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09.05.2018
Zürich West

Tagesschulen: U18-Abstimmung im Kreis 9


Die Urne steht bereit: Die «Abstimmungsmacherinnen» Shaanuja, Elena und Brikena (v.l.) und OJA-Leiter Lars Koch besprechen, was für die U18-Abstimmung noch alles vorzubereiten ist. Foto: mai.

Die Stadt Zürich will das Tagesschulangebot ausbauen – darüber befindet die Stimmbevölkerung am 10. Juni. Jene, die der geplante Schulumbau am meisten betrifft – die Schüler – haben keine Stimme. Im Kreis 9 ist dies anders.

Lisa Maire

Am 25. Mai ist es so weit: Rund 700 Oberstufenschülerinnen und -schüler im Kreis 9 haben dann die Möglichkeit, sich im Vorfeld der offiziellen Abstimmung ebenfalls zu der Vorlage «Tagesschulen 2025» an der Urne zu äussern. Die Initiative zu dem Projekt kommt von der Offenen Jugendarbeit (OJA) Kreis 9 & Hard. Gestemmt wurde es zusammen mit Schülerinnen der Sekundarschule Kappeli.
Auch junge Stimmen zählen
Die Abstimmung biete Jugendlichen die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit politischer Partizipation zu machen, sagt OJA-Stellenleiter Lars Koch. Auch könnten sie einen Zusammenhang zwischen politischen Entscheidungen und ihrer Lebenswelt Schule herstellen. Kurz und gut: Das Projekt will Jugendlichen aufzeigen, dass ihre Stimme zählt. Und gleichzeitig der Öffentlichkeit beweisen, dass sich auch noch nicht stimmberechtigte junge Menschen für politische Themen interessieren.
Drei der vier Schülerinnen, die sich vertieft mit der Abstimmungsvorlage auseinandergesetzt haben, sitzen mit Lars Koch um einen grossen Tisch in der OJA. Alle gehen sie in die 3. Sek A im Schulhaus Kappeli und besuchen dort das Freifach Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die weitaus meisten in dieser Freifachklasse sind Mädchen. Sind Mädchen etwa politischer? «Klar», meint Brikena, keck über den Tisch grinsend. Um dann nachzuschieben: Sie selbst habe das Freifach jedoch in erster Linie gewählt, weil sie ans KV wolle, da sei diese Vorbildung empfohlen. Für Elena und Shaanuja ist die Motivation eine andere: Sie besuchen den Unterricht, weil sie sich für Politik interessieren. «Ich will wissen, was im Land vorgeht und weshalb – das betrifft mich», erklärt Elena. Politische Bildung gehöre zum Allgemeinwissen, und dieses sei «mega wichtig».

Eine eigene Meinung vertreten

Im Unterricht haben die Mädchen erfahren, wie die Parteien funktionieren und welche Formen von politischer Teilnahme es gibt. Vor allem aber, so Elena, habe sie gelernt, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten. Lehrerin Margrit Stoll lege grossen Wert darauf, diese Meinungsbildung nicht zu beeinflussen, «sie bekommt das mega gut hin», versichert die 15-Jährige. Ihre Klassenkollegin Shaanuja nickt. Auch sie ist überzeugt, vom Wahlfach Politik viel profitiert zu haben. Sie hat vor kurzem sogar entschieden, dem kantonalen Jugendparlament beizutreten, um so auch künftig aktiv am politischen Geschehen teilzunehmen.

Zusammen mit einer weiteren Klassenkollegin haben die Mädchen sich ins Zeug gelegt, um unter der Leitung von Lars Koch und Jugendarbeiterin Maria Murgeri die U18-Abstimmung vorzubereiten. So wurden Fachpersonen an den Schulen Kappeli und am Wasser zum Abstimmungsthema interviewt und die Interviews zusammen mit sachlich gehaltenen Erklärungssequenzen zu einem Film geschnitten. Dieser Film sowie eine kontroverse Podiumsdiskussion mit vier Mitgliedern des Jugendparlaments soll am Abstimmungsanlass den stimmberechtigten Schülerinnen und Schülern ermöglichen, sich eine Meinung zur städtischen Abstimmungsvorlage zu bilden, bevor sie dann ihre Zettel in die Urne legen. Durch den Abend, zu dem auch ein Unterhaltungsprogramm gehört, wird die redegewandte Elena führen.

«Geldverschwendung» oder «sehr gute Investition»?

Abstimmungsberechtigt sind Jugendliche ab der 6. Klasse aus dem Kreis 9, unabhängig von ihrer Nationalität. Ihrer Meinungsbildung soll auch ein Beitrag in der aktuellen Schülerzeitung dienen. Er enthält unter anderem ein Pro und Kontra, in dem sich Elena gegen die Vorlage ausspricht: «Jede Schule besitzt wenigstens einen Hort, der genau die gleichen Angebote hat wie eine Tagesschule. Warum sollte man also etwas abschaffen, das schon da ist, nur um es wieder aufzubauen? Das wäre doch pure Geldverschwendung», schreibt sie. Ihre Schulkollegin Anita hingegen findet Tagesschulen «eine sehr gute Investition der Stadt». Das System ermögliche Kindern, denen daheim kein «Anstand» beigebracht worden sei, «angemessenes Verhalten» zu lernen. Und jenen, die zu Hause keine Unterstützung hätten, werde bei den Hausaufgaben geholfen. Sie bekämen zudem «ein anständiges Mittagessen» und könnten «mit Aussenstehenden über ihre Probleme reden, was manchmal besser tut als mit Verwandten».
Im OJA-Lokal an der Segertenstrasse stehen schon die Urnen bereit – ausgediente Modelle der Stadt –, die am 25. Mai ab 17 Uhr im grossen Saal der Schule F+F aufgestellt werden. Und vielleicht in den Tagen zuvor auch an den Oberstufenschulen im Kreis 9, sagt Lars Koch. Bis dahin heisst es für das OJA-Team und die engagierten Schülerinnen jedoch noch kräftig die Werbetrommel zu rühren.



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