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18.04.2018 Von: Lisa Maire

Zürich West

Eine Schule im Ausnahmezustand


Gemeinsamer Abschluss der Projektwoche an der Schule Küngenmatt mit einem Lied auf dem Pausenhof. (Foto: zvg.)

In der Wiediker Schule Küngenmatt hatten eine Woche lang 46 angehende Lehrerinnen und Lehrer das Sagen. Die Kinder genossen es.

«Ja, wir waren alle gut auf Trab», sagt Andrea Senn und lacht. Es ist Freitagnachmittag, und die 27-Jährige hat gerade ihre erste Erfahrung als Schulleiterin hinter sich. Sie und 45 weitere Studierende des Instituts Unterstrass (an der Pädagogischen Hochschule Zürich) haben nämlich letzte Woche die ganze Schule Küngenmatt autonom geführt. An die 500 Kinder hatten nach der Pfeife der angehenden Lehrerinnen und Lehrer zu tanzen. Das angestammte Lehrpersonal drückte währenddessen am Institut Unterstrass die Schulbank: Weiterbildung war angesagt.

Anspruchsvolle Vorbereitung

In der Aula, wo bereits die Tische für den Abschlussapéro der studentischen Lehrerinnen und Lehrer gedeckt sind, findet sich ein ruhiges Örtchen für ein Gespräch. An der Wand hängt eine riesige, bunte Collage. Ein Gemeinschaftswerk aller Küngenmatt-Kinder, das vergangene Woche zum Thema Einfühlungsvermögen entstand, erklärt Senn. Relaxt sitzt sie da und berichtet über ihre Arbeit in der Schulleitung, die sie sich mit ihrem Studienkollegen Felix Steger teilte. Alles habe sehr gut funktioniert, ohne grosse Überraschungen. «Wir waren ja auch sehr gut vorbereitet.» Wobei das Anspruchsvollste offenbar die Verteilung der Studierenden auf die verschiedenen Klassen war – mitsamt dem Bekanntmachen der Lehrpersonen und der Studierenden für die Absprachen. «Wir sind ein lässiges Team», so Senn. «Felix und ich wussten, dass wir uns auf alle verlassen können.» Kleine Pannen gab es natürlich trotzdem. «Am ersten Tag merkten wir, dass wir die Pausenaufsicht vergessen hatten zu organisieren», gesteht Steger. Und fügt lachend an: «Auch wie die Kaffeemaschine funktioniert, wussten wir nicht.»

Zuerst die Pflicht, jetzt die Kür

Die Studierenden, die zurzeit das Abschlussjahr am Institut Unterstrass absolvieren und in zwei Monaten fertig ausgebildete Lehrer sind, haben alle bereits diverse Schulpraktika hinter sich. Es sei aber etwas ganz anderes, ob man allein an eine Schule komme oder als Team, das sich schon kenne und sich auch als Team organisieren müsse, sagt Senn. Ihre Bilanz heisst denn auch: «Die Praktika zuvor waren Pflicht, die Woche an der Küngenmatt war die Kür.» Wichtig dabei: Die Rahmenstrukturen, die Lehrpläne mussten genau eingehalten werden, aber die Unterrichtsgestaltung in den jeweiligen Klassen blieb frei. «Wir mussten aufpassen, dass sich für die Kinder nicht allzu viel ändert», betont Steger. «Die Lektionen mussten sehr gut organisiert sein.»

«Gar nicht so richtig Schule»

Das ist den jungen Lehrerinnen und Lehrern offenbar gelungen. Die Fünftklässler, die Studentin Rahel Füllemann zusammen mit einem Kollegen übernahm, schwärmen jedenfalls unisono von der Gruppenarbeit. «Es war eigentlich gar nicht richtig Schule, sondern einfach so in Gruppen», erzählt Rosanna. Da es die ganze Woche schönes Wetter war, fand diese Teamarbeit auch öfters draussen statt. «Wir haben Türme aus Holz gebaut», das hat mega Spass gemacht», berichtet Diren. Und Marlon vergibt noch einen Zusatzbonus: Die Lehrer seien «sehr lieb» gewesen, es habe keine Strafarbeiten oder so gegeben.

Alle Kinder, die der «Frau von der Zeitung» unbedingt ein Feedback geben wollten, sind des Lobes voll über die erlebte Woche. «Die neuen Lehrer machen die Dinge anders», fasst der 11-jährige Leo zusammen. Wir haben viel mehr mit Spielen gelernt. Ich hatte plötzlich richtig Lust, in die Schule zu gehen.» Auch Kasvima ist begeistert über all die «coolen jungen Lehrer». Und Ava meint, es sei doch viel schöner, etwas in der Gruppe zu machen, statt nur «drei Stunden ins Mathebuch zu schauen oder etwas abzuschreiben».

Die Vermittlung des Unterrichtsstoffs auf spielerische Weise, das gehöre zum Ausbildungskonzept am Institut Unterstrass, erklärt Andrea Senn. Aber nicht nur die Gruppenarbeit, auch das zum Teil spezielle Programm – wie Informatiklektionen oder kleine wissenschaftliche Experimente – sei bei den Kindern gut angekommen, weiss Interims-Sechstklasslehrer Félicien Mérillat. «Wenn wir etwas ausprobierten, das die Kinder noch nicht kannten, brauchte es allerdings aufwendige Vorbereitungen. Da haben einige denn auch etwas gemotzt», berichtet er. Doch sogar dies war für den angehenden Lehrer eine wertvolle Erfahrung: «Ich habe gelernt, dass man als Lehrer nicht so schnell einknicken darf, dass man auch chaotische Phasen aushalten können muss.»



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