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16.05.2018 Von: Elke Baumann

Züriberg

Kunsthaus Zürich bietet eine exquisite Modenschau


Jakob Lena Knebl, Chesterfield, 2014 Digitaldruck, Courtesy of Jakob Lena Knebl. Bild: zvg.

Mit der Ausstellung «Fashion Drive. Extreme Mode in der Kunst» schickt das Kunsthaus von der Schlitzmode über Haute Couture bis Streetwear 200 Exponate über den Catwalk.

Die Geschichte der Bekleidung ist so alt wie die Menschheit selber. Aus welchem Material die ersten Kleidungsstücke auch gefertigt wurden, der einzige Grund war, den Menschen vor Wind und Wetter zu schützen. Erst als die Wirkung der Kleidung auf das andere Geschlecht eine Rolle zu spielen beginnt, bekommt das Anziehen den einen modischen Anstrich und ist die Geburtsstunde der Mode.

Wie es euch gefällt
Von der Schlitzmode zur Schamkapsel, vom Dandy-Look zum Papieranzug, ob Halskrause, Décolleté oder Korsett und Reifrock, die Mode ist mal ein bisschen sexy, mal ein bisschen edel, sie ist verrückt, schrill oder verpönt. Im 16. Jahrhundert zeigt der Mann Bein. Der Gentleman trägt kurze Hosen und eng anliegende Strümpfe. Die Dame hingegen hat kein Bein! Sie trägt einen langen bis zum Boden reichenden Rock. Mit der Emanzipation der Frau gleitet der Rocksaum langsam nach oben, die Hosenbeine der Männer rutschen abwärts! Von da an steht die Wade des Mannes im Schatten des Frauenbeins! Mode geht mit der Zeit und wandelt sich ständig. An der Mode gefällt einem etwas, was einem gestern noch nicht gefiel und morgen nicht mehr gefallen wird. Die umfangreiche Ausstellung zeigt modisch gekleidete Persönlichkeiten der Renaissance bis hin zur Modewelt der Gegenwart. Sie umfasst Gemälde, wertvolle Kostüme und Skulpturen, Grafiken, Installationen, Fotografien und Filme von an die 50 Künstlerinnen und Künstlern. Dazu präsentiert sie Leihgaben, die erstmals in der Schweiz gezeigt werden. Der Faltenrockharnisch um 1526 zum Beispiel oder Robert Peakes Gemälde einer Dame in einem kostbar bestickten Seidenkleid am englischen Hof um 1600.Neben den prächtigen Gewändern und den Gemälden der französischen und englischen Aristokratie in prunkvoller Robe ist das Ganzfigurenporträt des stattlichen Solothurner Obersts Wilhelm Frölich (1549) von Hans Aspers unübersehbar. Das Gemälde ist 227,5 x 125,5 cm gross. Frölich – ohne h –, gekleidet in Halbharnisch und roter, geschlitzter Kniebundhose mit Schamkapsel. Die schamlos zur Schau getragene Männlichkeit eckt eine Zeit lang heftig an, wird alltäglich, verliert ihren Reiz und verschwindet schliesslich von der Bildfläche. Noch ein Wort zur Schlitzmode. Spötter behaupten, sie sei die einzige von Schweizern kreierte Mode und auf dem Schlachtfeld entstanden! Nach der gewonnenen Schlacht bei Grandson (1476) hätten die Eidgenossen ihre Klamotten weggeworfen und sich in die vornehmen Gewänder der Verlierer (Burgunder) gestürzt! Für die Kriegsknechte seien aber die Prunkkleider zu eng gewesen, darum hätten sie sie mit ihren Dolchen und Schwertern an den Knien und Ellbogen aufgeschlitzt. Die Anziehungskraft dieser Schlitze hält bis heute an «Ripped Jeans» sind im Moment angesagt wie nie zuvor. Mode fasziniert oder irritiert seit je.
Die in elf Kapitel gegliederte Ausstellung zeigt und beleuchtet die Erscheinungsformen der Damen- und Herrnmode sowie die Modegeschichte im Spiegel der Kunst. Sie stellt Spitzenstücke der Kostümgeschichte den modischen Eskapaden der Gegenwart gegenüber. Dem Kuratoren-Team ist eine Schau gelungen, der viel Raum zur Verfügung steht, um der 500-jährigen Modegeschichte – mit und ohne Augenzwinkern – Respekt zollen zu können.



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