Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
29.03.2018 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter Amtlich, Küsnachter

Kandidaten stellen sich der Öffentlichkeit


Journalistin Philippa Schmidt (Mitte) nahm in der Küsnachter Heslihalle die zehn anwesenden Gemeinderatskandidierenden ins Kreuzverhör. Foto: Fabio Lüdi

Zehn Küsnachter Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten versuchten, die Stimmbevölkerung von sich zu überzeugen.

Knapp einen Monat vor den Wahlen am 22. April stellten sich die Küsnachter Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten am Podium in der Heslihalle zum Kampf um das beste Statement. Zehn der elf Kandidierenden – der Parteilose Urs Esposito nahm nicht teil – stellten sich der Fragerunde, eine wirkliche Diskussion zwischen den Kontrahenten war aufgrund deren Anzahl nicht möglich.

So schlimm schien das aber nicht, denn die Kandidierenden waren sich im Grundsatz einig: Küsnacht geht es gut. So will beispielsweise auch keiner und keine der aspirierenden Gemeinderäte und Gemeinderätinnen am momentan tiefsten Steuerfuss im Bezirk Meilen rütteln, jedenfalls nicht, so lange die Gemeinde auf finanzpolitisch soliden Füssen steht. Ein längerfristig stabiler Steuerfuss sei wichtiger als volatile Anpassungen aufgrund kurzfristiger Entwicklungen, tönte es unisono.

Relativ entspannt in die Zukunft

Weder links noch rechts wollte aus parteiideologischen Gründen am Steuerfuss schrauben, eine Einigkeit, wie sie in dieser Thematik selten zu beobachten ist. In die Zukunft der Gemeinde schauen die Kandidatinnen und Kandidaten denn auch relativ entspannt.

Das leidige Thema Zentrumsentwicklung scheint für den Moment vom Tisch, man müsse sich auf das konzentrieren, was aktuell anstehe, meinten die Politikerinnen und Politiker. So gelte es, die Kosten und Entwicklungen in den Bereichen Infrastruktur, Wohnen und Alter im Auge zu behalten, waren sich die Podiumsgäste einig. Alt und Jung müssen auch in Zukunft in der Gemeinde Platz haben und finden, die Sicherung des momentanen Standards war ein viel zitiertes Anliegen.

Die grössten Herausforderungen für die Schule sieht Klemens Empting (FDP), einziger Schulpflegepräsidiums-Kandidat, unter anderem in der Überwindung der Raumknappheit und der ressourcenintensiven Umsetzung des «Lehrplans 21». Zudem stelle die Zusammenlegung der Politischen und der Schulgemeinde eine grosse Herausforderung dar, worin sich auch die Gemeinderatskandidaten einig waren.

Persönlich gefragt

Moderatorin Philippa Schmidt («Zürichsee-Zeitung») gab jeder und jedem Kandidierenden die Gelegenheit, zu einer persönlichen Frage Stellung zu beziehen. In alphabetischer Reihenfolge gestaltete sich dies folgendermassen:

 

Erb, Ulrich (SVP): Sie meinten, Sie als Baujurist wollen bei der Revision der BZO mithelfen. Aber was, wenn Sie das Ressort Planung nicht kriegen, sondern ein anderes?

Erst mal muss man gewählt werden, dann werden die Ressorts verteilt. Ich habe das gesagt, weil ich davon viel verstehe. Die BZO muss in den nächsten Jahren revidiert werden, das ist nicht meine Erfindung. Vielleicht kommt es erst, wenn ich wiedergewählt werde und bereits in einem anderen Ressort gedient habe. Dann kann ich mich dem eventuell annehmen. Aber ich würde mir die Leitung anderer Ressorts aufgrund meiner Erfahrung sicher zutrauen.

Ernst, Markus (FDP): Das Projekt Zentrumsentwicklung wurde abgelehnt, Sie haben viel Herzblut da reingesteckt. Gab es nach der Abstimmung einen Moment, in dem Sie dachten: Jetzt trete ich nicht mehr an?

Diese Momente gibt es nicht nur einmal im Jahr. Aber zum Glück sind die kürzer als jene, bei denen ich denke: Ich mache das noch mal. Natürlich war es schade, das ist es immer, wenn man so viele Ressourcen rein- steckt. Aber das Resultat ist in seiner Klarheit zu respektieren, das war also sicher nicht der Moment für mich zu denken, dass ich jetzt aufhöre.

Guggenbühl, Pia (FDP): Sind Sie die neue Ursula Gross Leemann und übernehmen die Finanzen?

Ich muss Ursula Gross Leemann erst mal einen Kranz winden: Sie hat die Finanzen gut gehandhabt. Aber wer neu in den Gemeinderat kommt, nimmt das Ressort, das sie oder er kriegt. Ich stelle mich also der Wahl und werde mich, falls ich gewählt werde, gemeinsam mit dem Gremium der Gemeinde zur Verfügung stellen.

Hegglin, Lucia (SP): Sie sassen bereits einmal im Gemeinderat mit Unterstützung des Bürgerforums. Zuvor waren Sie bei der CVP. Was sagen Sie jenen, die Ihnen Opportunismus vorwerfen?

Dass man sich im Leben weiterentwickeln kann, ich finde meinen Weg von 25 bis 55 nicht so weit. Als ich anfing, gehörte ich zum linken Flügel der CVP, heute zum rechten Flügel der SP. Meine Werte sind aber immer die gleichen geblieben, Solidarität und der Mensch im Mittelpunkt sind mir wichtig.

Matti, Walter (parteilos): Sie sind parteilos, was kann ich von Ihnen erwarten?

Das Gleiche, wie bei jedem anderen. Sie haben gesehen, wie ich die letzten vier Jahre gearbeitet habe, meine Gesinnung wird sich nicht ändern. Ich zähle mich zum bürgerlichen Lager und habe meinen Job gemacht. Im Gemeinderat herrscht das Kollegialitätsprinzip, da macht man den Job für die Gemeinde, nicht für seine Partei.

Roos, Nicola (eigene Partei): Sie sind aus dem politischen Nichts aufgetaucht und haben eine eigene Partei gegründet. Kann man eine Partei mit dem eigenen Namen mutig nennen oder selbstverliebt?

Ich wüsste keinen besseren Namen. Ich bin ein junger Student, von dem man bisher nur wenig gehört hat, weil ich bis jetzt nur an den Wochenenden hier sein konnte. Darum konnte ich auch nicht an Gemeindeversammlungen teilnehmen oder mitpolitisieren. Aber ich bin hier aufgewachsen und habe den Wunsch, mich hier zu engagieren und nicht bloss bei Abstimmungen vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Schlumpf, Ueli (SVP): In Küsnacht hat es Tradition, dass ein Kandidat im Gemeinderat sitzt, der den Berg vertritt. Was machen Sie für den Berg?

Grundsätzlich bringe ich die Stimmung des Bergs in den Gemeinderat. Für das Dorf sind die Anliegen der «Bergbevölkerung» nicht immer ganz klar. Abgesehen davon, dass es bei uns oben früher hell wird, hören wir etwa auch den Fluglärm bei uns.

Schneider, Martin (SVP): Sie sind Vorsteher Hochbau und gleichzeitig Präsident des Gewerbevereins Küsnacht. Gibt es da nicht Interessenskonflikte?

Nein, die gibt es sicher nicht. Die Baugesuche, die bei uns eingehen, haben eine lange Vorbereitung durchlaufen, bei uns geht es nach Paragrafen. Gewerbliche Prozesse gibt es im Hochbau nicht. Bei Umbauten kommt auch eher der Immobilieneigentümer mit uns in Kontakt, nicht der gewerbliche Mieter des Objekts.

Schubiger, Susanne (GLP): Sie sind seit eineinhalb Jahren Gesundheitsvorsteherin. Sie mussten nun die zweitwichtigste Stelle Ihres Ressorts neu besetzen; ist es nun so aufgegleist, dass es weiterhin funktioniert?

Die Pensionierung des alten Leiters Gesundheit war von langer Hand vorbereitet. In meinen eineinhalb Jahren habe ich daraufhin gearbeitet, einen neuen Abteilungsleiter zu finden. Ich habe nicht aufgegeben, bis ich einen gut ausgebildeten, erfahrenen und professionellen Nachfolger gefunden habe, und ich glaube, eine gute Wahl getroffen zu haben.

Wyss, Martin (FDP): Sie wurden letztes mal mit einem guten Ergebnis gewählt. In den letzten zwei Jahren ist aber nicht alles durchgekommen, was Sie angerissen haben. Was können Sie besser machen?

Dramatisch sehe ich das nicht. Ich habe beim regionalen Richtplan viele Küsnachter Punkte durchgebracht. Die «Sunnenwis» wurde zwar nicht eingezont, aber es war absolut wichtig, darüber zu reden. Man verbessert sich natürlich stetig, und mit 43 habe ich mein Potenzial noch nicht ausgeschöpft.

 

Mehr Informationen zu den Wahlen gibt es in der grossen Wahlbeilage in der Printausgabe. 



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