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09.05.2018
Zürich West

Der Rollstuhl macht das Rennen


CEO Bernhard Winter führt den Raupen-Rollstuhl vor. Foto: rs.

Der ZKB-Pionierpreis geht an die junge Scewo AG. Sie hat mit ihrem treppensteigenden Rollstuhl die Mitbewerber ausgestochen, die sich mit einer motorisierten Hose und Software, die dereinst Piloten ersetzen soll, beworben hat.

Roger Suter

«Dass es diesmal bei allen drei Finalisten um Mobilität geht, ist Zufall», versicherte Gian Luca Bona, Professor und Doktor der Physik und Vorsitzender der Pionierpreis-Jury, am Medientermin vergangene Woche. Der mit knapp 100 000 Franken «ZKB-Pionierpreis Technopark», den die Zürcher Kantonalbank und die Stiftung Technopark Zürich seit 2001 verleihen, will aber allgemein Start-ups und ihre Innovationen honorieren. «Dabei zählt nicht nur die Innovation an sich, sondern auch der Businessplan – damit das Produkt auf dem Markt auch Bestand hat», so Bona, der auch Stiftungsratspräsident des Technoparks Zürich sowie Direktor der Empa, des interdisziplinären Forschungsinstituts der ETH für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung, ist.

Mobilität ist aber nur ein grober Überbegriff für die drei Projekte, die im Final standen: Das Zürcher Jungunternehmen daddeln (siehe Kasten) entwickelt Software, die dereinst Piloten ersetzen könnte; die Scewo AG hat einen Rollstuhl entwickelt, der Treppensteigen kann; und die Myoswiss AG kombiniert Robotertechnik und Kleidung, um geschwächten Menschen die Bewegung zu erleichtern.

Mit Raupen über Treppen

Ausgezeichnet wurde am Dienstag nun «Scewo», der «Rollstuhl für das 21. Jahrhundert»: Er fährt elektrisch auf zwei töffbereiften, mittelgrossen Rädern und balanciert dabei selbstständig. Treppen oder Stufen in Bus oder Tram überwindet er dank eines ausfahrbaren Raupenantriebs. Mit zwei Hilfsrädern lässt er sich zudem um 25 Zentimeter erhöhen – fast auf die Augenhöhe der Mitmenschen. «Wir wollen so Freiheit, Selbstständigkeit und auch das Lebensgefühl der Benutzer verbessern», so der 24-jährige Bernhard Winter, Gründer und CEO der Winterthurer Firma, beim Vorführen. Die Jury lobte «Innovationskraft, Marktnähe und soziale Relevanz» dieser Erfindung.

«Muskeln» auf dem Rücken

Ein weiterer Finalist des Start-up-Wettbewerbs ist die Myoswiss AG. Sie will der alternden Bevölkerung – das sind wir schliesslich alle – die Möglichkeit geben, auch im hohen Alter, bei schwindender Muskelkraft und ausserhalb von Rehazentrum und Spital aktiv zu bleiben und sich zu bewegen: mit dem «Myosuit», einer motorisierten Hose. Zwei Motoren, die zusammen mit der Batterie auf dem Rücken getragen werden, sind mit je einem Drahtseil in der Hose verbunden, das sich wie eine künstliche Sehne hinten über Gesäss und Oberschenkel und über Schienbeine zieht. Deutet der Träger eine Bewegung an (und beugt sich beispielsweise vor, um aufzustehen), registrieren dies die Sensoren an Knie und Hüfte, aktivieren die Motoren, die dann beim Aufstehen oder Treppensteigen helfen. «Das Prinzip ist wie beim E-Bike», erklärt Gründer Kai Schmidt. «Ich muss treten, werde aber unterstützt.» «Exoskelett» mag er die Funktionshose nicht nennen, denn es seien ja eher externe Muskeln. Ziel sei es, dass sich der «Myosuit» sich so einfach anziehen lässt wie eine Hose mit Hosenträgern. Ingenieur Andri Hartmann pflichtet bei: «Es ist so bequem wie eine Hose, und die Unterstützung ist angenehm.»

Fluggeräte ohne Pilot

Am meisten Zukunftsmusik ertönt bei der Präsentation der Zürcher Daedalean AG (siehe Kasten). Sie entwickelt eine Software, die dereinst Piloten von Kleinflugzeugen ersetzen soll. «Die Batterietechnik wird in wenigen Jahren elektrische Fluggeräte erlauben, die eine Person tragen sowie senkrecht starten und landen können», prophezeit Gründer Luuk van Dijk. Da aber unmöglich so viele Menschen den Pilotenschein lösen können (viele scheinen schon auf der Strasse überfordert), liege es nahe, diesen durch eine Software zu ersetzen – «zumal heute drei von vier Unfällen mit Kleinflugzeugen auf Pilotenfehler zurückzuführen sind».

Dabei sei nicht das Fliegen das Problem (es ist dank weniger Hindernissen einfacher als Fahren), sondern das Landen. Ein visuelles System, das geeignete und sichere Landeplätze finden kann, ist der grösste Brocken, den sich das Daedalean-Team zuerst vorgenommen hat. Wenn dann die Hersteller mit den praxistauglichen Fluggeräten kommen, will van Dijk mit seinem Autopiloten bereitstehen.

«Gute Leute holen, bevor sie Google hat»

Luuk van Dijk ist Gründer und CEO der Daedalean AG, die am Zürcher Hubertus den künstlichen Piloten erschaffen will. Warum gerade hier? «Zürich ist ein guter Standort für Start-ups – und hat eine viel höhere Lebensqualität als vergleichbare Orte», sagt der 48-jährige, gebürtige Niederländer, der mit seiner Familie hier lebt. «Hier besteht die Chance, dass ich gute Software-Ingenieure bekomme, bevor sie zu Google und Apple gehen.» An der Albisriederstrasse arbeitet das sehr internationale Team von bislang 18 Leuten (und einem Hund) am grössten Knackpunkt des Projekts – dem Verwerten der Bildinformationen (siehe Artikel). «Wir haben hier Platz für etwa 30 ‹generally awesome Engineers›», tönt van Dijk seine ungebrochene Expansionslust an.



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