Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
05.04.2018 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

«Ich bin wohl die unhippste Band überhaupt»


Mit «Rabbit» brachte Lea Lu letztes Jahr ihr erstes Album in Soloproduktion heraus, ein weiteres ist bereits in Arbeit. Foto: Franco Tettamanti

Die Zürcher Sängerin Lea Lu tritt im Rahmen der «pop up»-Kulturkirche Goldküste auf dem Zollikerberg auf. Im Interview verrät sie, wie sie zu ihrer Musik findet und worauf sich das Publikum freuen kann.

Lea Lu, Anfang April singen Sie im Rahmen der Kulturkirche Goldküste. Wie kommen Sie dazu, in einer Kirche aufzutreten?
Pfarrer Andrea Marco Bianca hat mich angefragt. Er ist ein grosser Musikfan, und ich habe bereits einige seiner Gottesdienste musikalisch mitgestaltet, das war mir stets eine grosse Freude.

Haben Sie sich also nur seinetwegen für den Auftritt entschieden?
Einerseits, weil ich ihn kenne und schätze. Andererseits, weil ich Kirchen für Auftritte unglaublich finde. Ich habe meine neuen Songs in einer Art persönlichem Rückzug aus der Welt geschrieben. Die Kirche ist ebenfalls so ein Rückzug für die Menschen, wo sie zur Ruhe kommen, hinsitzen, zuhören und in sich gehen. Das ist genau die Art, wie ich meine neuen Songs geschrieben habe. Da gibt es eine Verbindung.

Ihr Rückzugsort war ein Haus in Herrliberg. Wie sind Sie dazu gekommen?
Ich habe dort ein halbes Jahr gewohnt und hatte viel Raum. Ich konnte also lärmen und Musik machen. Das war eine wichtige Zeit für mich. Das Haus war für mich ein Gefäss, in das ich mich zurückziehen konnte.

Warum war das für Sie wichtig?
Es ist immer wichtig, innezuhalten, zu sehen, wo man jetzt gerade steht. Ich wohnte eigentlich nur in diesem Haus, es war nicht das Ziel, dort Musik zu schreiben und sie aufzunehmen. Aber dann tauchte plötzlich ein Song auf. Dem bin ich gefolgt, und ich habe gemerkt: Oh, der führt mich irgendwo hin. Während zwei, drei Monaten habe ich in einem unglaublichen Flow gut 40 Songs aufgenommen. Die wollte ich erst überhaupt nicht veröffentlichen, da sie sehr persönlich sind. Schlussendlich habe ich mich dann doch entschieden, einen Teil davon rauszugeben.

Von diesen 40 haben es dann sechs auf Ihr letztes Album geschafft. Eine kleine Auswahl.
Eine sehr kleine. Am kommenden Gottesdienst-Konzert werde ich auch sechs Songs spielen, im Trio zusammen mit den Sängerinnen Franziska Brücker und Daniela Sarda. Da spielen wir jedoch auch eines der unveröffentlichten 36 Stücke.

Da können die Leute ja überhaupt nicht mitsingen.
Nein, aber sie können mitfühlen. Es ist Musik, für die man sich total öffnen muss. Darum finde ich die Kirche auch einen so wunderbaren Ort dafür. Ich finde es immer sehr spannend, in speziellen Räumen zu spielen. Einmal haben wir in einer unterirdischen Steinhöhle ein Set gespielt, das war wunderschön.

Der Akustik wegen?
Die Akustik, die Atmosphäre – ich konnte meinen Rückzug sozusagen nachbilden und die Leute so noch mehr in die Geschichten der Songs mitnehmen. Um meine Musik wirklich zu erleben, muss man sich vollkommen fokussieren und sich darauf einlassen können.

Das klingt beinahe schon anstrengend fürs Publikum.
(Lacht) Es ist nicht ohne, ja. Zu Konzertbeginn sage ich das dem Publikum aber immer. Auch, dass ich niemandem böse bin, der darum während des Konzerts geht. Das ist bis jetzt aber noch nie passiert.

Diese Intensität war nicht immer da in Ihrer Musik. Manchmal wurde sie als «leichtfüssig», dann wieder als «melancholisch » bezeichnet. Welche Art Musik machen Sie denn nun?
Die, die es braucht, damit ich erzählen kann, was ich zu erzählen habe. Ich orientiere mich nicht an einem Konzept. Momentan bin ich wohl die unhippste Band überhaupt. Ich arbeite rein akustisch, zum Teil sogar nur mit Stimmen, also a cappella. Dies ist eine ziemlich ehrliche Art, Musik zu machen. Die Stimme versteckt nichts.

Sie meinten, ein Song sei damals plötzlich aufgetaucht. Suchen Sie nicht aktiv nach Ihrer Musik?
Nein, wenn man etwas aktiv sucht, findet man es nie. Da kommt man nur auf Kompromisslösungen.

Dann laufen die Stücke wieder von Ihnen weg?
Das Magische läuft weg. Den Kompromiss findet man immer, das ist aber nicht, was Musik sein sollte. Sie sollte immer aus den Vollen schöpfen können. Musik muss immer auf eine Art extrem sein, ehrlich. Oder eben extrem unehrlich, aber es kann nichts dazwischen sein. Musik muss einfach kompromisslos sein.

Sind Sie deswegen auch nicht mehr bei einem grossen Musiklabel unter Vertrag?
Meine aufs Minimum reduzierten A-cappella-Songs hätten in einem Majorlabel-Katalog auf eine komische Art ziemlich verloren ausgesehen. Für mich war ganz klar, dass ich nicht nur die Songs alleine produzieren, sondern auch herausgeben muss. Sie waren zu persönlich, um sie in andere Hände zu geben. Ich habe darum vor drei Jahren meinen eigenen Weg eingeschlagen.

Seither haben Sie selbst ein Album rausgegeben, ein weiteres steht in der Pipeline. Und als Vorband von Coldplay sind Sie bereits vor Zehntausenden Menschen aufgetreten. Was kommt für Sie als Nächstes?
Dieser Riesenauftritt war eine grossartige Erfahrung, ich konnte unglaublich viel lernen, und das Faszinierende war eigentlich, wie ruhig und besinnlich das Konzert war. Einen Einblick zu bekommen in eine so grosse Produktion, das war eine einmalige Chance für mich. Niemand war nervös. Das über hundertköpfige Team von Coldplay war relaxt und unglaublich höflich. Das hatte eine gute Energie. Ich finde, wenn man das auf diesem Level erreichen kann, dann hat man irgendwas richtig gemacht.



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 21. Juni 2018
Zürich 2 vom 21. Juni 2018
Zürich Nord vom 21. Juni 2018
Zürich West vom 21. Juni 2018
Küsnachter vom 21. Juni 2018
Küsnachter Amtlich vom 21. Juni 2018

Sonderzeitungen

Ausstellungsführer Neuer Norden 2018
Neuer Norden 2018
Abenteuer Stadt Natur 2018
Tonhalle
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger Klotener Anzeiger