Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
02.05.2018 Von: Lorenz Steinmann

Zürich Nord, Zürich 2, Zürich West, Züriberg

Harsche Kritik an städtischer Schulraumplanung


Zu langsame Planung? Auf dem Greencity-Areal wird das Schulhaus Allmend frühestens 2023 fertig sein. Unser Archivbild zeigt die Stadträte André Odermatt (l.) und Gerold Lauber vor dem Modell. Foto: ls.

Die Schulraumplanung in Zürich steht schon seit Längerem in der öffentlichen Kritik. FDP und CVP fordern «flexible Einheitsschulhäuser», die schneller fertig und günstiger sind. Fachleute sehen die kommenden Probleme vor allem bei den Anforderungen für Tagesschulen.

Sichtlich stolz verkündete Schulvorsteher Gerold Lauber kürzlich, in seinen Amtsjahren zwischen 2006 und 2018 habe sich die Warteliste für Tageschulplätze auf null reduziert. Zudem habe er in den zwölf Jahren für gut eine halbe Milliarde Franken Aufträge für Schulhausbauten erteilt. Dabei sind ausgerechnet die so auf Ästhetik und Langlebigkeit bedachten Zürich Schulcontainer, offiziell «Züri Modular Pavillons», kurz ZM-Pavillons, hoch im Kurs. Stattliche 59 solche Übergangsbauten stehen derzeit im Einsatz – dieses Jahr kommen laut Stadt 6 weitere hinzu.
Für den regulären Schulbetrieb taugen die Modularbauten ohne Zweifel. Eklatante Mängel sind laut den Nutzern jedoch erkennbar, wenn es um die Nutzung als ergänzender Unterricht geht: Turnen, Psychomotorik – also Bewegungstherapie –, Angebote der Tageschule. Zudem stehen die Modularbauten allermeistens auf den bisherigen Pausenplätzen. Sprich: Nach Bezug der neuen Schulräume haben mehr Schüler weniger Platz zum Spielen und Austoben. Trotz dieser Schwemme an Schulpavillons hinkt die Stadt mit ihrer Planung hintennach. Klassische Beispiele sind die neuen Siedlungen Greencity und Zollfreilager. Dort stehen neue Schulhäuser erst Jahre, nachdem die Wohnbauten für Tausende neuer Familien gebaut sind, zur Verfügung.

Stadt wehrt sich
Marcel Handler, Leiter der Fachstelle für Schulraumplanung innerhalb des Schul- und Sportdepartements, sieht das freilich nicht so: «Bei Greencity war bei der Planung zuerst von fast einem reinen Büro-Areal die Rede, erst später kam der hohe Anteil an Wohnbauten hinzu.» Beim Zollfreilager mit doch gegen 1000 Wohnungen und entsprechend vielen Kindern erklärt er, hier habe es in der Umgebung durchaus bestehende Schulhäuser und damit die Möglichkeit, das Wachstum vorerst mittels ZM-Pavillons aufzunehmen.

Angesprochen darauf, dass die Stadt oft spät plane und baue, findet Handler, dies sei letztmals beim Schulhaus Blumenfeld in Affoltern vorgekommen. Dafür gab es allerdings gute Gründe. «Das Schul- und Sportdepartement hatte das Blumenfeld schon 2001 bestellt. Aufgrund der Entwicklung der Bautätigkeit und aus finanzpolitischen Überlegungen wurde die Planung 2004 vom Stadtrat sistiert.» Das Schul- und Sportdepartement beantragte in der Folge 2007, den Schulhausneubau in die Finanzplanung aufzunehmen, was 2009 geschehen ist. Und das Platzproblem wegen der Schulpavillons? «Bei der Realisierung von ZM-Pavillons wird jeweils auch der Aussenraum beurteilt», wehrt er sich. Zudem seien die Lösungen beliebt bei Schülerinnen und Schülern und Lehrpersonen. Auch bei den erforderlichen Betreuungsnutzungen sei man auf Kurs. Handler: «Man darf nicht vergessen, dass es uns gelungen ist, in den letzten fünf Jahren über 5000 zusätzliche Schülerinnen und Schüler unterzubringen.»

Für Roberto Rodriguez, Schulkreispräsident Uto, ist die Sache dann doch nicht so einfach. Eines von vielen Beispielen: «Beim Schulhaus Aegerten sind Schüler und das Lehrpersonal sehr flexibel und der Schulraum wird fast zu 100 Prozent genutzt. Trotzdem stossen wir ans Limit.» Das ist nicht einfach heisse Luft, wie ein Beispiel zeigt. Klassenlehrer geben ihre Zimmer über Mittag frei. Dort wird dann gechillt, gelernt, gespielt. Im Schulhaus Aegerten hat man die Abwartswohnung zu Bibliothek und Aufenthaltsraum umgebaut, in Schulräumen wird das Mittagessen aufbereitet, die Turnhalle wird als Aula und Musikraum genutzt. Weil neben dem Spielplatz ein Züri-Modular-Container (siehe Foto) steht, wirkt das Ganze trotzdem etwas handgestrickt und eng. Dabei sind die Zukunftsprognosen extrem.
Bis in sechs Jahren soll es in Zürichs Volksschulen rund ein Viertel mehr Schüler geben. Dabei bedeutet dies nicht einfach 25 Prozent mehr Schulraum – sondern deutlich mehr. Denn kommt erst einmal die flächendeckende Tageschule, muss für viele tausend Kindergärtler und Schüler entsprechende Infrastruktur bereitgestellt werden. Für den Sozialdemokraten Roberto Rodriguez ist dies die grosse Herausforderung. «Nur mit Mehrfachnutzungen und kreativen Raumlösungen wird das nicht gehen. Da werden wir in riesige Engpässe hineinlaufen», ist Rodriguez überzeugt.

Motion zur Verschlankung
Für die Stadtzürcher FDP und CVP liegt der Hund bei der zu teuren und zu langsamen Schulraumplanung begraben. «Weil die städtischen Planungen bis 2024 mit 7000 Schülern zusätzlich rechnen, rennt uns die Zeit davon.» Man fordere deshalb Standardschulhäuser ohne langwierige Architekturwettbewerbe, so FDP-Fraktionschef Michael Schmid. Damit könne man einen Drittel günstiger bauen und erst noch viel schneller (Interview siehe Kasten). Schmid kritisiert zudem, dass «zu viele Stellen mitreden, die Planung jedes Mal bei null beginnt und sich über zu viele Phasen erstreckt».

André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartements, hält wenig vom Ansinnen, normierte Schulhäuser zu bauen. «Dank den ‹Züri Modular Pavillons› haben wir das Normschulhaus ja schon», findet er. Und: Eigentliche Standardschulhäuser seien ungeeignet, weil die Topografie und die Anforderungen in den einzelnen Quartieren komplett unterschiedlich seien. Er räumt aber ein, dass es in Zukunft für die Bereitstellung von Schul- und Betreuungsraum «Entlassungen aus dem Inventar schützenswerter Bauten brauchen wird».

Am 16. Mai werden die Departemente neu verteilt. Gerold Lauber (CVP) tritt zurück. Gemäss unbestätigten Gerüchten könnte Filippo Leutenegger sein Nachfolger werden. Von seiner liberalen Haltung her wären ihm hohe Sympathien für das Anliegen der FDP- und CVP-Fraktion zuzutrauen.

Was plant die Stadt wo an Schulraum? www.stadt-zuerich.ch Stichwort «Raumbedarfsstrategie 2017»

 

«Zu viele Stellen reden mit, die Planung beginnt jedes Mal bei null»

FDP und CVP sind unzufrieden mit der offiziellen Schulraumplanung der Stadt Zürich. Sie haben daher vor wenigen Tagen eine Motion im Gemeinderat eingereicht. Gegenüber der Lokalinfo erklärt FDP-Fraktionspräsident Michael Schmid, wo es seiner Meinung nach harzt und welche Lösungen er und seine Gemeinderatskollegen sehen:

Michael Schmid, FDP und CVP fordern in einer Motion modulare Standardschulhäuser. Was erhoffen Sie sich davon?
Die Stadt Zürich benötigt momentan zehn Jahre vom Beginn der Planung eines neuen Schulhauses bis zu dessen Eröffnung. Das ist viel zu lange. Besonders kritisch wird es, wenn wir sehen, dass die städtischen Planungen bis 2024 mit 7000 Schülerinnen und Schülern mehr rechnen. Uns rennt hier also die Zeit davon.

Somit würden die von der Privatwirtschaft durchaus geschätzten Architekturwettbewerb wegfallen. Ist das kein zu grosser Eingriff?
Es gilt die Prioritäten richtig zu setzen und die Proportionen zu sehen. Im Verhältnis zur gesamten Bautätigkeit in der Stadt machen Schulhäuser nur einen kleinen Anteil aus. Aber wir stehen vor einer riesigen Herausforderung: Eine so starke Zunahme schulpflichtiger Kinder gab es in Zürich seit Jahrzehnten nicht mehr. Wir können diesen Kindern doch nicht sagen, Euer Schulhaus ist noch nicht bereit, wir sind halt noch am Planen.

Warum geht es in Zürich aus Ihrer Sicht so lange, bis ein neues Schulhaus steht?
Weil zu viele Stellen mitreden, die Planung jedes Mal bei null beginnt und sich über zu lange Phasen erstreckt.

Wie schätzen Sie das Sparpotenzial bei den Kosten ein?
Die Ziele, die wir mit unserer Motion gesetzt haben, sind eine Halbierung der Planungs- und Bauzeit auf durchschnittlich fünf Jahre und eine Reduktion der Kosten um rund einen Drittel. In der Praxis gemachte Erfahrungen zeigen, dass dies durchaus realistisch ist.

Die Stadt setzt heute sehr oft und als «Notlösung» auf modulare Schulcontainer. Warum erachten Sie diese Bauten «nicht als ideal», wie Sie im Vorstoss schreiben?
Ursprünglich erhoffte man sich davon flexible, kostengünstige, rasch umsetzbare Übergangslösungen. In der Praxis erweisen sie sich aber oft als äusserst aufwendige «Dauerprovisorien».

Als Negativbeispiele der schlechten Schulraumplanung der Stadt werden oft Greencity und das ehemalige Zollfreilager genannt. Haben Sie noch andere Beispiele?
Der zu lange Planungsprozess ist ein generelles Problem. Ein aktuelles Beispiel ist das Projekt zur Realisierung des Schulhauses Guggach, wo auch das Zusammenspiel mit den bestehenden Schulhäusern Kügeliloo und Allenmoos zu klären ist.
 Das Interview erfolgte schriftlich.



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