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28.03.2018
Zürich West

101-jähriger Verein hat 30 Prozent mehr Mitglieder


Weil man die Ticketeria Goldbrunnenplatz schliessen will: Die VBZ haben im 1. Stock des Gasthofs Falcone einen Billettautomaten aufgestellt und erklären nach der Generalversammlung, wie man ihn bedient. Foto: ho.

Der 101-jährige Quartierverein Wiedikon steckt voller Tatendrang. Er steigert die Mitgliederzahl markant, erneuert den halben Vorstand und lädt an der GV die Verantwortlichen für die geplante Schliessung der Ticketeria am Goldbrunnenplatz auf die Bühne.

Thomas Hoffmann

«Wird das eine Palast-Revolte?», fragt der Tischnachbar im Gasthof Falcone. In der Einladung hatte der Quartierverein Wiedikon angekündigt, dass vier von neun Vorstandsmitgliedern zurücktreten. Und nun beginnt die Generalversammlung mit einem Änderungsantrag. Alt-Präsident Ernst Hänzi, der letztes Jahr aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist, fordert ein Traktandum für die angeschlossenen Vereine, wie das bislang üblich war. Man habe das geändert, antwortet sein Nachfolger Urs Rauber. Um die Aufnahme neuer Vereine zu beschleunigen, entscheide nun der Vorstand. «Es war eine lebhafte Aussprache mit den Vereinen», erzählt Rauber, «aber damit ist das Thema bereinigt.»

An Anlässen Mitglieder geworben

Aus seinem schriftlichen Jahresbericht erwähnt der Präsident nur einige Höhepunkte: die 100-Jahr-Feier, den Erfolg traditioneller Veranstaltungen sowie den Grossandrang am ersten Neuzuzügeranlass. Und natürlich die markante Zunahme der Mitgliederzahl von 470 auf 615. Das entspricht über 30 Prozent! Den 43 Austritten (meist wegen Todesfall, Wegzug oder alterbedingtem Verzicht) stehen 188 Neueintritte gegenüber. Die meisten erfolgten an Veranstaltungen des Quartiervereins. «Dass wir junge Mitglieder gewonnen haben», so Urs Rauber, «freut uns besonders.» Bei anderen Quartiervereinen sank letztes Jahr die Mitgliederzahl, in Altstetten beispielsweise um 13 Prozent.

Billettautomat fernbedienen lassen

Ende Jahr sollen zwei der sechs Billett-Verkaufsstellen in der Stadt verschwinden, in Wiedikon jene am Goldbrunnenplatz. «Die Kommunikation ist nicht gut gelaufen», gesteht Franz Kagerbauer, Direktor des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV). «Eigentlich müssten wir aktiv auf das Quartier zugehen, das ist hier nicht geschehen.» Zusammen mit Thomas Meier, Leiter Verkauf bei den Verkehrsbetrieben der Stadt Zürich (VBZ), muss Kagerbauer den 80 Anwesenden erklären, weshalb man die Ticketeria schliessen will. «Der Verkauf geht praktisch überall zurück, und wir sind verpflichtet, auf die Kosten zu achten.» 80 Prozent der Billettverkäufe erfolge mittlerweile in Selbstbedienung, so Kagerbauer, «Tendenz weiterhin stark steigend». In der Stadt Zürich, fügt Meier an, seien es bereits 90 Prozent. Er weist auf umliegende Ticketerias hin, wie jene am Albisriederplatz, und erklärt, dass man sich am Billettautomaten bedienen lassen kann. Dafür müsse man nur die angegebene Nummer am Automaten anrufen, was 8 Rappen pro Minute kostet, und die Person am anderen Ende bedient den Automaten. Zahlen müsse man jedoch selber.

«Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann ich die Schliessung der Ticketeria verstehen», sagt eine Frau, «aber mein 80-jähriges Grosi wird nicht mehr lernen, wie man ein Handy bedient.» Man vergesse diese Leute nicht, meint Franz Kagerbauer: «Beim ZVV-Kundendienst, der täglich von 6 bis 22 Uhr telefonisch erreichbar ist, kann man ein Billett bestellen und hat es am nächsten Tag zu Hause im Briefkasten.»

«Leute, die den persönlichen Kontakt brauchen, wird es weiterhin geben», betont Urs Rauber. «Für die wollen wir uns als Quartierverein einsetzen.» Das Problem gebe es zudem bei Poststellen und den Kreisbüros, die die Stadt schliessen will. «Wir haben daher bei der Quartierkonferenz Zürich angeregt, Quartier-Helppoints einzurichten, an denen man Dienstleistungen wie Billettverkauf und Post zusammenfasst.»

Zudem sind zur Rettung der Ticketerias am Goldbrunnen- und am Schwamendingerplatz politische Vorstösse hängig. Die SP der Kreise 3 und 12 hat dem Regierungsrat eine Petition mit über 3500 Unterschriften übergeben. Und zwei SVP- und zwei FDP-Gemeinderäte fordern den Stadtrat in zwei Postulaten auf, sich für den Erhalt einzusetzen.

Den Vorstand vergrössert

Mit zusätzlichen Anlässen und mehr Mitgliedern gibt es für den Quartierverein Wiedikon mehr Arbeit. Daher stimmen die Mitglieder einer Vergrösserung des Vorstandes von 9 auf 11 Personen zu. Zurückgetreten sind an der GV Monika Widmer (sie war 18 Jahre dabei und hat drei Präsidenten miterlebt), Christoph Holenstein (10 Jahre), Jacqueline Peter (6 Jahre) und Raphael Kobler (4 Jahre). Bestätigt werden für die nächsten zwei Jahre Präsident Urs Rauber sowie Roland Scheck, Denise Walker, Ronald Schmid und Ulrike Trinks. Als Neue gewählt sind Flurin Capaul, Monika Egli, Marion Sommer, Dieter Saxer, Andreas Wäfler und Josef Widler. 



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