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26.04.2018 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Grünliberale überraschen in Zollikon


Strahlender Sieger: Sascha Ullmann (GLP) wird Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz (FDP) beerben. Foto: Fabio Lüdi

GLP-Mann Sascha Ullmann wurde am Wahlsonntag mit klarem Vorsprung zum Gemeindepräsidenten gewählt. Die FDP hatte diesen Sitz seit mindestens 60 Jahre inne. Auch in anderen Gremien überraschten die Grünliberalen.

Einen fast schon historischen Wechsel brachte der Wahlsonntag in Zollikon: Das erste Mal seit 60 Jahren verliert die FDP das Gemeindepräsidium, sie hatte dieses seit mindestens 1958 inne, wie die Gemeinde auf Anfrage mitteilt. Mit 1590 Stimmen neu gewählt ist der Grünliberale Sascha Ullmann. Sein freisinniger Gegenkandidat Urs Fellmann kam auf 980 Stimmen. Damit fiel das Ergebnis unerwartet deutlich aus, auch weil die Auszählung der Stimmen auf sich warten liess, was einen knappen Ausgang oder eine ungewohnt hohe Stimmbeteiligung vermuten liess. Von Gemeindeseite wurde allerdings betont, dass man lediglich den Fokus auf sorgfältige Arbeit lege, nicht auf schnelle Ergebnisse. Die Stimmbeteiligung bei der Gemeindepräsidiumswahl lag bei knapp 36 Prozent.
Sascha Ullmann tritt nun in seiner erst zweiten Legislaturperiode das Gemeindepräsidium an. Der 46-Jährige wurde erstmals 2014 in den Gemeinderat gewählt und galt als GLP-Vertreter bereits damals als grosse Überraschung. Über das Votum der Stimmbeteiligten freut er sich natürlich, als Erstes werde er sich nun mit der scheidenden Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz (FDP) und Gemeindeschreiberin Regula Bach kurzschliessen, wie er sagt. Als Gemeindepräsident werde ihm die Kommunikation mit der Öffentlichkeit ein Kernanliegen sein, er sei aber keiner, der einfach blind schalten und walten werde. «Ich verschaffe mir erst mal einen Überblick und rede mit den Menschen », so Ullmann. Amtsübergabe ist erst im Juli, und der designierte Gemeindepräsident gönnt sich vorerst eine viertägige Auszeit, in der er mit seinem Hund von Norden nach Süden durch die Schweiz wandert.

Kräfteverhältnis bleibt
Der unterlegene Gegenkandidat Urs Fellmann stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Der 68-Jährige sitzt seit 2008 in der Gemeindeexekutive und wurde, zusammen mit dem übrigen Gemeinderat, im Februar in stiller Wahl wiedergewählt. Im Gemeinderat hat sich am Kräfteverhältnis daher nichts geändert.
Die Sitze der beiden abtretenden Vertreter der FDP wurden durch Nachfolger aus der gleichen Partei besetzt. Zudem wurde die Schulpflegepräsidentin Corinne Hoss-Blatter (FDP), die von Amts wegen Einsitz im Gemeinderat nimmt, im Amt bestätigt. Damit setzt sich der Gemeinderat weiterhin aus viermal FDP, zweimal SVP und einmal GLP zusammen.
In der Schulpflege wurden neben Schulpflegepräsidentin Hoss-Blatter Brigit Belser (FDP), Sandra Fischer (Forum 5W), Edwin Fuchs (Forum 5W) und Claudia Irniger (FDP) im Amt bestätigt. Neu gewählt wurden Jasmina Felicijan (FDP) und Thomas Gugler (SVP). Das absolute Mehr erreicht, aber als überzählig ausgeschieden, ist hingegen Christa Amaefula- Germann (EVP).
Der Wahlsonntag war der Abschluss eines bisweilen emotional geführten Wahlkampfs, vor allem um das Gemeindepräsidium. Zusammen mit der langen Zeit, die die Auszählung der Stimmen in Anspruch nahm, wollte am Wahlapéro zwischen Gemeindehaus und Schule darum trotz schönem Wetter keine richtige Feierlaune aufkommen. Viele verliessen den Anlass noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Resultate.
Einer, der bis zum Schluss blieb, ist der wiedergewählte RPK-Präsident Viktor Sauter (FDP), der sich zur Feier des Tages eine Zigarre anzündete. Das Verdikt der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger freue ihn, so Sauter, vor allem, da die Rechnungsprüfungskommission auf ein ausgeglichenes Gemeindebudget zu achten hätte und darum zuweilen auch potenziell unpopuläre Empfehlungen abgeben müsse.

GLP legt zu
Ansonsten war die RPK ebenfalls für eine grünliberale Überraschung gut: So wurde der bisherige Daniel Schwab (SVP) durch GLP-Mann Daniel Shindleman ersetzt. Und in der Sozialbehörde schaffte es GLP-Frau Christine Hoff gar, den Platz der bisherigen Virginie Tschannen Trüb (SP) zu ergattern. Mit der gescheiterten Kandidatur von Emma Radaelli (SP) für die Baubehörde haben die Sozialdemokraten nun keine Vertretung mehr in den Gemeindebehörden.
SP-Zollikon-Präsidentin Esther Meier führt den Misserfolg ihrer Partei auf die Gegebenheiten des Wahlkampfs zurück: «Der Zweikampf um das Gemeindepräsidium hat sowohl in den Medien als auch in der Bevölkerung alles dominiert.» Da sei es der SP nicht gelungen, ihre Wähler zu mobilisieren, weshalb «Virginie Tschannen Trüb trotz sehr gutem Wahlkampf und mit ihrem beruflichen Hintergrund als Sozialarbeiterin nach acht Jahren von einer GLP-Kandidatin aus dem Amt gedrängt werden konnte», schreibt Meier auf Anfrage. Rückblickend müsse auch als Nachteil angesehen werden, dass sowohl die SP als auch die EVP je für einen Sitz in der Baubehörde kandidierten und sich so konkurrenzierten. «So konnten sie dem Gewicht der wählerstarken FDP-Kandidaten nicht standhalten», so Meier.
Ebenfalls misslungen ist der Angriff der EVP, die neben der Baubehörde auch Sitze in der Schulpflege und der RPK ins Visier nahm. Die Partei bleibt damit weiterhin ohne Behördensitze.



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