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16.05.2018
Zürich West

Singen macht Freude – und ein wenig Muskelkater


Einmal pro Woche trifft sich der Chor zur Probe im Pfarreizentrum. Dirigent Pascal Müller führt mit scharfem Blick und mit dem Klavier. Foto: David Herter.

Der St. Konrads Chor sucht Sängerinnen und Sänger, die Lust haben, ihre Stimme zu bilden. Einmal pro Woche ist Probe – Hausaufgaben gibt der Dirigent keine. 

David Herter

Singen ist harte Arbeit. «Alle absitzen», sagt Dirigent Pascal Müller. Und dann: «Bitte nur der Alt.» Die Frauen mit tiefen Stimmen stehen wieder auf. Zu abgehackt habe das getönt, kritisiert Müller ihren Gesang. Er möchte mehr Farbe in den Silben des Liedes, das sie üben. Das Zwerchfell soll Druck machen und nicht der Kehlkopf. Müller singt erst vor und setzt sich dann wieder ans Klavier. «Alles was ihr tut, alles was ihr tut, mit Worten oder mit Werken», singen die Alt-Stimmen alleine. Dann dürfen auch sie sich für einen Moment setzen. Singen gibt Muskelkater. Im Zwerchfell, in den Beinen – und zwischen den Ohren.
30 Sängerinnen und Sänger sind an diesem Mittwochabend im Pfarreizentrum St. Konrad zusammengekommen. Die Frauen sind in der Mehrheit, und die Mehrheit aller Anwesenden trägt weisses Haar. Geübt wird für den Pfingstgottesdienst in der katholischen Kirche von Albisrieden. Sechs mal zwei Stunden müssen genügen, um die Chorpartien in der von Dieterich Buxtehude komponierten Kantate zu meistern. Mehr Zeit ist nicht, zwischen Ostern und Pfingsten. Und zweimal dasselbe zu singen in der Kirche, bei so unterschiedlichen Gelegenheiten, das kommt für Dirigent Müller nicht infrage. Einerseits weil es nicht zu den Gottesdiensten passen würde, aber auch um den Chor herauszufordern. «Wer sich heutzutage in einem Verein engagiert, der ist leistungsbereit und hat den Anspruch, im Gegenzug auch Leistung zu erhalten», sagt Müller, der einen Master als Dirigent und Trompeter hat. 2012 hat er den Chor übernommen und ist mit dessen Entwicklung sehr zufrieden.

«Ein wenig wie Therapie»

Der Präsident des Chors singt mit den Tenor-Stimmen. «Singen ist ein wenig wie Therapie, eine Art Yoga», sagt Kurt Baettig. Er hat im Februar Jacqueline Wild abgelöst, die den Verein sagenhafte 28 Jahre lang führte. Auch Baettig sieht den Chor gut aufgestellt, doch er will verstärkt neue Sängerinnen und Sänger gewinnen. Ein bis zwei Sängerinnen und Sänger sind schon bisher jedes Jahr dazu gestossen, aber es gab auch Rücktritte. «Jedes neue Mitglied von 55 Jahren würde den Altersdurchschnitt senken», formuliert Baettig das Zielpublikum. Er selbst ist dem Chor vor vier Jahren beigetreten, auf eine Anfrage hin, die er erst abschlägig beantwortete. Einige Zeit später, als seine Kinder erwachsen waren und er wieder etwas mehr Zeit für ein neues Hobby hatte, entschloss sich Baettig, mit Singen zu beginnen. «Singen macht mir Freude», sagt er.

Der St. Konrads Chor sucht also weitere Männer und Frauen, die Spass am Singen haben, neugierig sind auf unbekannte Musik und ihre Stimme bilden wollen. Vorkenntnisse seien keine notwendig, sagt Dirigent Müller. «Noten lesen zu können hilft, ist aber nicht Bedingung.» Auch der Wohnort spielt keine Rolle, schon heute stammen die Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Stadt. Eigentlich brauche es nur die Bereitschaft, an den Proben am Mittwoch teilzunehmen und an den Auftritten in der Kirche, sagt Müller. Hausaufgaben gibt er keine. «Sich vor einem Konzert die Lieder auch mal auf Youtube anzuschauen, hilft aber schon.» Das Jahresprogramm gestaltet Müller so, dass die einzelnen Konzerte stilistisch zueinander passen. Nach dem Barock in diesem Jahr plant er für das nächste, Messen aus anderen Kulturkreisen einzuüben, unter anderem aus Irland und Schweden.

Ein Auftritt mit Profis

Einen Eindruck davon gewinnen, wie gut der St. Konrads Chor singt, lässt sich am Pfingstsonntag. Dann geben die 35 Sängerinnen und Sänger und ihr Dirigent das nächste Konzert. Nicht alleine. Um die Kantate von Buxtehude aufzuführen, ist ein kleines Streichorchester nötig und zwei Solisten, allesamt professionelle Musiker. Zusammen mit dem Chor werden sie das Konzert ein einziges Mal proben. Und dann im Gottesdienst miteinander auftreten. Nach einem zweiminütigen Vorspiel des Orchesters wird der Chor präzise einsetzen mit seinem Gesang: «Alles was ihr tut, alles was ihr tut, mit Worten oder mit Werken.»

 

Mittwochs üben, sonntags vorspielen

Der St. Konrads Chor wurde vor über 60 Jahren gegründet. Er begleitet die Albisrieder Pfarrei St. Konrad durch das Kirchenjahr. Unter der Leitung von Dirigent Pascal Müller tritt der Chor rund zehnmal pro Jahr in der Kirche auf, davon fünf Mal begleitet durch ein Orchester, Bläser oder Solisten. Nach dem Pfingstkonzert beginnen die Proben für die Untermalung des Abschiedsgottesdiensts von Präses Hannes Rathgeb vom 1. Juli. Gesangsinteressierte sind herzlich willkommen, die wöchentlichen Proben finden mittwochs von 19:30 bis 21:30 Uhr im Pfarreizentrum St. Konrad statt. (dh.)

Kontakt: Kurt Baettig, 077 448 73 34 oder kbaettig@gmx.ch.



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