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06.06.2018 Von: Lisa Maire

Zürich Nord, Züriberg

Eine Vision nimmt langsam Gestalt an


Auf dem Areal «Irchel Mitte» soll in den nächsten Jahrzehnten das grösste Wachstum stattfinden. Foto: mai.

Auf Anregung der Quartiervereine Ober- und Unterstrass lud die Universität Zürich letzte Woche zu einem Rundgang durch den Campus Irchel. Sie will hier bis 2050 ihre Nutzflächen verdoppeln.

Der Uni-Standort Irchel ist in vier Bauetappen zwischen 1979 und 1999 errichtet worden. Dann blieb die bauliche Entwicklung stehen, obwohl die Gesamtstudentenzahlen weiter wuchsen (von 20 000 auf heute 26 000). Als provisorische Massnahme gegen die Raumnot mussten deshalb Liegenschaften in Oerlikon und Schlieren sowie an weiteren Standorten gemietet werden. Diese räumliche Verzettelung mache den Betrieb der sieben Fakultäten jedoch ineffizient und teuer, sagte Christian Saller, Leiter strategische Planung Direktion Immobilien UZH, bei der Einführung vor einem gut 50-köpfigem Publikum. Insgesamt nahmen an dem auf zwei Abende verteilten Infoanlass mit Rundgang über 100 Personen aus den Quartieren Ober- und Unterstrass teil.

35 Jahre in 35 Sekunden
Um die Fehlentwicklung der letzten 20 Jahre zu korrigieren, haben Regierungs- und Stadtrat sowie die Universität 2014 dem Masterplan Campus Irchel zugestimmt. Das Ausbauprojekt heisst «Vision Campus Irchel 2050» und soll es der Uni erlauben, Forschung und Lehre langfristig auf die Hauptstandorte Zentrum und Irchel zu beschränken. Erreichen will sie dies mit einer Verdoppelung der Nutzfläche auf 280 000 Quadratmeter des Campus Irchel. Gebaut werden soll auf dem ganzen Gelände, nur der Irchelpark («Campus West») bleibt davon verschont. Wie die Veränderung auf dem ganzen Campus in etwa vor sich gehen könnte, sah das Publikum in einem Zeitraffervideo. Die gezeigte Entwicklung – quasi 35 Jahre in 35 Sekunden – sei jedoch nur «eine Möglichkeit», so Bauprojektleiter Jorge Vieitez. Validiert werde die Campus-Gesamtplanung frühestens Ende Jahr.
Was hingegen feststeht: Das grösste Wachstum findet auf dem Areal «Irchel Mitte» statt. Unter dem Motto erhalten und erweitern» soll hier kräftig verdichtet werden, wobei sich die Uni auch eine Landmarke setzen will: ein Hochhaus. Aus planungsstrategischer Sicht die grösste Herausforderung seien auf diesem Areal die Instandsetzungszyklen, sagte Saller. Die 50- bis 60-jährigen, hoch technisierten Gebäude haben nicht nur starken Sanierungsbedarf, sondern sind zum Teil auch denkmalgeschützt. Wenn die Erneuerung startet, frühestens 2021, wird bereits das neue Chemie-Laborgebäude in Betrieb sein, an dem hier seit 2016 gebaut wird. Der Kantonsrat hat für das technisch komplexe Bauprojekt Kredite von 250 Millionen Franken bewilligt. Eine weitere Baugrube tut sich am unteren Rand der «Mitte» auf: Der Kanton erweitert hier zum zweiten Mal sein Staatsarchiv.

Heiss ersehnte Pferdeklinik
Noch mindestens zehn Jahre dauert es, bis sich die Planung für den «Campus Nord» (Tierspital) konkretisiert. Um das denkmalgeschützte Fakultätsgebäude der Veterinäre herum sollen grossflächige Neubauten entstehen. Weil die Veterinäre aber nicht so lange auf die neue Pferdeklinik warten können, wurde als betriebsstabilisierende Massnahme bei der Kleintierklinik ein Anbau für CT-Diagnostik erstellt. Noch offen ist die Planung für den «Campus Süd» (Ex-Strickhof). Seine Entwicklung erfolge bedarfsorientiert, erklärte Saller beim Rundgang durch die idyllische Anlage mit ihren zum Teil historischen Bauten. Mögliche Neubauprojekte – von Gewächshäusern bis zu Studentenwohnungen – sollen auf die kleinteiligen Strukturen des alten Strickhofs sowie des angrenzenden Wohngebiets entlang der Frohburgstrasse Rücksicht nehmen.

Nachdem der Rundgang wegen eines Gewittersturms abgebrochen werden musste, versammelten sich die Teilnehmenden, zum Teil bis auf die Haut durchnässt, im Trockenen vor dem Modell des «Campus Irchel 2050». Die Modellklötzchen wurden genau studiert und im Fall des 50-Meter-Hochhausklotzes auch skeptisch beäugt. «Der ist ja höher als die Paulus-Kirche», rief jemand aus Oberstrass. «Alles erst eine Vision – nur die Flughöhe», betonte Saller nochmals. Wo genau was und in welcher Architektur hinkomme, sei noch nicht festgeschrieben. Besorgte Fragen gab es auch zum Verkehr, vor allem zum Bauverkehr. Letzterer werde wohl auch über die Langenstein- und Strickhofstrasse führen, bestätigten sich die Befürchtungen von Anwohnern. Das Erschliessungskonzept stehe zwar noch nicht, die Bautätigkeit werde aber sicher eine Belastung für das Quartier bringen, so Saller.



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