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18.04.2018 Von: Pascal Wiederkehr

Zürich 2

Durch diesen Turm ging es damals aus der Stadt nach Wollishofen


Der Wollishoferturm mit dem später als Katzentor bekannten Durchgang in die Stadt Zürich. Stich von Franz Hegi. Bild: Baugeschichtliches Archiv Zürich

Der Wollishoferturm stand beim Paradeplatz und sein Tor soll nur für Fussgänger passierbar gewesen sein. Doch irgendwann ging sein Name einfach vergessen.

Es war eine Zeit, in der Zürich am Paradeplatz aufhörte und in der Limmat mit dem Wellenbergturm ein Gefängnis stand. Von Zürichs spätmittelalterlicher Stadtbefestigung, die mehrheitlich im 13. Jahrhundert erbaut wurde, ist nur wenig erhalten geblieben. Kein Wunder, denn im 19. Jahrhundert trug man Mauern und Türme ab. 2400 Meter lang, gegen 11 Meter hoch soll die Befestigung gewesen sein. 16 Türme gehörten gemäss der Schrift «Stadtmauern: Ein neues Bild der Stadtbefestigung Zürichs» des Amts für Städtebau dazu. Drei Türme haben alle übrigen überragt: Der Kratzturm mit 35 Metern, der an der heutigen Kreuzung Börsen- und der Bahnhofstrasse gestanden hat, der Geissturm (34,5 Meter), in der Nähe der Winkelwiese sowie der Ketzerturm mit 39 Metern. Letzterer befand sich unterhalb der ETH.

Nur für Fussgänger passierbar
Weit weniger bekannt ist heute ein anderer Teil der Stadtmauern: der Wollishoferturm. «Ein Tor an dieser Stelle wird 1270 erstmals erwähnt und 1293 tritt sein Name Wollishofer Türli erstmals auf», heisst es im Werk «Zürcher Stadttore und Pforten» mit Abbildungen von Kupferstecher Franz Hegi. Doch wer heute im Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich danach sucht, muss tief graben. Um 1600 ist der Name durch die Bezeichnung «Katzentor» verdrängt worden. Es werde angenommen, dass dieser Name eine Abwandlung von Kätzitor war, der ursprünglich schon ausser Gebrauch gekommenen Bezeichnung des Augustinertors. «Das damalige Törchen erlaubte nur einen schmalen Durchschlupf durch die Stadtmauer.»

Gestanden haben soll der Turm gemäss dem Buch «Stadt und Landmauern» auf dem Zeughausplatz – beim heutigen Paradeplatz – also ungefähr dort, wo sich heute das Restaurant Zeughauskeller befindet. Unmittelbar neben dem Turm gab es gemäss Abbildung auf dem Murerplan eine Holzbrücke über den Fröschengraben zu einer Pforte in der Mauer. In späteren Darstellungen war das Tor in den Turm selber verlegt. Der Wollishoferturm dürfte ungefähr 17,5 Meter hoch gewesen sein. Im Vergleich dazu misst der Turm der Wollishofer Kirche St. Franziskus 30 Meter. Wie bei vielen anderen Türmen wies das oberste Stockwerk unter dem Dach eine Wehrplattform auf.

Übrigens: Der Fröschengraben war ein Wassergraben, der zur Verstärkung der westlichen Stadtmauern angelegt wurde. 1864 liess ihn die Stadt zuschütten, nun verläuft dort die Bahnhofstrasse.

Städter hatten Angst vor dem Land
Das Ende des Wollishoferturms kam 1815. Schon zuvor hatte die mittelalterliche Stadtbefestigung mit dem Bau der Schanzenanlagen ab 1642 – der dritten Stadtbefestigung – ihren eigentlichen Zweck zur Verteidigung verloren.
Die Schleifung der Schanzenanlagen begann 1833. Der Landbevölkerung waren die Mauern ein Dorn im Auge – sie symbolisierten die Vormachtstellung der Stadt. Gleichzeitig weckte die Entfestigung bei vielen Städtern Ängste vor der «rachsüchtigen Landschaft». Im Nachhinein hätte es umgekehrt sein müssen, wenn man an die Eingemeindungen von 1893 und 1934 denkt. Als die Mauern fielen, konnte sich die Stadt erst ausbreiten.



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