Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
05.04.2018 Von: Toni Spitale

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Der Brückenbauer vom Traubenweg


«Brückenbauer» Konrad Willi spendet der Gemeinde Küsnacht eine Hängebrücke übers Tobel. Foto: Toni Spitale

Hinter dem Projekt Tobelbrücke steht als Financier der 82-jährige Konrad Willi. Er möchte damit seiner 2016 verstorbenen Ehefrau Silvia Kramer gedenken, welche zu Lebzeiten viel für die Allgemeinheit getan hat.

Wenn Konrad Willi über Brücken, Seile und Metallkonstrukte spricht, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus. 1936 ist er im bündnerischen Schiers aufgewachsen und machte nach der Schule eine Lehre als Hufund Wagenschmied. Im Jahr 1959 stiess er zum Bundesamt für Militärflugplätze in Dübendorf, wo er 1996 als damaliger Chef der Schlosserei- Werkstatt in Pension ging.
Auf einer Thailand-Myanmar- Rundreise im Jahr 1982 lernte er seine zweite Ehefrau Silvia Kramer kennen. Später zog er zu ihr nach Küsnacht an den Traubenweg, und im Jahr 1999 heirateten sie. Silvia Kramer wuchs in Zürich auf und kam 1967 nach Küsnacht. «Meine Frau fühlte sich von Beginn an sehr mit der Gemeinde verbunden», erinnert sich der heute 82-Jährige. Sie habe stets viel gespendet und sich unermüdlich für die Allgemeinheit engagiert.
Ihre Verbundenheit zur Gemeinde sei während den 50 Jahren Wohnsitz – sie erlag vor zwei Jahren einer Krebserkrankung – so stark gewesen, dass es auch ihr Wunsch gewesen sei, anstelle im Familiengrab in Zürich, im Gemeinschaftsgrab des Friedhofs Hinterriet/Itschnach ihre letzte Ruhe zu finden.

Erinnerungen an Kyoto
Über einen Behördenworkshop der FDP im Frühsommer 2017 sprechend, hörte der alleinstehende Witwer erstmals von Bekannten vom «Wunschbedarf Tobelbrücke.» «Vielleicht braucht es dafür einen Sponsor?», schoss es ihm durch den Kopf. Die Idee, der Bevölkerung eine Brücke zu schenken, damit sie das Tobel einfacher und auf ausserordentliche Weise überqueren können, liess ihm fortan keine Ruhe mehr. Mit seinem grosszügigen Angebot rannte er bei der Gemeinde offene Türen ein. Dort wurden ihm auch die Pläne des Vorprojekts aus dem Jahr 2014 vorgelegt. Der ehemalige Schlosser- Meister, der während seiner Berufstätigkeit selber einmal mit Lehrlingen eine Metallbrücke angefertigt und montiert hatte, fand grosses Gefallen daran.
Die Hängebrücke erinnerte ihn nicht zuletzt auch an eine gemeinsame Japanreise mit seiner Frau aus dem Jahr 2002. Beim Miho-Museum in der Nähe Kyotos beeindruckte eine filigrane und elegant in die Landschaft eingebettete Stahlbrücke insbesondere seine Ehefrau. Er selber hat die Brücke und Einzelteile davon aus allen Blickwinkeln fotografiert und in einem Fotoalbum verewigt. «Eine Hängebrücke in Küsnacht hätte meine Frau wirklich begeistert», ist sich Willi sicher.
Für ihn gibt es nichts Schöneres, als nun im Andenken an die Küsnachterin Silvia Kramer die Tobelbrücke zu erstellen. Es soll aber kein Denkmal werden, wie der rüstige Rentner betont: «Die Brücke ist in erster Linie ein Geschenk an die Öffentlichkeit und soll dazu beitragen, dass die Quartiere Allmend und Itschnach einander näherkommen.» Und vielleicht kämen sich dadurch auch die beiden Tennisclubs etwas näher, hofft das aktive Mitglied des Tennisclubs Küsnacht mit einem Augenzwinkern.

Zuversichtlich für Zustimmung
Mittlerweile liegen die Pläne für das 180 Meter lange, 46 Meter über dem Tobel baumelnde und über 55 Tonnen schwere Bauwerk vor. Willi hat sich dafür eingesetzt, dass die Brücke genügend breit gebaut wird, dass auch Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren problemlos passieren und sich kreuzen können. Auch die Gestehungskosten sind bekannt: Rund 1,1 Millionen Franken dürften dem spendablen «Brückenbauer» in Rechnung gestellt werden. Um den Unterhalt und die Platzierung von Ruhebänken an den beiden Brückenenden wird sich die Gemeinde kümmern. «Wir haben darauf geachtet, dass die Folgekosten für die Gemeinde im Rahmen bleiben», sagt der Gönner dazu.
Sollte ihm vor Vollendung des Projekts – voraussichtlich kann die Brücke im Herbst 2019 in Betrieb gehen – etwas zustossen, hätte dies keine Auswirkungen auf die Finanzierung. Mit seiner Anwältin habe er für diesen Fall bereits alles Nötige geregelt und in die Wege geleitet.
Konrad Willi zeigt sich zuversichtlich, dass die Gemeindeversammlung im Juni der Teilrevision des kommunalen Richtplans zustimmen und sich damit zum Bau der Tobelbrücke bekennen wird.



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 9. August 2018
Zürich 2 vom 9. August 2018
Zürich Nord vom 9. August 2018
Zürich West vom 9. August 2018
Küsnachter vom 9. August 2018
Küsnachter Amtlich vom 9. August 2018

Sonderzeitungen

Ausstellungsführer Neuer Norden 2018
Neuer Norden 2018
Abenteuer Stadt Natur 2018
Tonhalle
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger Klotener Anzeiger