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29.03.2018 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter Amtlich, Küsnachter

Um arbeiten zu können, braucht es Chancen


Im «Kommandoraum» wird die ganze Anlage überwacht. Foto: F. Lüdi

Durch Asylsuchende kommt auch ein grosses Arbeitspotenzial in die Schweiz. In der ARA Küsnacht-Erlenbach-Zumikon wird dieses bereits genutzt, andere Betriebe sollen folgen.

Die Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einem Praktikum gehört zum fundamentalen Erfahrungsschatz in der Schweiz. In Zeiten, in denen Firmen aber vermehrt Mühe bekunden, ihre Lehrstellen zu besetzten, gilt es neue Wege zu gehen. Ein solcher wurde vor einem Jahr am Gewerbelunch in Küsnacht vorgestellt: die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Kaspar Schneider, Leiter des Fachbereichs Abklärung und Vermittlung bei der Asylorganisation Zürich AOZ, versuchte damals, den Gewerblern das Potenzial von Flüchtlingen als Arbeitnehmer näherzubringen (der «Küsnachter» berichtete).

«Unser Ziel ist, Flüchtlinge auf die Anforderungen des Schweizer Arbeitsmarkts vorzubereiten und bei der Stellensuche zu unterstützen», so Schneider. Dafür müssten Firmen allerdings die Bereitschaft mitbringen, in deren Potenzial zu investieren. «Das heisst, sie müssen sich für die Einarbeitung und Qualifizierung Zeit nehmen», so Schneider weiter.

Doch Zeit ist Geld, werden sich wahrscheinlich viele hiesige Gewerbler gedacht haben, denn das Fazit ist durchzogen: «Die Rückmeldungen von Firmen aus Küsnacht war eher gering», bilanziert Schneider. Generell seien Firmen zurückhaltend, wenn es um die Anstellung von Flüchtlingen gehe, da oft die Erfahrung bezüglich dieser Gruppe fehle.

Seit sieben Monaten dabei

Andom Zerai ist bisher der Einzige, der im Rahmen des Programms in Küsnacht eine längerfristige Anstellung gefunden hat. Der 31-Jährige ist als Praktikant in der Abwasseraufbereitungsanlage ARA Küsnacht- Erlenbach-Zumikon angestellt. Seit sieben Monaten ist Zerai dort um Unterhaltsarbeiten in der Anlage besorgt und arbeitet in diesem Rahmen beim Hausdienst, bei der Reinigung und der Pflege der Installationen mit. «Ich helfe dort, wo es nötig ist», fasst Zerai seinen Job zusammen.

In seinem Herkunftsland Eritrea war er Lehrer, vor acht Jahren ist er in die Schweiz gekommen. Seither hat er einige Praktika durchlaufen, auch in der Kinderbetreuung. Die Arbeit hat dem ehemaligen Lehrer gefallen, doch es hat sich keine Möglichkeit für ein längerfristiges Engagement ergeben.

«Hier sind die Anforderungen hoch, es ist schwierig, etwas zu finden», so Zerai, «aber man muss es eben immer weiter versuchen.» Sein Einsatzwillen, seine Zuverlässigkeit und sein Optimismus haben sich schliesslich ausgezahlt, voraussichtlich im August wird er eine Lehre als Fachmann Betrieb Unterhalt in der Abwasseraufbereitungsanlage beginnen. Andom Zerai wird damit der erste Lehrling sein, den die ARA überhaupt ausbildet.

Zuversicht bei der Gemeinde

Das Beispiel der ARA zeigt, dass das Arbeitsintegrationsprojekt nicht nur Potenzial, sondern auch Zukunft hat. «Positive Erfahrungen, wie sie zurzeit bei der Gemeinde Küsnacht gemacht werden, werden eine positive Wirkung entfalten», ist Rita Niederöst, Leiterin Ressort Gesellschaft der Gemeinde Küsnacht, überzeugt.

Ihr Ressort betreut zusammen mit der AOZ das hiesige Arbeitsintegrationsprogramm für Flüchtlinge. Pünktlich zum «Jahrestag» des initialen Gewerbelunchs hat Niederösts Ressort eine Umfrage an das lokale Gewerbe verschickt, um dessen Bereitschaft für eine Teilnahme in Erfahrung zu bringen. «Fünf Betriebe sind bereit, einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz für Flüchtlinge oder Schweizer Sozialhilfe-Bezüger zur Verfügung zu stellen», zieht Niederöst Bilanz. Ein Viertel der angefragten Betriebe hat auf die Umfrage geantwortet.

Das sei auf den ersten Blick zwar nicht viel, doch es ermögliche die Fortsetzung der bestehenden Arbeit, so Niederöst. «Integrationsarbeit besteht aus dem Weg der stetigen kleinen Schritte», so die Leiterin Gesellschaft. Ihr Ressort wird nun mit denjenigen Betrieben, die ihre Bereitschaft bekundet haben, Kontakt aufnehmen, um geeignete Bewerber zu finden. «Wir machen zuversichtlich weiter, nach dem Motto: ‹Gut Ding will Weile haben›», schliesst die Leiterin Gesellschaft.



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