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18.04.2018 Von: Béatrice Christen

Zürich Nord

Ist die Zürcher Alterspolitik noch zeitgemäss?


Von links Susanne Tschopp, Marcel Savarioud, Markus Hungerbühler, Matthias Wipf, Elisabeth Schoch und Martin Lang. Foto: ch.

Am politischen Podiumsgespräch der 4. Trägerschaftskonferenz der Iga stand die Altersstrategie der Stadt Zürich im Kreuzfeuer der Kritik. Die Teilnehmenden fragten sich, wie es weitergeht und wer künftig im Gesundheits- und Umweltdepartement verantwortlich ist.

Die Interessengemeinschaft gemeinnütziger Altersinstitutionen – kurz Iga genannt – hatte zur 4. Trägerschaftskonferenz zu «Riedhof – Leben und Wohnen im Alter» nach Höngg eingeladen. Im Zentrum stand das Podiumsgespräch zum Thema «Gemeinnützige Wohnangebote für Betagte in der Stadt Zürich: Pfeiler der zukünftigen Versorgung oder Auslaufmodell? Die Altersstrategie der Stadt Zürich im Kreuzfeuer der Kritik».

Das brisante Thema diskutierten die FDP-Gemeinderätin Elisabeth Schoch, die als Vizepräsidentin der Spezialkommission für das Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich im Einsatz ist, der CVP-Gemeinderat Markus Hungerbühler, Präsident der Krankenstation Friesenberg und Marcel Savarioud von der SP. Er arbeitet als Pflegefachmann und ist Mitglied der Spezialkommission des Gesundheits- und Umweltdepartements der Stadt Zürich. Martin Lang, Präsident des Vereins für Alters- und Pflegeheime Grünhalde in Seebach, nahm ebenfalls am Podiumsgespräch teil. Susanne Tschopp vertrat als Präsidentin die Iga, sie ist auch Geschäftsleiterin des Vereins Wohn- und Pflegeheime Schwamendingen. Moderiert wurde das Gespräch vom Publizisten Matthias Wipf.

Drohende Gefahr von Leerbetten
Im Rahmen des Podiumsgesprächs zeichnete sich mehrheitlich ab, dass die Alterspolitik der Stadt Zürich langfristig überholt ist. Betagte Menschen haben heute die Möglichkeit, dank Unterstützung von Spitex und anderen Pflegediensten bis ins hohe Alter in ihren eigenen Wänden zu leben. Die Stadt Zürich plant zusätzliche Altersheime, obwohl aus erwähntem Grund mit Leerbetten gerechnet werden muss. Nicht berücksichtigt wird bei der städtischen Planung das Angebot von rund 30 privaten Institutionen. Diese sind als Vereine oder Stiftungen organisiert, gehören zur Iga und bieten rund 1600 Betten an. Die Infrastrukturen der Iga sind vielfältig, Pflege und Betreuung werden individuell gewährleistet. Da die Heime gemeinnützig sind, müssen sie keine Gewinne abliefern. Deshalb können auch Personen mit bescheidenem Einkommen und Ergänzungsleistungen in einer solchen Institution den Lebensabend verbringen.

Partnerschaft mit Stadt unklar
Die Iga betrachtet sich in Bezug auf die Alterspolitik mit ihren Angeboten als vollwertige Partnerin der Stadt Zürich und wünscht sich eine konstruktive Zusammenarbeit. Am Podiumsgespräch zeichnete sich ab, dass die Stadt eine Zusammenarbeit bisher offenbar verweigert hat. Auch ein persönliches Gespräch der Iga-Präsidentin mit der verantwortlichen Stadträtin hatte keine Annäherung gebracht.

Als Beispiel für die ablehnende Haltung der Stadt Zürich wurde das Alterszentrum Grünhalde in Seebach erwähnt. Der Präsident dieser Iga-Institution wandte sich an die Stadt, um abzuklären, ob in Seebach in nächster Zeit ein städtisches Heim geplant sei. Aufgrund der abschlägigen Antwort seitens der Stadt wurde eine Sanierung der Grünhalde ins Auge gefasst.

Doch kurze Zeit später mussten die Verantwortlichen in der Grünhalde erfahren, dass die Stadt das Alterszentrum Seebach realisieren wollte. Fazit: Die Stadt beharrt – trotz vorliegender Ergebnisse einer Obsan-Studie, nach der es langfristig zu Leerbetten kommen wird – auf ihrer Alterspolitik. Sie will die eigenen Heime sanieren und neue bauen. Und das, wie es aussieht, ohne die Institutionen der Iga mit einzubeziehen. Diese fühlt sich übergangen und wird erneut das Gespräch mit dem Gesundheits- und Umweltdepartement suchen, sobald bekannt ist, wer künftig die Verantwortung für die Alterspolitik trägt.

Die Iga wird alles daransetzen, von den städtischen Behörden als gleichwertige Partnerin anerkannt zu werden. Ihr Ziel ist es, gemeinsam mit der Stadt Zürich, eine zeitgemässe und sinnvolle Alterspolitik für die betagten Zürcherinnen und Zürcher zu realisieren.



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