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12.04.2018 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Jassen neu interpretiert: Der König wird zum Bundesrat


Johannes Weisstanner vor der Präsentationstafel seines Maturaprojekts. Foto: Annina Just

Der Küsnachter Maturand Johannes Weisstanner hat die Schweizer Jasskarten neu gezeichnet – in über 300 Stunden Handarbeit. In der Neuinterpretation wird der König mal zum Bundesrat, mal zur Sängerin.

Schilten, Schellen, Rosen und Eicheln: Die gewohnten Jassfarben sind alle vorhanden – und trotzdem erscheint das Kartenset von Johannes Weisstanner auf den ersten Blick ziemlich ungewohnt. Der 19-Jährige hat alle 36 Karten des traditionellen Deutschschweizer Jasssets neu interpretiert: Während Rose und Eichel sehr realistisch gezeichnet sind, kommen besonders die Karten der Farbe Schilte eher abstrakt daher. Auch aus den Figuren wurden anstatt der traditionellen Under, Ober und Könige moderne Vertreter aus den Branchen Unterhaltung, Politik, Religion und Wirtschaft. Dabei vertritt jede Farbe eine Branche und Männer und Frauen sind sowohl als Under(innen), aber auch als Königin vertreten. Weil die Karten aber für jeden sofort spielbar sein sollen, hat Johannes die Figuren mit den traditionellen Bezeichnungen angeschrieben.

Auf dem iPad von Hand gezeichnet
Entstanden ist das Projekt im Rahmen von Johannes Weisstanners Maturaarbeit an der Kantonsschule Küsnacht. Er habe nach einer künstlerischen Arbeit gesucht, bei der er danach ein Produkt in der Hand halte, erzählt der Schüler. Eine Inspiration dazu waren selbstgemalte Tarotkarten, die er auf Instagram entdeckt hat. «Die Schweizer Jasskarten waren dann irgendwie naheliegend», sagt der junge Küsnachter. Schliesslich habe er die Bilder schon immer sehr gerne angeschaut und besonders die Personen interessant gefunden. «Aber sie sind einfach nicht mehr zeitgemäss», so Johannes. Gezeichnet hat er die Karten auf dem Tablet, mit dem Programm «Procreate » – mit einem speziellen Stift zeichnet man auf den Bildschirm. Dies sei etwas ungewohnt, weil der Widerstand anders als auf dem Papier sei, meint Johannes, aber: «Ganz zentral war, dass ich so bestimmte Elemente duplizieren konnte, anders wäre das Ganze vom Aufwand her nicht machbar gewesen», führt er aus. Trotzdem habe er schätzungsweise gut 300 Stunden investiert. «Ich habe mich etwas übernommen, bei der letzten Farbe, der Schilte, musste ich ein einfacheres Konzept finden, sonst hätte es nicht mehr gereicht bis zum Abgabetermin », erzählt er lachend.

Sponsor gefunden
Apropos Konzept; dieses sei laufend entstanden und nicht im Voraus entwickelt worden, so der Maturand, der nach dem Gymiabschluss und der Rekrutenschule gerne an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) studieren möchte. Dennoch steckt einiges dahinter: So gibt es Elemente, die sich über alle Farben hinweg durchziehen: Zum Beispiel entwickeln sich Karten innerhalb der einzelnen Farben mit aufsteigendem Wert. Die Rosen werden beispielsweise von geschlossenen Knospen bei der 6er-Karte zu komplett geöffneten Blüten bei der Ass, während die Schellen mit aufsteigendem Wert prunkvoller ausschauen.
Trotz Bundesrat, Exponenten aus Wirtschaft und Religion sowie einem (fast) ausgewogenen Geschlechterverhältnis will sich Johannes Weisstanner mit der Gestaltung nicht auf politische Korrektheit behaften lassen. So hat er zum Beispiel bei den Schellen einen katholischen Priester zum König gemacht und den reformierten Pfarrer lediglich als Ober ins Spiel gebracht. Sorgen, dass dies seinem Vater, einem reformierten Küsnachter Pfarrer, nicht passt, hat er aber nicht. «Man kann es ja eh nicht allen recht machen», meint er pragmatisch.
An den neuen Jasskarten Gefallen gefunden haben die Madrisa Bergbahnen AG aus Klosters. Sie sponserten den Druck von 1000 Sets. Davon will das Bündner Skigebiet 900 als Werbegeschenke verwenden. 100 Sets hat das Unternehmen Johannes zur Verfügung gestellt – und er verkauft sie für 20 Franken pro Set.
Neben Taschengeld wird das Projekt aber wohl auch eine gute Note abwerfen. «Für einen Sechser reichts wohl nicht ganz, weil ich denn Prozess nicht ganz gemäss Vorgaben dokumentiert habe. Ansonsten wärs wohl schon die Maximalnote», meint der junge Künstler. Aber unabhängig von der Note ist Jassen mit seinen Karten doppelt spannend, denn die Ablenkung ist um einiges grösser – so gibts auf den hangezeichneten Karten ganz viele wunderbare Details zu entdecken.



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