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11.04.2018 Von: Pia Meier

Zürich Nord, Zürich West, Züriberg, Zürich 2

20 Jahre warten auf Einhausung Schwamendingen


Bis in sechs Jahren soll dieser Autobahnabschnitt in Zürich-Schwamendingen überdacht sein. Dafür sind 583 Millionen Franken veranschlagt. Rechts das freie Feld für den Installationsplatz des Riesenprojekts. Foto: Lorenz Steinmann

Die Vorarbeiten für die Einhausung der Autobahn bei Schwamendingen sind voll im Gang. Mit dem Bau soll im Frühling 2019 begonnen werden, ungefähr 20 Jahre nachdem Anwohner eine Volksinitiative für die Überdeckung eingereicht hatten. 2024 soll sie fertig sein.

Der Autobahneinschnitt zwischen Aubrugg und Schöneichtunnel, eröffnet 1980, ist eine der meistbefahrenen Verkehrsachsen in Zürich. Mehr als 110 000 Fahrzeuge benutzen diesen Verkehrsweg täglich. Lärm- und Feinstaubbelastungen liegen regelmässig über den zulässigen Grenzwerten, teilweise sogar über den Alarmwerten. Dementsprechend gross sind die Probleme: Die Wohnqualität ist den Anwohnenden kaum zumutbar, die Bausubstanz der angrenzenden Liegenschaften verschlechtert sich, Anzeichen für einen Trend zur sozialen Entmischung des Gebiets rund um die Autobahn sind auszumachen. Ausserdem bildet der Autobahnabschnitt ein nur mühsam überwindbares Hindernis zwischen den Quartierteilen Schwamendingen-Mitte und Saatlen. Mit grosser Ausdauer bemühten sich Quartierbewohner über Jahre, die Situation zu verbessern. Der Autobahnabschnitt sollte überdeckt werden. Der Kantonsrat genehmigte das Projekt im Februar 2006. 2006 stimmten die Stadtzürcher für einen Kredit von 39,8 Millionen als städtischer Beitrag an die Gesamtkosten von 206 Millionen Franken. Ziel einer Einhausung der Nationalstrasse N01/40 sollte ein einzigartiger, knapp ein Kilometer langer und rund 30 Meter breiter Nutzbau sein.

Jahrelange Verzögerungen
Doch obwohl sich alle Beteiligten einig waren, war der Weg länger als erwartet. Eigentlich hätten die Arbeiten für die Einhausung Schwamendingen gemäss Plan 2010 beginnen müssen. Dann sprach man von 2011, später von 2013. Nun sollen die Hauptbauarbeiten im Frühling 2019 beginnen. Das heisst, von der Volksinitiative im Jahr 1999 bis zum Beginn der Bauarbeiten im Frühling 2019 (siehe Kasten) dauerte es 20 Jahre.

Ursprünglich war der Kanton federführend. Heute wird das Projekt vom Bundesamt für Strassen (Astra) in Zusammenarbeit mit Kanton und Stadt Zürich realisiert. Der Bund übernahm 2008 die Zuständigkeit für Projektierung und Bau und ab 2010 die Projektsteuerung inklusive bestehender Verträge des Kantons. Der Umstand, dass die Sicherheitsvorschriften in der Zwischenzeit verschärft wurden, führte zu Verzögerungen. Ebenfalls wurde die Einhausung mit dem Schöneichtunnel als Gesamtbauwerk betrachtet. Das heisst, die Rasterdecke im Abschnitt Waldgarten muss aus Tunnelbetriebsgründen ebenfalls geschlossen werden.

Aufgrund der Projektanpassungen mussten alle Beteiligten, Gemeinderat, Kantonsrat und Bund 2011, den Kredit aufstocken, denn die Kosten überstiegen den ursprünglichen Kredit von 206 Millionen Franken um fast 100 Millionen Franken. Für das Gesamtprojekt wird mit Kosten in Höhe von 583 Millionen Franken gerechnet. Darin inbegriffen sind 138 Millionen Franken für die Instandsetzung des bestehenden Schöneichtunnels.

Die dauernden Verzögerungen sorgten für Verunsicherung im Quartier. Viele glaubten nicht mehr an die Realisierung der Einhausung. Es machte sich Unmut breit. Auch für Diskussionen sorgte die Schliessung der Autobahneinfahrt Aubrugg («Hosenbein»). Dieser Projektbestandteil war zwar schon vor der Projektübernahme kommuniziert worden sowie auch Teil der öffentlichen Auflage, wie das Astra betont, das Quartier sah dies aber anders und protestierte dagegen.

Mehr Abbrüche notwendig
Aufgrund der erwähnten Anpassungen wurden mehr temporäre oder dauernde Landerwerbe von Liegenschaften notwendig. In der Abstimmungszeitung von 2006 war noch von zwei Wohngebäuden und einer Tiefgarage die Rede, die abgebrochen werden müssen. Später war von weniger als zehn Gebäuden die Rede.

Projektbedingt notwendig ist der teilweise beziehungsweise vollständige Rückbau von insgesamt 19 Gebäuden entlang der Einhausung Schwamendingen. Ein Grund dafür ist der Baugrund, der sich als sehr setzungsempfindlich herausstellte. Deshalb müssen Pfähle rund 20 Meter in den Untergrund gebohrt werden, um das Gewicht der Einhausung zu tragen. Dafür braucht es seitlich mehr Platz, als im Projekt von 2006 ausgewiesen. Aber auch die verschärften Sicherheitsvorschriften verlangten mehr Platz auf der Seite der Einhausung. Weitere 26 Gebäude wurden auf Wunsch der jeweiligen Eigentümer im Zuge der Vorarbeiten für die Einhausung ebenfalls zurückgebaut. Das Astra einigte sich im Lauf des Prozesses mit allen Eigentümern auf den Verkaufspreis ihrer Liegenschaften, wie es festhält.

Umfangreiche Vorarbeiten
Für die Quartierbewohner ist das Bauwerk jetzt aber in die Nähe gerückt, denn mit den Vorarbeiten wurde im Herbst 2017 begonnen. In der Zwischenzeit wurden diverse Gebäude rückgebaut, die übrigen Gebäude werden bis Frühling 2019 folgen. Die Baustelle braucht wegen der Grösse und Komplexität des Projekts eine aufwendige Logistik. Der Bedarf an Installations-, Bewegungs-, Logistik- und Rettungsflächen mitten im Wohnquartier ist zeitlich und örtlich sehr gross. Aus diesem Grund müssen zahlreiche freie Flächen im Quartier temporär genutzt werden. Heute macht sich eine grosse Leere in der Umgebung der Einhausung breit. Am 1. März begannen die Werkleitungsarbeiten. Bestehende Leitungen entlang der Nationalstrasse werden umverlegt, sodass die Versorgung und Entsorgung der Quartiere während des Baus der Einhausung sichergestellt wird.
Die Genossenschaften, die betroffen sind, haben sich zur IG pro Züri 12 zusammengetan. Sie planen eine umfangreiche Erneuerung ihrer Liegenschaften entlang der Einhausung. Die Stadt Zürich unterstützt und begleitet den städtebaulichen Entwicklungsprozess. Sie stellt sicher, dass die Einhausung gut ins Quartier angebunden ist. Der Gestaltungsplan, welcher die Bebauung rund um die Einhausung Schwamendingen regelt, wurde 2016 vom Gemeinderat festgesetzt. Die Baudirektion des Kantons Zürich bewilligte ihn 2017. Entlang der Einhausung kann nun attraktiver Wohnraum für unterschiedliche Lebensformen und Einkommensschichten entstehen und das bestehende Quartier weiterentwickelt werden. In den meisten Gebieten sind die Gebäude quer zur Einhausung und in Zeilenbebauung zu erstellen. Alle müssen energetische Anforderungen erfüllen. Maximal sind sieben Geschosse zulässig. Brückenbauwerke verbinden die Gebäude mit dem Ueberlandpark. Dieser ist ein durchgehender Grün- und Freiraum für die Quartierbevölkerung, der über Rampen, Treppen und Lifte für Fussgänger und Velofahrer erschlossen wird. Ungefähr in der Mitte des Parks sind auch Nutzungen wie Kiosk, Café, Bistro, Quartiertreff und anderes möglich.

 

Chronologie der Einhausung Schwamendingen

• März 1999: Einreichung Volksinitiative durch betroffene Anwohner mit 12 000 Unterschriften
• Juli 2001: Kantonsrat beauftragt Regierungsrat mit Planung Lärmsanierung
• Juli 2004: Regierungsrat entscheidet sich für Einhausung
• Februar 2006: Kantonsrat genehmigt Kreditvorlage
• Juni 2006 Gemeinderat genehmigt Kreditvorlage
• September 2006: Stadtzürcher stimmen Kreditvorlage zu
• Januar 2008: Neu Astra Bundesamt für Strassen für Projektierung und Bau zuständig
• Januar 2010: Astra übernimmt Projektsteuerung
• Januar 2011: Aussteckung der Einhausung beginnt
• März 2011: Ausführungsprojekt öffentlich aufgelegt
• August 2011: Gemeinderat stimmt Zusatzkredit zu
• September 2011: Kantonsrat stimmt Zusatzkredit zu
• März 2012: Park auf Einhausung erhält Namen Ueberlandpark
• Oktober 2012: Ergänzende Auflage aufgrund von Projektanpassungen
• Dezember 2015: Uvek erteilt Plangenehmigungsverfügung
• Februar 2016: Plangenehmigungsverfügung erlangt Rechtskraft • Oktober 2017/2018: Beginn der Vorarbeiten
• Mai 2019: Beginn der Arbeiten geplant
• Fertigstellung der Einhausung auf Mitte 2024 geplant

 



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