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30.05.2018
Zürich West

«Quartierkönig» Werner droht die Abwahl


Vizepräsident Thomas Zeller (Mitte) will auf die Generalversammlung hin sein Amt abgeben. Ob Präsident Helmuth Werner (rechts) noch einmal antritt, ist noch offen. Foto: ho.

Gleich sechs Kandidatinnen und Kandidaten treten im Quartierverein 5 gegen den bisherigen Vorstand an. Sie wollen den Verein für neue Mitglieder öffnen.

David Herter

Noch fehlt der Revolution der letzte Schritt. Ein Team um die 53-jährige Werbe- und Kommunikationsberaterin Andrea Aebi plant, den Vorstand des Quartiervereins 5 Industriequartier abzulösen, zumindest aber Präsident Helmuth Werner und Vizepräsident Thomas Zeller. An der Ende Juni stattfindenden Generalversammlung werden sechs Frauen und Männer neu für den Vorstand kandidieren – und Aebi als Präsidentin. Ziel des Sechserteams ist laut Aebi eine «möglichst friedliche Erneuerung des Vorstands», die diesem einen «Abgang in Würde» ermöglicht.
Der aktuelle Präsident des Quartiervereins 5, Helmuth Werner, ist als streitbarer Mann bekannt. Während Jahrzehnten prägte er das Geschehen im Kreis 5 mit, bei Bauplanungen ebenso wie als Mitorganisator der Kinderfasnacht. Lange Jahre war er auch Präsident der reformierten Kirchgemeinde Industriequartier, bis er 2013 vom Kirchenrat wegen «unhaltbarer Personalführung» und «deutlichen Kompetenzüberschreitungen» freigestellt und angezeigt wurde. Werner sass in der Folge in Untersuchungshaft – das Verfahren gegen ihn wurde aber eingestellt.
Ihre Kandidatur richte sich nicht gegen Werner, sagt Herausforderin Aebi. «Wir treten an für einen Quartierverein, der offen ist für alle und der möglichst viele Mitglieder zählt.» Breit abgestützt und vernetzt soll der Verein sein und es den Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers ermöglichen, sich einzubringen in die vielen Projekte, die in dem «Entwicklungskreis 5» im Gange sind oder anstehen. Aebi ist der Meinung, «wie viele andere im Kreis 5 auch», dass Werner sich sehr eingesetzt habe und viel erreicht habe für das Quartier, nun aber «die Zeit reif sei» für einen Generationenwechsel.

Versammlung im Thurgau

Der Plan, den Quartierverein 5 zu erneuern, ist nicht neu. Seit geraumer Zeit wirken Mitglieder von innen darauf hin. Mit demselben Ziel versuchten Bewohner des Quartiers, dem Verein beizutreten, zum Teil erfolglos. Anträge auf eine Mitgliedschaft seien vom Vorstand erst nach langem Zuwarten behandelt oder abgelehnt worden, werfen Kritiker dem bisherigen Vorstand um Präsident Werner und Vizepräsident Zeller vor. Mehrfach sei die Einladung zur Generalversammlung erst sehr kurz vor deren Stattfinden versandt worden. Die vorletzte Generalversammlung 2016 verband der Vorstand mit einem Ausflug und führte sie im thurgauischen Ittingen durch. 29 von 31 Teilnehmern bestätigten dort den gesamten Vorstand für weitere zwei Jahre.

Diese Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, sagt Vizepräsident Zeller, der wie Präsident Werner seit 24 Jahren im Vorstand sitzt. Werner war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. «Das ist reine Stimmungsmache», sagt Zeller. Der Vorstand habe sich bei seinen Geschäften jederzeit an Statuten und Gesetze gehalten. Die Generalversammlung 2016 sei aus Anlass des 130-Jahr-Jubiläums des Vereins in Ittingen durchgeführt worden. Während der Reformation habe dort ein Pfarrer mit Bezug zum Kreis 5 um ein Haar den Tod gefunden. Auch der Vorwurf aus den Reihen der neuen Kandidaten, der Vorstand habe ihnen wiederholt die Zahl der Vereinsmitglieder nicht mitteilen wollen ziele ins Leere, sagt Zeller. «Seit 2005 habe ich an jeder Generalversammlung darüber informiert.» Hingegen stimme es, dass der Vorstand Anträge abgelehnt habe, Einblick in die Mitgliederlisten zu gewähren. «Da haben wir den Datenschutz höher gewichtet», sagt Zeller. Anfang Jahr habe der Quartierverein 5 Industriequartier 179 Mitglieder gehabt. «Rund 50 mehr als ein Jahr zuvor.» Einige Anträge auf Mitgliedschaft seien noch pendent, zwei Anträge habe der Vorstand abgelehnt. «Es handelte sich um Personen, die den Interessen des Vereins klar zuwidergehandelt haben», sagt Zeller.

Dass der Vorstand über Anträge auf Mitgliedschaft innert dreier Monate entscheiden und eine Ablehnung begründen muss, steht erst seit der letzten Generalversammlung in den Statuten. Diese fand wieder in Zürich statt, im Alterszentrum Limmat. An diesem Abend legte der Vorstand den Mitgliedern neue Statuten vor – die letzten datierten aus dem Jahr 1959 –, ohne den Vorschlag im Voraus bekannt gemacht zu haben. «Ich habe mich bei der Ausarbeitung an Musterstatuten und den Statuten anderer Quartiervereine orientiert», sagt Zeller. Die Versammlung stimmte den Statuten in der Folge auch zu, ergänzte diese aber um präzise Vorgaben nicht nur für die Behandlung von Beitrittsgesuchen, sondern auch für die Ankündigung der Generalversammlung und den Versand der Einladungen dafür, der neu mindestens drei Wochen im Voraus erfolgen muss.
Auf dem Erfolg bei der Statutenrevision und auf den vielen seither neu aufgenommenen Mitgliedern gründet die Hoffnung des Sechserteams um Herausforderin Andrea Aebi, Ende Juni den zweiten und letzten Schritt tun zu können, zur Erneuerung des Vereins. «Wo wir genau stehen, wissen wir nicht», sagt Aebi. Sie und die anderen Kandidatinnen und Kandidaten seien dennoch zuversichtlich, am 28. Juni eine Mehrheit hinter sich scharen zu können. Vier Anträge stellt das Sechserteam. Sie wollen sich den Stimmberechtigten persönlich vorstellen. Sie verlangen geheim durchgeführte Wahlen, die für jedes Vorstandsmitglied einzeln durchgeführt werden sollen, auch für die Wahl des Vereinspräsidenten oder der -präsidentin. Für eine Wahl ist gemäss Vizepräsident Thomas Zeller eine absolute Mehrheit nötig.

Der Vizepräsident tritt nicht mehr an

Die Anträge des Sechserteams und deren Kurzporträts werde der Quartierverein 5 Industriequartier mit der Einladung zur Generalversammlung «frist- und ordnungsgemäss» versenden, sagt Zeller. Danach werde die Versammlung den vorgesehenen Verlauf nehmen. Er selbst werde nicht mehr als Vizepräsident antreten, sagt Zeller. «Ich habe meinen Rücktritt schon mehrfach angekündigt, aus verschiedenen Gründen aber immer wieder verschoben.» Nun, wo sich neue Kandidaten zur Verfügung stellten, sei dafür der richtige Zeitpunkt. Ob weitere Vorstandsmitglieder und Präsident Helmuth Werner ebenfalls zurück- oder wieder antreten werden, sei offen, sagt Zeller. Im Vorstand laufe die Diskussion dazu seit der letzten Generalversammlung, aber: «Das muss jeder Einzelne für sich entscheiden.»



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