Jungs Enkel, Andreas Jung, die Idee eines Museums im Wohnhaus des berühmten analytischen Psychologen mit sich herumgetragen. Vor zwei Jahren kristallisierten sich schliesslich konkrete Pläne heraus, vergangenen Samstag nun wurde an der Seestrasse 228 in Küsnacht die Öffentlichkeit im Museum Haus C. G. Jung willkommen geheissen. Ab dem 3. April können sich interessierte Besucher über die Website zu geführten Besichtigungen anmelden.

Die Museumsleiterin Cornelia Meyer versteht ihre Institution als Wohnmuseum und Gelehrtenhaus gleichermassen, Besucher sollen sich als Gast bei Jungs fühlen. «Wir wollen den Eindruck erwecken, C. G. Jung habe eben erst Holz im Cheminée nachgelegt und sei dann kurz in den Garten verschwunden.» Das Haus soll denn auch authentische Einblicke in das professionelle und private Leben der Familie Jung-Rauschenbach gewähren. Trägerschaft des Museums ist die 2002 gegründete Stiftung C. G. Jung Küsnacht, in deren Besitz sich die Immobilie auch befindet.

Seit Generationen bewohnt

C. G. Jung und seine Frau Emma Jung-Rauschenbach zogen 1909 ins herrschaftliche Anwesen am Zürichsee, bis 1914 kamen fünf Kinder – vier Töchter und ein Sohn – hinzu. Enkel Andreas Jung wohnt seit 1975 mit seiner Frau im Haus des Grossvaters, fortan allerdings beschränkt auf das oberste Stockwerk.

Mit der Umsetzung seiner Vision zeigt er sich zufrieden. «An Sonntagen wurde im Speisezimmer wirklich gelebt», erinnert sich der Nachkomme. Dann wurde etwa fieberhaft das jungsche Familienspiel Mahjong auf dem grossen Holztisch gespielt. Dank des Museums zieht nun wieder rege Betriebsamkeit ein in die Räume des Anwesens an der Seestrasse.

Dabei wurde das Haus weitgehend in seinem Originalzustand erhalten, die Einrichtungsgegenstände stammen grossenteils aus dem Jungschen Familienarchiv. «Die Familie Jung hat nichts weggeworfen, das kam der Ausstellung zugute», so Museumsleiterin Cornelia Meyer.

Trotzdem wurde und wird im Haus gewohnt, Veränderungen in der Einrichtung sind da nur natürlich. Um das Interieur dennoch so originalgetreu wie möglich wiederherzurichten, wurde darum etwa auf alte Fotos zurückgegriffen.

So konnten auch Details bei der Inneneinrichtung entdeckt werden, wie die Kleiderhaken, die seinerzeit vor der Tür zum Wartezimmer für Patienten angebracht waren und nun wieder an gleicher Stelle prangen. «Die Patienten hängten wahrscheinlich dort ihre Mäntel auf, damit Jung sah, dass jemand auf ihn wartete», spekuliert Meyer. Man wisse das nicht genau, sei aber wahrscheinlich. Durch diese Liebe zum Detail soll den Besuchern die Lebens- und Schaffenswelt von Carl Gustav Jung und Emma Jung-Rauschenbach vermittelt werden. Dabei wird bewusst auf das Ehepaar als Ganzes gezielt, Emma Jung-Rauschenbach soll nicht im Schatten ihres Gatten verwinden.

Als Tochter eines erfolgreichen Schaffhauser Unternehmers war es ihr Vermögen, dass den Bau des Wohnhauses erst ermöglichte. Sie war zudem nicht nur Mitarbeiterin ihres Ehemannes, sondern selbst ebenfalls Psychoanalytikerin und Autorin.

Auch die Gemeinde freuts

Zur Einweihung gab es schliesslich warme Worte, nicht nur der involvierten Parteien, sondern auch seitens der Gemeinde. «Küsnacht freut sich, die Eröffnung des Museums feiern zu können», so Gemeindepräsident Markus Ernst im grossen Speisesaal des Anwesens vor zahlreichen Besucherinnen und Besuchern. Auch heute noch sei Jung eine wichtige Persönlichkeit und geniesse international grosses Ansehen. Und in Küsnacht habe wohl jede und jeder eine ganz eigene Erfahrung mit dem Erbe des berühmten Psychoanalytikers gemacht.

Enkel Andreas Jung blickt mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf die Museumseröffnung. «Mit einem weinenden Auge, weil ich Sie heute das letzte Mal als Hausherr an der Seestrasse begrüssen darf», so Jung. Die wenigen bisherigen Führungen fanden als private Anlässe statt, immer mal wieder stand auch ein Verehrer Jungs vor den Türen des bis anhin privat genutzten Hauses, mit der Bitte, sich umsehen zu dürfen.

Vor allem blicke er aber mit einem lachenden Auge auf die Eröffnung: «Jetzt können wir alle Interessierten willkommen heissen und ihnen das Leben von C. G. und Emma Jung-Rauschenbach näherbringen.»



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