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06.06.2018 Von: Interview: Annina Just

Zürich 2

Erfolgstrainer: «Ich will weiter hoch»


Ein eingespieltes Team: Assistenztrainer Alessio Piccinno (l.) und Trainer Mario Pischedda. Foto: A. Just

Der FC Adliswil schafft Historisches: Eine Saison nach dem Aufstieg in die 2. Liga regional steigt das Team von Mario Pischedda erneut auf. Im Interview verrät der Erfolgstrainer seine Philosophie und weshalb Adliswil ihn an seine Heimat Sardinien erinnert.

In der Winterpause 2017 hat der Italiener Mario Pischedda (im Bild rechts) beim FC Adliswil das Traineramt übernommen – Vorgänger Gianfranco Perri wurde trotz Topplatzierung in der 3. Liga kurz vor Rückrundenstart entlassen. Doch der Ex-Serie-C-Profi Pischedda setzte den Erfolgskurs in aller Deutlichkeit fort: Sein Team stieg letztes Jahr in die 2. Liga regional auf und feiert nun, nur ein Jahr später, den erneuten Aufstieg. «Zürich 2» hat mit dem Erfolgstrainer und seinem Assistenten Alessio Piccinno (l.) gesprochen. 

Mario Pischedda spricht kein Deutsch, sein Assistenztrainer Alessio Piccinno übersetzt auf Italienisch. 

Mario Pischedda, zwei Aufstiege in Serie – wohin führt die Reise des FC Adliswil noch?
Meine Mentalität ist es, zu gewinnen. Und ich werde sie nicht ändern, auch nicht in der 2. Liga interregional. Das heisst, ich will weiter hoch, ich will in die 1. Liga. Ich habe zwar noch keine Ahnung, wie das Niveau dort ist und ob wir mit unserem Kader mithalten können. Das werden wir noch analysieren und in Freundschaftsspielen herausfinden.

Als Aufsteiger aufzusteigen, und erst noch in dieser Deutlichkeit, das ist beeindruckend. Was ist das Erfolgsrezept?
Ein Erfolgsfaktor war sicherlich, dass wir unsere Mannschaft nach dem letzten Aufstieg zusammenhalten konnten. Es gab ein paar wenige Verstärkungen, aber der grosse Teil des Teams blieb konstant. Prägend war ausserdem das zweitletzte Spiel in der 3. Liga: Im Duell gegen den anderen Aufstiegskandidaten, den FC Wettswil-Bonstetten, haben wir gelernt, dass ein Spiel erst in der Nachspielzeit entschieden ist und wir bis zum Schlusspfiff kämpfen müssen. Wir konnten damals in der 95. Minute den Ausgleich erzielen und haben uns so den Aufstieg ermöglicht. Dieses Erlebnis war aus mentaler Sicht hilfreich für alle weiteren Spiele.

Hat Ihnen auch der Überraschungseffekt geholfen?
Ja, den gab es bestimmt auch. Die Gegner waren nicht auf uns vorbereitet. Ausserdem sind in der Rückrunde einige Spiele der Gegner zu unseren Gunsten ausgefallen; wenn wir mal nicht gewinnen konnten, hat auch die Konkurrenz verloren.

Sie haben in einem Interview mal gesagt, 95 Prozent der Spieler hätten schon vor Saisonbeginn den erneuten Aufstieg als Ziel definiert. Woher kommt diese Selbstsicherheit?
Das ist die Mentalität unseres Trainerstaff – wir wollen immer gewinnen, und das konnten wir auch auf das Team übertragen. Unentschieden existiert nicht, verlieren schon gar nicht. So war ich als Spieler, und so bin ich auch als Trainer. Auch wenn wir 1:0 vorne liegen und andere Trainer vielleicht hinten dichtmachen, lasse ich plötzlich mit vier Stürmern spielen. Dazu kommt, dass wir einige Spieler haben, die schon in Nachwuchsleistungsmannschaften spielten und daher auch Ambitionen haben.

Wie schätzen Sie den Niveau-Unterschied zwischen der 3. Liga und 2. Liga regional ein?
In der 3. Liga war der Aufstieg für uns schwieriger und knapper – vielleicht weil das Spiel weniger technisch und mehr kampfbetont ist. Der Hauptunterschied besteht aber darin, dass in der 2. Liga die Spiele häufiger bis zum Schlusspfiff offenbleiben.

Wann war der Moment, in dem Sie realisiert haben, dass der Aufstieg tatsächlich möglich ist?
Das war erst im Rückspiel gegen den FC Wädenswil, das wir gewinnen konnten (Anm. der Red: Das war eine Runde, bevor der Aufstieg rechnerisch klar war). Unsere Mannschaft ist nämlich eine etwas kranke Truppe; wir können genauso jedes Spiel verlieren wie auch jedes gewinnen. Wir haben einen sehr jungen Altersdurchschnitt und wenig Erfahrung.

Werden Sie die Mannschaft auch jetzt zusammenbehalten können?
Wir wollen alle behalten und glauben auch, dass dies klappt. Bis auf zwei, deren Abgänge schon bekannt sind (Anm. Red: Assistenztrainer Gianluca Cavaliere wird Trainer beim FC Wollishofen und Vigan Bunjaku verlässt den Verein ebenfalls). Vielleicht müssen wir noch einige Spieler abgeben, um A-Junioren integrieren zu können, und eventuell gibt es die eine oder andere Verstärkung. Wir wollen das Team aber nicht stark verändern.

Stand je infrage, ob der Verein den Aufstieg stemmen kann und will?
Der Vorstand hatte natürlich Anfang Saison den Ligaerhalt als Ziel gesetzt. Man hat niemals damit gerechnet, dass wir das Zeug haben, um schon wieder aufzusteigen. Aber ich habe das von Anfang an anders gesehen: Bei mir lautet die Devise, wie gesagt, immer gewinnen zu wollen. Dies klingt vielleicht etwas überheblich, aber es ist einfach meine Mentalität.

Wird der Verein nun mehr Geld in die Hand nehmen, um sich zu verstärken?
(Versteht zuerst die Frage inhaltlich nicht, dann aber sehr bestimmt): Nein, das ist bei uns kein Thema.

Es ist kein Thema, das man Spieler mit Geld nach Adliswil holt?
Nein, wirklich nicht. Bei uns wird niemand bezahlt. Das wird es auch in den nächsten Jahren nicht geben.

Auch keine Spesen oder Prämien?
Nein, nichts. Es wird niemand bezahlt, und wir haben auch nur zwei Trainingseinheiten pro Woche. Wir sind eine Gruppe von Freunden. Wir haben viele Adliswiler, die auch neben dem Platz befreundet sind. Die Leute sind da, weil sie miteinander spielen und gewinnen wollen. Das ist sicher auch ein Erfolgsfaktor.

Sie scheinen sich in Adliswil schon nach kurzer Zeit sehr wohlzufühlen. Was gefällt Ihnen hier?
Es gefällt mir alles – ich fühle mich pudelwohl in Adliswil. Ich bin in Sardinen in einem 5000-Seelen Dorf aufgewachsen, das sehr offen und sozial ist. Man ging gut miteinander um – und das finde ich auch hier in Adliswil und im Fussballclub. Ich habe innerhalb der Mannschaft viele Freunde gefunden. Ich bin neben dem Platz ein sehr umgänglicher und sozialer Mensch und sehr gerne unter Leuten – das ist hier möglich. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei Alessandro Colantoni bedanken. Er hat mich zum FC Adliswil vermittelte, und ohne ihn wäre ich heute nicht Trainer dieses fantastischen Teams. (Anm. Red. Mario Pischedda ist vor eineinhalb Jahren mit seiner Frau von Italien in die Schweiz gezogen, weil sie hier einen Job angenommen hat).

Wenn sie nur neben dem Platz sozial und umgänglich sind, wie sind dann auf dem Platz?
Hart. Ich erwarte von jedem Spieler 1000 Prozent, es gibt nie eine Pause und keine Spässe während des Trainings. Ich funktioniere da etwas nach «alter Schule», nicht ganz alle haben Freude daran. Aber ich bin überzeugt; so wie man trainiert, so läuft dann auch das Spiel.

Alessio Piccinno, Sie waren schon beim FC Adliswil, bevor Mario Pischedda als Trainer übernahm. Was hat sich verändert?

Alessio Piccinno: Alles. Er hat uns diese Siegermentalität eingepflanzt. «Vincere» (Anm. Red: Siegen auf Italienisch) wurde unser Slogan. Er hat uns das eingebrannt, zuerst als Spieler und nun als Trainer.

Mario Pischedda (unterbricht ihn): «Vincere» bedeutet für mich aber nicht nur, das Spiel zu gewinnen, sondern jeden Zweikampf zu gewinnen, Herz und Kampf zu zeigen, das ist «Vincere». Und die Spieler wissen, was folgt, wenn sie nicht umsetzen, was ich will. Aber ich möchte auch betonten, dass ich Glück hatte, in dieses Team zu kommen und Leute um mich haben, die sich verbessern und an sich arbeiten möchten. Das Gleiche gilt nämlich auch für mich selber, ich will stets an mir arbeiten.

 

Verbleibende Partien: Sa. 9. Juni, 17 Uhr, FC Adliswil – FC Stäfa, Sportplatz Tal, Adliswil. So. 17 Juni, 14 Uhr: FC Lachen/Altdorf – FC Adliswil.



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