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11.04.2018 Von: Elke Baumann

Zürich West

Museum zeigt, wie man im 20. Jahrhundert ideal wohnte


Blick in einen Ausstellungsraum aus dem Jahr 1918. (Foto: zvg.)

Mit der Ausstellung «Ideales Wohnen» präsentiert das Museum für Gestaltung in seinem Stammhaus Schätze aus der Sammlung Möbel des 20. Jahrhunderts.

Dank der Restauration und Renovation des Gebäudes an der Ausstellungstrasse 60 hat das Museum für Gestaltung vom Keller bis unters Dach jetzt genug Platz, um dem Publikum mehr Glanzstücke als zuvor aus seinen Sammlungen präsentieren zu können. Im ersten Stockwerk die «swiss designe lounge» und die «Plakatgeschichten», im Eingangsbereich die doppelgeschossige Halle für Sonderausstellungen und im Untergeschoss neben «collection highlights» die Ausstellung «ideales wohnen».

Sieben Musterzimmer zeigen Schweizer Möbeldesign und den sich wandelnden Lebensstil zwischen 1918 und 1985. Stühle, Sessel, Regale und Schränke, Tische, Lampen, Werbetexte, Plakate und historische Fotografien lassen die 1920er-, 1940er-, 1968er-Jahre aufleben.

Schweizer Designkultur

Mit dem ausklingenden Jugendstil geht die Zeit des Historismus zu Ende. Es setzt ein einfacher, zweckmässiger Wohnstil ein. Man wendet sich von verziertem Mobiliar und Plüsch ab. Möbel sollen einfach und praktisch sein. Die Zeitreise der Ausstellung beginnt Anfang 20. Jh., als sich langsam der schlichte Wohnstil, die «Neue Sachlichkeit», durchsetzt. Möbel werden nicht mehr als Einzelstücke von Hand gefertigt, sondern serienmässig maschinell hergestellt. Vor allem Stühle spielen eine bedeutende Rolle. Sie sind die Königsdisziplin. An ihnen kann man sehr gut den Stand der technischen Möglichkeiten ablesen. Die Musterzimmer, die mit ausgewählten Sammlungsstücken des Museums möbliert sind, zeigen, wie Industriedesigner und Produzenten klare Vorstellungen davon hatten, wie man sich im 20. Jh. perfekt einrichtet. Alle gezeigten Exponate stammen aus der eigenen Design-Sammlung.

Ein «Junggesellenzimmer» von 1918 macht den Auftakt. Mit seiner zusammengestellten Möblierung und den zueinander gesetzten Farbflächen bringt es die Atmosphäre und den Geist abstrakter Kunst in den Alltag. Das Kunsthandwerk ist auf den Weg zum Industriedesign. In den 1920er-Jahren tritt die «Neuen Sachlichkeit» definitiv ins Rampenlicht. Man bevorzugt eine klare Formensprache. Die Wohnraumgestaltung löst sich von der alten Behäbigkeit zur Gemütlichkeit. Steif und kerzengrade sitzen – adieu! Erste Stühle sind ohne Ornamente, das erste Geschirr von Bauhaus ohne Dekor, das Wilhelm-Kienzli-Bücherregal beweglich, leicht, praktisch.

Weiter gehts mit Ernst Max Haefelis leichten Typenmöbeln, mit Dreibeintisch und Stühlen von Max Bill, Hans Bellmann und Richard Riemenschmidt suchen Schönheit im Einfachen, Stahlrohrmöbel werden en vogue. Die «gute Stube» unserer Grosseltern hat sich zu einem zweckmässigen, einfachen, hellen und bequemen Wohnzimmer gewandelt.

Die Wohnräume der 1968-Jahre sind geprägt von Alltagskultur und Pop-Art, die um 1985 wie Phönix aus der Asche als Postmoderne wieder auferstehen. Den Abschluss des Rundganges bildet eine Raumeinrichtung mit Sitzgelegenheit für «Junge in Blue Jeans». Schaumstoffblock: aufgestellt ein Sessel, hingelegt eine Matratze – fertig! «Multi-Soft» mit mehreren Blöcken bilden eine Sitzlandschaft – cool, hochmodern und technisch perfektioniert. Renate Menzi, Kuratorin der Ausstellung, ist mit ihrem Team eine Schau gelungen, die dem Schweizer Möbeldesign gerecht wird. Auf dem Rundgang wird einem klar, dass man sich eigentlich nach einer der vorgeschlagenen Wohnausstattungen hätte einrichten sollen. Aber es ist nie zu spät . . .

Themenweg zum Landesmuseum

An «Ideales Wohnen» knüpft die Ausstellung «Auf der Suche nach dem Stil. 1850 bis 1900» im Landesmuseum an. Beide Ausstellungen sind mit einem Themenweg durch den Platzspitzpark miteinander verbunden. Bis zum 15. Juli 2018 ist es möglich, mit einem Kombiticket von 15 Franken am selben Tag beide Ausstellungen zu besuchen.

Museum für Gestaltung, Ausstellungstrasse 60. Öffnungszeiten: Di–So 10–17 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr.  www.museum-gestaltung.ch



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