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16.05.2018 Von: Karin Steiner

Zürich Nord

Die Grenzen von Unterstrass erkunden


Das städtische Schlachthaus wurde 1865 gebaut und 1914 abgebrochen. Fotos: Sammlung Baugeschichtliches Archiv

Der erste Abendspaziergang des Quartiervereins Unterstrass führte der Quartiergrenze entlang vom Central bis zur Uni Irchel. Dabei bekamen die Teilnehmenden von Nicola Behrens, Archivar der Stadt Zürich, viele Anekdoten aus vergangenen Zeiten zu hören.

Eine grosse Gruppe Interessierter versammelte sich letzte Woche beim Central zum ersten Teil des dreiteiligen Bannumgangs von Unterstrass. Die Führungen hat Nicola Behrens übernommen, Archivar des Zürcher Stadtarchivs und seit diesem Jahr Vorstandsmitglied des Quartiervereins Unterstrass.

Einst reichten die Grenzen von Unterstrass bis zu den alten Stadtmauern von Zürich. Weil die Stadt unter Platzmangel litt, kaufte sie Unterstrass am Ufer der Limmat ein Stück Land ab und baute darauf den städtischen Schlachthof. Er hatte über die Treppen einen direkten Zugang zum Wasser. «Dort hat man die Kutteln ausgewaschen. Vermutlich hat man die Badi des unteren Letten nicht per Zufall erst 1909 eröffnet, als der Schlachthof nach dem Letzigraben verlegt wurde, sagte Nicola Behrens lachend.

Handschrift der Brüder Pfister
Das an die Altstadt grenzende Gebiet von Unterstrass trägt in hohem Masse die Handschrift der Brüder Pfister. Von ihnen stammt ein grosser Teil des Walchegebiets mit der Kantonalen Verwaltung und der Walchebrücke. Mit dem Bau des Verwaltungsgebäudes wurde die Grenze von Unterstrass erneut verschoben. Sie verläuft heute der Hausfassade entlang.

Zwischen Walchestrasse und Stampfenbachstrasse befand sich der 1611 gegründete Friedhof von Unterstrass. «Damals grassierte die Pest, und alle Friedhöfe der Stadt Zürich waren hoffnungslos überfüllt», erzählte Nicola Behrens. «So eröffnete die Stadt Friedhöfe ausserhalb der Stadtmauern.» Später wollte die Stadt auf dem Friedhofgelände einen Viehmarkt einrichten. «Unterstrass war erst empört über diese Pietätlosigkeit, schlug dann aber acht Jahre später selbst diesen Standort vor.»

Von der Walche aus ging der Bannumgang über die steile Leonhardtreppe den aus dem Mittelalter stammenden Weinbergfussweg bis zur Clausiusstrasse hinauf .An der Leonhardstrasse bei der Station Haldenegg ist ein 3-Quartier-Eck: hier grenzen Unterstrass, Altstadt und Oberstrass aneinander. Weiter ging der Fussmarsch der Clausius- und Sumatrastrasse entlang und über die Sonneggstrasse bis zur Turnerstrasse – teilweise verläuft die Grenze hier durch die Gärten. «Die Sumatrastrasse bekam ihren Namen von Karl Krüsi, der als 19-Jähriger völlig mittellos nach Sumatra auswanderte und Jahre später als Multimillionär nach Unterstrass zurückkehrte, wo er die Villa Rosenberg kaufte und in Villa Sumatra umbenannte», erzählte Behrens. Die Villa, in der auch Julius Maggi (1846–1912) lebte, musste 1975 einem Neubau weichen.

Weiter marschierte die Gruppe die Scheuchzerstrasse entlang, den Turnersteig und die Turnerstrasse hinunter und über den Ekkehardsteig zur Scheuchzerstrasse. Die Turnerstrasse wurde übrigens nach einer Turnhalle benannt, die 1899 dem Röslischulhaus weichen musste. Dort fanden einst auch Gemeindeversammlungen statt.

Vorbei an der Riedtli-Siedlung, die teilweise zu Unterstrass, teilweise zu Oberstrass gehört, ging es über Kinkel- und Röslistrasse zur Winterthurerstrasse und zum Irchelpark. Die Grenze an der Winterthurerstrasse erwies sich für die Anwesenden als verwirrend, gehören doch die Liegenschaften links und rechts der Strasse mal zu Unterstrass, mal zu Oberstrass. Im Irchelpark wurde die Gruppe bei der Uni Irchel von einem Apéro des Quartiervereins empfangen. Co-Präsident Ingo Golz informierte dabei über kommende Anlässe, darunter der Bannumgang Teil 2 vom 5. Juli, der vom Milchbuck bis zum Käferberg führt.



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