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25.04.2018 Von: Christina Brändli

Züriberg

Das Wolkenvolk ist ins Nonam eingezogen


Die Schenkung von Christin und Antonio Ferretti würde 195 Katsina-Figuren umfasen. Bereits sind sie im Nonam ausgestellt. Foto: Christina Brändli

Sie strahlen etwas Mystisches aus, die Katsina-Figuren, die ab sofort im Nordamerika Native Museum zum Staunen einladen.

Die farbenfrohen Katsina-Figuren aus Holz verkörpern das Wolkenvolk und die Ahnengeister der Pueblo-Indianer und sind fester Bestandteil ihrer Kultur. Beheimatet sind die Pueblo- Indianer im Südwesten der USA. Mehr als 250 dieser Figuren wurden dem Nordamerika Native Museum aus zwei Privatsammlungen zur Verfügung gestellt. Heidrun Löb, Direktorin des Nordamerika Native Museum, kurz Nonam genannt, kann sich, trotz starker Konkurrenz durch den Zürich Marathon, über zahlreiche Besucher an der Eröffnung freuen.
Das Wolkenvolk, wie die Katsinam auch genannt werden, waren Geistwesen, denen in der Kultur der Pueblo-Indianer der Erfolg der Ernte zu verdanken war. «Mythen erzählen, dass die Katsinam einst friedlich mit den Menschen lebten. Eine Geschichte erzählt, dass sie bei einem feindlichen Angriff starben und ihre Seelen in die Unterwelt zurückkehrten. Eine andere sagt, dass die Menschen den Respekt vor den Wesen verloren und diese daraufhin wieder in ihre Welt heimkehrten. Die Katsinam werden für den Menschen nur durch die Katsina- Figuren sichtbar. Sie werden von Pueblo-Indianern aus Wurzelholz der Amerikanischen Schwarz-Pappel geschnitzt und bemalt», erzählt Löb ihren Zuhörern.

Stücke aus Privatsammlungen
Marc Bigler und Christin und Antonio Ferretti stellen über 250 Katsina-Figuren aus ihren Privatsammlungen dem Nonam für diese Ausstellung zur Verfügung. So ähnlich die zwei Sammlungen scheinen, so unterschiedlich sind sie.
Bigler hat den Fokus auf die Pueblo- Kulturen des Rio Grande gelegt. Die Figuren sind trotz ihrer Reduzierung sehr ausdrucksstark. Die erste Katsina-Figur erwarb er auf einem Flohmarkt. Seine Leidenschaft wurde aber erst später durch ein Buch von Horst Antes entfesselt. «Mein Beweggrund ist weniger die Mythologie oder die Geschichte, mir gefällt die Einfachheit. Wie es machbar ist, ein Wesen aus einem runden Stück Holz in zwei Farben zu kreieren. Das ist Kunst», erzählt der Berner Marc Bigler. Seit 39 Jahren sammelt er mit Augenmerk auf die Figuren der Rio Grande Katsina.

Nicht nur eine Leihgabe
Die Sammlung von Christin und Antonio Ferretti hingegen konzentriert sich ausschliesslich auf Figuren der Hopi-Kultur. Das Ehepaar hat über 30 Jahre hinweg insgesamt 250 Figuren und ergänzende Objekte gesammelt. Einige ihrer Stücke sind über hundert Jahre alt. Mit der Sammlung begonnen haben sie durch einen befreundeten Hopi. Die beiden haben auf ihren Reisen durch die USA beinahe alle lebenden Hopi kennen gelernt. Bis heute pflegen Christin und Antonio Ferretti, die viele Jahre in den USA gelebt haben, freundschaftliche Bande zu Hopi-Familien und Künstlern. Ihre Sammlung haben sie mit viel Herzblut zusammengetragen. Umso geehrter fühlt sich das Nonam, dass sie nicht nur den grössten Teil dieser Sammlung ausstellen dürfen, sondern dass Christin und Antonio Ferretti dem Nonam 195 ihrer Katsina- Figuren als Geschenk überlassen wollen. «Dies wäre die grösste Schenkung, die das Nonam jemals erhielt», sagt Heidrun Löb.
Die auf Italienisch verfasste 250- seitige Sammlungsdokumentation, die Antonio Ferretti Löb überlassen hat, half beim Zusammentragen von Informationen erst, als Löb dieser mithilfe eines Übersetzungsprogramms zu Leibe rückte. «Obwohl das Programm eine kleine Sensation ist, wusste es doch nicht alles. Zum Beispiel tragen Katsinas keine Adlerkugelschreiber, sondern Adlerfedern auf dem Kopf und Katsinamas keine Mantarochen um die Schultern, sondern Umhänge» schmunzelt Löb. «Die Sammlung ist eine grosse Bereicherung für das Nonam und es ist uns eine Ehre, dass eure Figuren bei uns ein neues Zuhause finden dürfen. Sie sind eine wahre Freude», bedankt sich Heidrun Löb bei Christin und Antonio Ferretti.
Beim Rundgang durch die Ausstellung hat man beim Betrachten der Figuren plötzlich das Gefühl, selbst einer Musterung unterzogen zu werden. Dabei wird einem klar, wie viel Geschichte sich in den Ausstellungstücken verbirgt. Neben den Figuren sind auch Video-Sequenzen, Tonaufnahmen und Bilder der Pueblo- Indianern Teil der Ausstellung. Die viele Arbeit und Leidenschaft aller Beteiligten spiegelt sich in den Ausstellungsräumen wider und zieht den Besucher in die Welt der Pueblo-Indianer.



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