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16.05.2018
Zürich West, Zürich 2

Biker drängen auf schnellen Bau des verlängerten Höcklertrails


Für geübte Biker bieten die Kurven im unteren Teil des Antennentrails wenig Herausforderung. Foto: David Herter

Gegen 40 000 Mal blochten Mountainbikerinnen und -biker im letzten Jahr auf dem «Antennentrail» in die Stadt hinunter. Nun ist am Uetliberg eine zweite Abfahrtsstrecke geplant.

David Herter

Wer wandert, der kennt es, und wer mit dem Mountainbike unterwegs ist, auch: Im Wald und auf dem Feld sind viele Fussgänger und Velofahrer unterwegs. Nehmen beide Rücksicht, ist eine Begegnung schnell vergessen. Anders sieht es aus, wenn der Wanderer nicht zur Seite tritt oder der Mountainbiker sein Kommen nicht ankündigt. Dann werden Luft und Platz schnell knapp am Uetliberg.
Die Stadtbevölkerung wachse, die Flächen für die Erholung nicht, sagt Reto Mohr, Leiter des Geschäftsbereichs Wald, Landwirtschaft und Pachten von Grün Stadt Zürich. «Wir versuchen, die hauptsächlichen Nutzungen zu entflechten, sodass es möglichst keine Nutzungskonflikte gibt.» Bereits 2004 hat die Stadt am Uetliberg einen Singletrail alleine für Mountainbikerinnen und -biker gebaut. Gegen 40 000 Mal wurde er im vergangenen Jahr befahren. «Antennen- oder Biketrail Triemli» nennen die Biker den 3,5 Kilometer langen, schmalen Weg. Auf 350 Höhenmetern gilt es Sprünge, Steilwände und Kurven zu meistern. Das letzte Drittel der Strecke finden versierte Mountainbiker allerdings viel zu einfach.

Im März hat die Stadt ein Mountainbike-Konzept vorgestellt. Es sieht vor, für gute bis sehr gute Biker den Höcklertrail auszubauen. Dieser führt heute vom Uetliberggrat bei der Folenweid in Richtung Manegg. Die Abfahrt endet aber schon nach 500 Metern wieder – offiziell. Dass sich nicht alle Biker an diese Vorgabe halten, zeigt der «wilde Trail», der entlang einer Holzrückegasse weiter den Hang hinab führt (siehe Kasten unten). Neu plant die Stadt, den Höcklertrail bis in die Allmend Brunau zu führen und ihn im dort gelegenen Bike-Park enden zu lassen.

Mitten durch ein Schutzgebiet

Den verlängerten Höcklertrail will Grün Stadt Zürich in drei bis vier Jahren eröffnen. Weil es sich um eine Anlage ausserhalb der Bauzone handelt, die zudem in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, ist für den Bau des Höcklertrails eine Bewilligung des Kantons notwendig. Die Abfahrt sei – so weit möglich – in der Schutzverordnung bereits berücksichtigt, sagt Isabelle Rüegg von der Medienstelle der kantonalen Baudirektion. «Das befreit den Trail jedoch nicht von der Bewilligungspflicht.» Die Erteilung einer Bewilligung hänge unter anderem ab von der Ausführung und Linienführung der Strecke und der Zustimmung der für Wald, Wild und Naturschutz zuständigen Stellen.

Keine vier Jahre mehr auf den Höcklertrail warten wollen die 1000 Mitglieder des Vereins Züritrails. «Wir sind uns der Bewilligungsverfahren bewusst, aber trotzdem zuversichtlich, dass der Trail früher als vorgesehen eröffnet werden kann», sagt Präsident Valentin Bamert. Der Verein Züritrails hat in den vergangenen Jahren mitgeholfen beim Unterhalt des Antennentrails, der Grün Stadt Zürich jährlich 40 000 Franken kostet. An der Gestaltung des Höcklertrails will der Verein «massgeblich beteiligt, wenn nicht sogar federführend sein», sagt Bamert. Das Projekt müsse noch mit dem Kanton Zürich, dem Grundeigentümer, abgesprochen werden, doch eine schnelle Realisierung dränge sich wegen der hohen Nutzerzahlen auf den bestehenden Trails und der Erwartungshaltung der Mountainbiker auf.

Der Ausbau des Höcklertrails alleine reiche für die Abdeckung der Nachfrage jedoch nicht aus, sagt Bamert. «Wir stellen, nicht nur in Zürich, eine steigende Anzahl Mountainbiker fest.» Aus Sicht des Vereins bestehe «bereits heute» Bedarf für weitere Strecken. Dafür eigneten sich Gebiete am Zürichberg, wie im Mountainbike-Konzept beschrieben, sagt Bamert. Der Verein Züritrails könne sich aber auch ein «durchgehendes, gemeindeübergreifendes Trailnetz entlang der gesamten Albiskette und im Reppischtal» vorstellen.

«Nicht erste Priorität»

Bei Grün Stadt Zürich steht man vorerst auf die Bremse. Das Mountainbike-Konzept sei ein «mittel- bis langfristiges Planungsinstrument», sagt Reto Mohr. Der im Konzept festgehaltene Trail am Züriberg sei eine mögliche Ergänzung zu den schon bestehenden Trails in der Stadt am Uetliberg und am Adlisberg sowie den weiteren Anlagen für kleine und grosse Biker in den Quartieren. «Der Trail am Züriberg hat für Grün Stadt Zürich zurzeit nicht erste Priorität», sagt Mohr. Die Lage könne sich aber verändern durch steigende Nutzerzahlen auf den bestehenden Trails, bei Anfragen aus der Bevölkerung, politischen Vorstössen oder bei «illegalen Bike-Aktivitäten im Wald, die einer Lösung bedürfen».

«Biker, die diese Wildwechsel befahren, verhalten sich rücksichtlos»

Am Uetliberg gebe es unbestrittenermassen einige «inoffizielle Trails», sagt Valentin Bamert, Präsident des Vereins Züritrails. Dass Mountainbiker Wildtiere und Pflanzen gefährdeten, erachtet er aber als übertrieben dramatisiert. Die Fahrspuren der Biker seien im Verhältnis zu den Spuren, welche die Forstwirtschaft hinterlasse, vergleichsweise gering. «Wir wehren uns dagegen, ständig als mutwillige Naturzerstörer taxiert zu werden.»

Anders stellt sich die Lage für Jagdaufseher Paul Berliat dar, dessen Revier Stallikon Uetliberg 1 südlich des Uetlibergs liegt. Durch Berliats Revier führen mehrere illegale Trails, auf Kreten und in Tälchen. Um die Pisten zu optimieren, seien vereinzelt Schneisen ausgeholzt und Erdarbeiten vorgenommen worden, sagt Berliat. «Einige Biker, die diese Wildwechsel befahren, verhalten sich rücksichtlos.» Die verbotenen Fahrten durch den Wald störten nicht nur Wildtiere wie Hirsche, Rehe oder Gämsen, sondern förderten auf den Kreten die Erosion. Das gefährde seltene Pflanzen und Baumarten wie den Frauenschuh oder die Mehlbeere. Berliat erzählt von zwei Nottötungen von Rehkitzen, die er habe vornehmen müssen und die er in einem Zusammenhang sieht mit Störungen durch Biker. «Ich kann das nicht nachweisen, aber ich bin der Meinung, dass dies der Grund war», sagt er. Gespräche oder Diskussionen mit Bikern hätten bis anhin kaum Erfolg gezeigt. Von Kontrollen entlang der illegalen Trails hält Berliat wenig. Dafür fehle ihm die Zeit.

Züritrails-Präsident Valentin Bamert kann zu den Vorfällen mit Rehkitzen keine Stellung nehmen. «Davon habe ich keine Kenntnis», sagt er. Sein Verein plädiere dafür, rücksichtsvoll miteinander umzugehen, könne aber das Verhalten seiner Mitglieder nicht steuern. «Die meisten passen ihr Verhalten der Situation an», ist sich Bamert sicher. Er ist überzeugt, dass sich mit dem Bau von anspruchsvollen erlaubten Pisten die Biker wegleiten lassen von den für sie gesperrten Waldgebieten.

Gerne hätte diese Zeitung auch mit dem für den Uetliberg zuständigen Wildhüter über seine Erfahrungen mit dem Antennentrail gesprochen. Laut Grün Stadt Zürich hätten die städtischen Wildhüter aber «alle Hände voll zu tun» und keine Zeit. Die Anliegen der Wildhüter seien in das Mountainbike-Konzept eingeflossen, sagt Reto Mohr, Leiter des Geschäftsbereichs Wald, Landwirtschaft und Pachten von Grün Stadt Zürich. Es sei das Ziel, keine illegalen, wilden Trails mehr zuzulassen. «Mit einer attraktiven Bike-Infrastruktur versuchen wir ein Angebot zu schaffen, das Sporttreibende gerne nutzen, und so die übrigen Gebiete des Waldes geschont werden», sagt Mohr. Das sei mit den neuen Trails gelungen. Diese würden vom Wild mittlerweile gemieden. Grün Stadt Zürich nehme Rücksicht auf Flora und Fauna. Kompromisse und Einschränkungen auch zulasten der Natur seien wegen des steigenden «Erholungsdrucks» der wachsenden Bevölkerung aber unvermeidlich. (dh.)



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