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10.05.2018 Von: Toni Spitale

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

«Plan B» mundet den Leuten


Rund 200 Weinkeller aus der ganzen Deutschschweiz luden am Tag der Arbeit zum Degustieren ein – darunter auch das Weingut Diederik an der Oberen Heslibachstrasse. Doch gewisse Tropfen sind dieses Jahr nur in beschränkter Menge verfügbar.

Der 1.-Mai-Degustationsanlass des Branchenverbands Deutschschweizer Wein ist mittlerweile zu einer Tradition geworden. So auch in Küsnacht beim Weingut Diederik. Und weil der Anlass von Jahr zu Jahr beliebter wird, haben die Gastgeber Diederik Michel und seine Ehefrau Patricia noch ein Wochenende angehängt. Seit 2014 pachtet der studierte Önologe den drei Hektaren grossen Giesshübel-Rebberg, der sich im Besitz der Familie Welti und der Gemeinde Küsnacht befindet.

Noch ein paar wenige Flaschen
Zu den zahlreichen Besuchern am vergangenen Samstag zählte auch der Zauberkünstler und Musiker Peps Dändliker. Er sei ein Räuschling- Fan, offenbarte das Küsnachter Ur-Gestein zwischen zwei Kartentricks. Als alter Seebueb gehe er einmal im Jahr und der Kindheitserinnerung wegen fischen. Zum Fang genehmige er sich dann ein feines Baguette sowie einen Tropfen Weissen. Er könne sich glücklich schätzen, dass er noch ein paar Flaschen davon besitze, denn der Räuschling sei rar geworden.

Blauburgunder sind resistenter
Schuld daran war hauptsächlich der Kälteeinbruch im April des vergangenen Jahres. Der Frost machte die Küsnachter Rebentriebe zunichte. Der Ernteertrag sei folglich um mehr als 70 Prozent tiefer ausgefallen als in einem «normalen» Jahr, bestätigt Winzer Michel. Oder anders ausgedrückt: Anstatt der erwarteten 21 000 Flaschen wird er vom 2017er-Jahrgang nur etwa 6500 Flaschen abfüllen können. Der Verlust liege bei den Weissweinen etwas höher als bei den roten, zumal die Blauburgunder-Reben den Frost besser überstanden hätten.
Während die Weiss- und Rosé- Tropfen 2017 bereits erhältlich sind, reift der Rotwein noch in den Holzfässern im kühlen Kellergeschoss an der Oberen Heslibachstrasse 90. Das Manko wird sich bei den Rotweinen erst zeitverzögert in zwei Jahren manifestieren.

Plan B aus italienischen Trauben
Um den Umsatzeinbruch bei den Weissweinen etwas abzufedern, heckte der ideenreiche Weinbauer aber noch einen Plan B aus. Nachdem es nicht möglich war, aus einer inländischen Weingegend die gewünschte Menge an weissen Trauben zuzukaufen, streckte er seine Fühler ins Ausland aus. In Italien wurde er schliesslich fündig. Mit einer selbst gekelterten Cuvée aus Arneis aus dem Piemont und Chardonnay aus dem Veneto kreierte Michel den «Vino Bianco – Plan B». Mit dessen Absatz ist Michel mehr als zufrieden: «Die Leute haben Freude, wenn man ihnen etwas Neues bietet.»

Schöner Fortschritt
Zufrieden ist der Weinbauer auch mit den aktuellen klimatischen Bedingungen. Der warme April habe im Rebberg zu «schönen Fortschritten» geführt. Dennoch möchte sich der Experte noch nicht auf eine Prognose einlassen: «Ich muss zuerst abwarten, wie der Sommer und der Herbst werden – es kann noch viel passieren.»

Weniger Pflanzenschutzmittel
Seit Anfang dieses Jahres kümmert sich der zweifache Familienvater auch um die Seminar-Reben auf dem Areal der Kantonsschule. Mitte Juni will er dort eine Grünveredlung durchführen. Das heisst, dass in die bestehenden Blauburgunder-Rebstöcke Knospen einer anderen Sorte eingepflanzt werden. Daraus soll dann eine Sorte heranwachsen, die gegen Pilzbefall resistent sein wird. «Das Ziel ist, dass wir dadurch künftig weniger Pflanzenschutzmittel verwenden müssen.»



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