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11.04.2018 Von: Sibylle Ledergerber

Züriberg

Susi Lüssi: «Ich bin eine Macherin»


Das Ende einer Ära: Nach elf Jahren als Leiterin des Klus Parks tritt Susi Lüssi am 20. April ihre Stelle ab. Über ein Jahrzehnt der Begegnung, der Erfahrung und des Engagements geht damit zu Ende.

Susi Lüssi ist gerade noch in ein Gespräch verwickelt, bevor das Interview im Alterszentrum Klus Park beginnt. «Es ist wirklich so schade, dass du gehst», hört man noch von ihrer Gesprächspartnerin, dann wendet sich die Zentrumsleiterin um. Das kurze graue Haar korrekt nach hinten gekämmt, die Kleider Ton in Ton, die dunkeln Augen freundlich strahlend, bittet sie in ihr Büro. Der grosse lichtdurchflutete Raum ist in seiner Architektur noch ein Erinnerungsstück an die Tage, in denen das Gebäude als Spital funktionierte.
Auf Lüssis Pult stechen einem sofort die prall gefüllte Agenda und die vielen Notizen ins Auge – die Koordination einer grossen Einrichtung verlangt viel ab. Dennoch sei es klar ein Herzensentscheid gewesen, als sie damals die Stelle als Zentrumsleiterin antrat, erzählt Lüssi. Dass sie sich mit dem Klus Park sehr verbunden fühlt, wird auch im Verlauf des Gesprächs klar. So beginnt sie ihre Erzählungen nicht über den eigenen Werdegang, sondern mit der Geschichte des Alterszentrums. Und wenn man Susi Lüssi in ihrer ruhigen Art über den Klus Park und die Bewohner und Bewohnerinnen sprechen hört, spürt man, wie sehr sie sich dem Alterszentrum verschrieben hat.

Zurück zu den Wurzeln
Selbst im Quartier grossgeworden, kannte Susi Lüssi das ehrwürdige Gemäuer und seine Geschichte bereits vor ihrem Amtsantritt bestens. «Ich bin im Quartier aufgewachsen, für mich war es ein Heimkommen. Ich kenne den Kreis 7, bin an der Hammerstrasse grossgeworden, bin in der Kirchenpflege Neumünster tätig und wurde dort auch getauft und konfirmiert. Es gibt viele im Klus Park, die mich bereits als Kind gekannt haben», berichtet die Heimleiterin. Als Lüssi damals die Entscheidung traf, sich der Leitung des Klus Parks anzunehmen, stiess sie damit nicht nur auf Verständnis. War sie doch zuvor 12 Jahre im strategischen Bereich als Abteilungsleiterin und Mitglied der Geschäftsleitung der Altersheime der Stadt Zürich tätig. Für einige sei es nicht begreiflich gewesen, warum sie einen Schritt zurück statt einen auf der Karriereleiter nach oben unternahm. Damals hatte Lüssi neun bis zwölf Häuser unter sich, in direkter Führung. «Sie müssen sich vorstellen, als ich 1995 die Position als Abteilungsleiterin antrat, gab es noch in keinem der Häuser einen PC. Wir hatten die Aufgabe, diese damit auszurüsten. Dann gab es auch keinerlei Dokumentationen, das Leitbild war nicht niedergeschrieben und vieles mehr. Das alles mussten wir erstellen. Und nach 12 Jahren sollte das Ganze dann noch einmal komplett überarbeitet werden. Wissen sie, ich bin eine Macherin, ich wollte etwas anderes. Ich wollte zurück an die Basis, ich vermisste die Menschen.» So traf es sich gut, dass gerade die Position als Zentrumsleiterin im Klus Park frei wurde.
«Ich bereue meine Entscheidung, die Stelle angetreten zu haben, keine Sekunde», hält Susi Lüssi bestimmt fest. Das habe aber auch mit den Schwestern zu tun. Den Ingebohler Schwestern, welche 1952 am selben Ort neben ihrem Spital Theodosianum eine Schwesternschule gründeten. Später verkauften sie diese, das Spital und weitere Teile an die Stadt. Der Raum für das Alterszentrum Klus Park war geschaffen.

Bleibende Erinnerung
Heute leben und wirken noch 14 der Schwestern im Klus Park. Eine davon ist Schwester Fabiola. Spontan kommt die 96-Jährige im Büro vorbei. Bedachten Schrittes läuft sie zu einem Stuhl, setzt sich und lauscht gespannt. Wie es denn gewesen sei, als Lüssi ihr Amt antrat. «Ich war da bereits in hohem Alter und nicht sicher, wie man wohl auf mich reagiert. Doch Susi meinte nur: Ich kenne sie doch!», meint Schwester Fabiola und lächelt. «Da wusste ich, ich durfte weiter im Klus Park wirken. Wir hatten nie ein Missverständnis, oder, Susi?», fragt sie, plötzlich ein wenig verunsichert. «Aber nein doch», beschwichtigt sie Susi Lüssi. Aus der Begegnung sei eine Freundschaft entstanden. Lüssi ist es während ihrer Zeit im Klus Park immer wichtig gewesen, dass sich auch die Nonnen wohlfühlten. So machte die studierte Theologin aus der Kapelle, die von ihren Vorgängern als Mehrzweckhalle genutzt wurde, wieder einen sakralen Ort.
Auch Laurent Schönherr, Lüssis Assistent, nimmt sich Zeit zu erzählen. «Ich habe Susi Lüssi 2002 kennen gelernt. Damals arbeitete sie in der Geschäftsleitung der Alterszentren der Stadt Zürich, ich war selbstständig und leitete mit meinem Bruder eine Internet-Agentur. Ich hatte den Auftrag, die Website der Altersheime der Stadt Zürich zu realisieren. Mit der ersten Projektleitung wollte es nicht so recht klappen, also übernahm kurzerhand Susi Lüssi. Es entstand eine tolle Website. Diese erste Begegnung zeigte mir, dass Susi jemand ist, der gleich Nägel mit Köpfen macht.» Nach 11 Jahren in der Agentur suchte Schönherr schliesslich eine neue Herausforderung und verschickte auch ein Schreiben an Lüssi. «Als wir uns dann zum Gespräch auf der Terrasse des Restaurants hier trafen, war es zum Bersten mit Leuten gefüllt. Alle Generationen waren vertreten, es herrschte pulsierendes Leben. Und dann war da Susi mit ihrer offenen, fröhlichen Art – das hat mich gleich für die Arbeit hier begeistert.» Lüssi habe den Mikrokosmos des Zentrums mit ihrer offenen Art und ihren vielen Ideen bereichert. Sie habe sowohl delegieren als auch Verantwortung abgeben können.

Von Abschied und Neubeginn
Es gibt noch etwas, das bei der Betrachtung von Lüssis Pult ins Auge sticht: eine goldene Oscarstatue. «Beste Heimleiterin» steht darauf geschrieben. «Den hat man mir an der Bewohnervollversammlung überreicht », meint Lüssi. Ihre gute Beziehung zu den Bewohnern wird noch einmal auf dem Weg in die Cafeteria deutlich. Die Gesichter erhellen sich, und man grüsst die Zentrumsleiterin. Als sie auf dem Vorbeiweg eine betagtere Bewohnerin antrifft, die eine Gehhilfe braucht, macht sich Lüssi gleich persönlich auf die Suche. Dem laufenden Interview zum Trotz. Eine Macherin eben.
In der Cafeteria lässt sich Bewohner Viktor Maier zu Kaffee und einem Gespräch überreden. «Es fing schon sehr sympathisch an mit Frau Lüssi. Bei der zweiten Hausbesichtigung 2007 erzählte ich ihr, dass ich schon jahrelang in einem Hobbykochklub bin, und sie meinte direkt: Dich können wir brauchen! Und das, obwohl ich noch gar nicht im Klus Park lebte», meint Maier schmunzelnd. «Ich will nicht übertreiben, aber so jemanden gibt es kein zweites Mal. Sie liess uns viele Freiheiten und hatte gute Ideen. Bei allem hat sie mitgemacht. Am Morgen kam sie nach unten und sagte den Leuten guten Tag.» Den Bewohnern und Bewohnerinnen falle es nicht leicht, sich mit einer so grossen Veränderung, wie dem Wechsel der Leitung, anzufreunden, meint Lüssi. Das sei bei ihrem Antritt damals nicht anders gewesen.
Auch Susi Lüssi fällt der Abschied schwer. Doch als Leiterin eines Alterszentrums gehört leider auch das Abschiednehmen dazu. Auf die Frage, wie sie über die Jahre mit dem Verlust von Bewohnern umgegangen sei, steht Lüssi auf und geht zu einem Schrank. Mit einem Stapel Alben kommt sie an den Tisch zurück. «Sehen sie, in diesen Alben bewahre ich die Erinnerung an die Verstorbenen.» Gedankenverloren blättert die Zentrumsleiterin durch die Seiten. Links sind die Todesmeldungen des Klus Parks zu sehen, rechts, sofern denn vorhanden, Beiträge der Familie. Abschiednehmen sei nie leicht, doch nun sei es an der Zeit für sie, die Stelle abzutreten. «Eigentlich verlasse ich ein wunderschönes, historisches Haus mit lieben Menschen darin, Personal wie Bewohnern. Aber jetzt ist es an der Zeit. In jedem Abschied wohnt ein Zauber inne. Und diesen Zauber versuche ich jetzt in Erinnerung zu behalten.» Susi Lüssi verabschiedet sich und entschwindet in den Gängen des Klus Parks, es gibt noch viel zu tun, für die Macherin.



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